Rache aus der Luft (Leseprobe)

FREDERIC. In jener stürmischen Vollmondnacht saßen wir, meine Mutter und ich, in unserem kleinen Haus bei einem Buch und einem Glas Wein. Während ich historische Reisebeschreibungen eines Kaufmannes aus dem Bremen zur Zeit der mittelalterlichen Hanse las, tat Mutter sich an einem Liebesroman der seichteren Art gütlich. Von solchen Schmachtschriften hielt ich gar nichts. In meinem jugendlichen Alter stand mir mehr der Sinn nach abenteuerlichen Geschichten und Erzählungen über ferne, unbekannte Kulturen und Kontinente, war ich doch bisher kaum über die Grenzen unseres Städtchens hinaus gekommen und träumte daher von langen, aufregenden Reisen. Wir wohnten weit außerhalb einer kleinen Stadt auf dem Land und nannten einige Hektar Ackerland unser Eigen. Ein kleines Wäldchen in dessen Mitte umgab schützend unseren Hof. Kräftige, hoch gewachsene Bäume mit knorrigen Ästen verstanden es vorzüglich, Haus und Hof vor fremden Blicken zu verbergen. Die nächste für Kutschen leidlich befahrbare Straße war vom Haus aus nur über einen unbefestigten Weg zu erreichen, der querfeldein durch Buschwerk und dichtes Geäst führte.

So abgeschottet vom Rest des nächsten Ortes zu wohnen, konnte ebenso ruhig und beschaulich als auch von imensem Nachteil sein – wenn zum Beispiel die Kaufleute zum Markt in das Städtchen strömten. Da das zu keinen festen Zeiten geschah, waren wir darauf angewiesen, dass man uns Bescheid gab. Oder es hieß, Augen und Ohren immer offen zu halten.

An diesem Abend spielte das Wetter verrückt. Die einzige Laterne im Hof drohte zu erlöschen, Regentropfen begannen, gegen die Fensterscheiben zu prasseln. Das Feuer im Kamin wurde immer unruhiger. Mutter war dieses Wetter schon gewöhnt, mir aber ward unbehaglich zumute.

Schließlich war ich mit meinen dreizehn Jahren immer ein wenig ängstlich und von eher zierlicher Gestalt, so dass ich oft und immer wieder bevorzugtes Opfer von Hänseleien, Streichen und allerhand Schabernack Älterer wurde. Besonders tat sich da der Spross der Fleckmanns hervor, ein hoch aufgeschossener blasser Junge namens Roderich mit Zahnlücke und hähmischem Dauergrinsen, so sympathisch wie Cholera und Pest zusammen. Vater Fleckmann war ein ehrbarer Mann und seines Zeichens Schuster. Roderichs Mutter , unsere Dorfschullehrerin, hatte mit ihrem missratenen Sohn ihre liebe Not.

Die Dorfschule befand sich in einer umgebauten Scheune und besaß nur zwei Klassen, eine für jüngere Schüler und eine für die Älteren. Manche Eltern fanden das zu fortschrittlich, weil es in jeder Klasse sowohl Mädchen als auch Jungen gab. Doch die meisten Streitigkeiten heckten die Jungen untereinander aus – so wie der blöde Roderich immer wieder mich zu seinem Lieblingsopfer machte.

Darüber dachte ich gerade nach und hatte für einen Augenblick lang vergessen, dass ich ein aufgeschlagenes Buch in den Händen hielt, als

das laute Klappern der Fensterläden mich aus den Gedanken riss. Ich ging ans Fenster und sah besorgt hinaus. Gerade wollte ich etwas sagen, als von der oberen Etage ein lautes Bersten zu hören war. Erschrocken zuckte ich zusammen und starrte gebannt zur Treppe in Erwartung weiterer Seltsamkeiten. Mutter war ein wenig schwerhörig und las ungerührt weiter. Bevor ich mich überwinden konnte nachzusehen, bemerkte ich dieses kleine ferne Licht draußen im Regen. Was war das?

Meine Nase gegen die Fensterscheibe pressend bemühte ich mich vergebens, etwas zu erkennen.

„Frederic, lass das,“ sagte Mutter, die nur kurz aufgesehen hatte.

„Da draußen war ein Licht, Mutter.“ „Wer soll da bei diesem Wetter unterwegs sein? Du hast dich bestimmt geirrt!“ Damit war die Sache für sie erledigt. Also nahm ich all meinen Mut zusammen, griff nach einem Kerzenleuchter und ging möglichst leise die Treppe hinauf.

Die hölzernen Stufen knarrten, als wollten sie da oben jemanden vor meinem Erscheinen warnen. Beinahe wären mir die Kerzen ausgegangen. Ich spürte einen kräftigen, eisig kalten Luftzug. Wieder hatte ich starkes Herzklopfen. Vater ist tot, ich bin der Mann im Haus, redete ich mir Mut zu.

Das Fenster in einem der Zimmer war vom Wind aufgedrückt worden, und ich wagte mich bis an die Fensterbank. Bedrohlich ragten mir die Äste des alten knorrigen Baumes entgegen. Einen Moment lang schien mir, die Äste wollten wie lange, dürre Arme nach mir greifen. Unwillkürlich wich ich einen Schritt zurück. -Leseprobe Ende –

In dieser Gruselgeschichte wird aus verschiedenen Perspektiven der jungen Protagonisten Frederic, Anne, Sam und Roderich erzählt, was für schaurige Ereignisse sich in einem abseits gelegenen Dorf irgendwann im 18.Jahrhundert zugetragen haben.

im Juli 2022 erscheint diese Geschichte zusammen mit weiteren Gruselgeschichten in einem e-book.

Leseprobe aus einem Schubladen-Manuskript

Nebelumschlungen und zugedeckt mit Stille ruht die Natur. Es ist die blaue Stunde, jene Zeit zwischen Tag und Nacht, die die Menschen entweder Schwung für den neuen Tag oder endlich Atem holen lässt; die Hausputz hält in den Hirnen der Schlafenden und die Schlaflosen sanft an das Hier und Jetzt zu erinnern vermag. Nadine genießt zu dieser frühen Stunde den Ausblick von der Terasse ihres Hauses, der ihr ein atemberaubendes Panorama aus Wald, Hügeln und Feldern beschert. Sie blickt hinunter ins Tal und ist immer wieder froh, dass die kleine Hütte nicht gar zu hoch liegt, dennoch von unten schwer zu entdecken, aber durch eine breite Waldschneise leicht zu erreichen ist. Selbst mit ihrem Kleinwagen, einem alten Japaner, kann sie die Kurven und das unbefestigte Gelände gut bezwingen.

Als sie sich vergewissern will, ob ihr vierrädriger Liebling noch auf der anderen Seite des Hauses steht, trifft sie der Schlag. Sie kann nicht fassen, was sie da sehen muss, als sie durch das Küchenfenster blickt: Beifahrertür und Kofferklappe stehen sperrangelweit offen, so als müsse das Gefährt mal richtig durchgelüftet werden. Täuscht sie sich, oder ist da eine der Scheiben eingeschlagen? Ihr Handy klingelt. Es ist ein merkwürdiger Klingelton, das wird ihr jetzt mehr denn je bewusst. Jakob, ihr Mann hatte ihn ihr heruntergeladen und eingestellt. Sie erschrickt, als der Schrei des Dschungelhelden Tarzan erklingt und das Telefon auf dem Nachttisch vibriert.

Nervlich am Ende setzt sie sich aufs Bett, muss den Tränen freien Lauf lassen und kann jetzt nicht ans Telefon gehen. Schmerz breitet sich in ihr aus, und er wird noch lange anhalten. Denn ihr Mann Jakob ist tot.

Das Klingeln will nicht aufhören, fordernd johlt der Lianengreifer wieder und wieder. Das Auto! Nadine rennt aus dem Zimmer, wirft sich einen Mantel über und nähert sich vorsichtig dem Fahrzeug. Die Dämmerung hat ihr einen Streich gespielt – es ist nur die Kofferklappe offen. Statt der vermeintlich offenen Beifahrertür stellt sie fest, dass sie sehr dicht neben dem alten Briefkasten parkt. Das Heck des Autos hat Nadine verschlossen, da ist sie sich sicher.

Mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Vorsicht lässt sie den Blick streifen. Noch gibt die Dämmerung nicht viel frei von der Natur um sie herum. Aus dem nahen Wald dringt ein Knacken an ihr Ohr, dann folgen langsame Schritte. Versucht da jemand zu schleichen? Dann ist er aber schlecht darin.

Nadine geht langsam rückwärts zum Haus, voll auf diese Richtung konzentriert. Jeden Moment wird dort am Waldrand eine Gestalt auftauchen, Mensch oder Tier. Dass ihr von hinten Gefahr droht, ahnt sie nicht. Sie spürt noch die kräftige Hand auf ihrem Mund, und ein beißender Geruch steigt ihr in die Nase. Dann kehrt die Dämmerung in voller Pracht zurück. Die junge Frau knickt weg wie eine Blume, die eben gepflückt wird.

„Ein Knochenjob für Jochen-Bob“

leseprobeMit Beginn der Werbepause stand er aus seinem Fernsehsessel auf. Vier Flaschen Hefeberger Weizenpfütze hatten seine Blase zur Größe eines AOK-Sitzballons anschwellen lassen und verlangten dringend danach, seinen Körper zu verlassen. Deswegen pinkelte er auch die gesamte Werbepause durch und erschien pünktlich zur Fortsetzung des Horrorfilmes nach zwölf Minuten wieder in seinem Wohnzimmer. Leider war sein Lieblingsbier nun alle, nicht eine Weizenpfütze befand sich noch im Innern seines ansonsten leeren Kühlschrankes. Angesichts dieser Erkenntnis gruselte es ihn nun also wirklich. Dieses Gefühl hätte eigentlich der Film in ihm auslösen sollen. Filmblut ließ ihn aber generell kalt, und dieses B-Movie langweilte ihn genau genommen.
Plötzlich klingelte das lästige Telefon. Missmutig zerrte er das Handteil unter einem Stapel Dreckwäsche hervor und meldete sich schnaufend mit “Privatdetektei Jochen R. Schießer”
“Jochen Robert? Ich bin es, Mama. Junge, schalt mal TVblau an, da gibt es jetzt gerade einen Krimi. So einen Fall hattest du doch auch mal, das haben die glatt geklaut.” Pause am anderen Ende. “ Sag mal, hast du etwa ein Drehbuch oder sowas geschrieben und dahin gesendet?” Jochen-Bob, wie ihn seine Freunde nannten, rülpste ins Off, während er die Hand auf den Hörer legte und dann antwortete: “ Mama, ich schaue gerade was Gruseliges. Bis später also, ja?” “Du schaust doch nicht schon wieder Börsennachrichten?”
-Ende Textauszug-
Diese Geschichte wird bald auf bookrix zu lesen sein. Zur Veröffentlichung (mit ISBN und so) ist sie nicht vorgesehen.  Infos dazu, wann es soweit ist, folgen an dieser Stelle.