Schlagwort-Archive: Zur (P)lage der Nation

Lockdown back in Town

GLOSSE. Zum Glück wird der Lockdown verlängert. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste nun nach der Arbeit noch in die Stadt fahren, um noch in die offenen Geschäfte zu kommen, bevor sie der verkürzten Öffnungszeiten wegen um 18 Uhr schließen. Shoppen, so lange es noch möglich ist, oder so. Dieser Stress bleibt mir erspart, und ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Ich muss niemanden irgendwohin zum Essen einladen, nicht mal, wenn ich flirten, meinen Geburtstag feiern oder einfach nur italienisch essen will. Und dank der seltsamen Ausgangssperre stecke ich mich jetzt lieber nachts drinnen an, als draußen an frischer Luft allein in der ohnehin gruseligen Dunkelheit vergebens auf den einsetzenden Husten zu warten. Mein Kino heißt Netflix, mein Museum Keller und mein Koch ist ein Lieferheld und mein Café der Balkon.

Fast so beschaulich wie zu DDR-Zeiten. Allerdings war damals nicht alles besser. Wenn auch das Toilettenpapier niemals knapp war, das muss man sagen. Aber es war im Gegensatz zu heute scharf wie Schmürgelein, also wie Schleifpapier. Das war aber auch nötig, damit auch die letzten braunen Arschlöcher irgendwann rot wurden.

Schuld ist diese Frühlingsseuche

Nun ist es also soweit, dass die Regierung in Gestalt der Kanzlerin uns schon soziale Kontakte verbietet, oder zumindest empfiehlt, auf sie zu verzichten. Hallo? Das hieße auch: Kein Shopping, kein Facebook, nur Fernsehen. Schlimm genug, dass Kinder die eigenen Großeltern nicht mehr besuchen dürfen. Ist das noch vertretbar oder schon Ausgrenzung?  Und was ist mit den Mehrgenerationen-Häusern, wo alt und jung zusammen unter einem Dach leben? Solche Begegnungsstätten sind doch so ein verheißungsvoller Anfang, die Kleinen von den Senioren profitieren zu lassen und etwas Aufmunterung und einen Sinn  in deren Alltag zu bringen. Das macht uns nun diese blöde Frühlingsseuche kaputt, und wir haben keine Wahl, als abzuwarten? Leider ist das in der Tat so, bis es 2021 einen Impfstoff gibt und man sich vorbeugend impfen lassen kann.

 

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Ich bin bisher noch vergleichsweise unbetroffen, lediglich meine Lesung am 15.3. wurde verschoben, aber da wäre der Eintritt ohnehin frei gewesen und es wären vermutlich kaum mehr als 20 Leute gekommen.  Die Leipziger Buchmesse hat mich dieses Jahr eh  nicht so  interessiert, und bis die Berlin BUCH im November stattfindet, sieht die Lage hoffentlich freundlicher aus. Viele Alleinerziehende und Berufstätige müssen nun die Herausforderung der Kinderbetreuung ihrer Sprösslinge meistern, da Schulen und Kitas bis 16.April in MV geschlossen bleiben.

Wenn die Quarantäne dann um sich greift, werden bald auch große Betriebe und Firmen menschenleer bleiben. Die wirtschaftlichen Folgen zu beobachten, dürfte einen Lernprozess in Gang setzen, wie Deutschland ihn lange nicht hatte. Dagegen sind die aktuellen Probleme, die Corona mit sich bringt, erst der Anfang  und zum Teil hausgemacht, wie mangelnde Bettenkapazität in den Kliniken, Ärztemangel und Hamsterkäufe.

Schade, dass wir nicht besser auf solch ein Szenario eingestellt sind,  wir Deutsche hätten das Zeug dazu gehabt; aber leider nicht die Politiker dazu. Abwrackprämie und Windkraft sind eben nichts gegen ein pandemieresistentes und gut gebildetes, arbeitsfähiges Volk.

Noch immer Winter trotz Sommerzeit

Halleluja: Irgend so ein in Bündnis gemeinsamer Wahlsieger hat sich endlich zusammengerafft und mitten im Winter beschlossen, sich ab sofort nur noch inoffiziell anzugiften. Offiziell wollen sich diese selbsternannten Koalitionäre ab sofort den Regierungsgeschäften widmen. Sehr zur Freude der restlichen Welt, deren Nabel Deutschland nun endlich wieder „back in town“ ist und ab sofort wieder vorgibt, was geht und was nicht. Nachdem nun also die neue Regierung vorgestellt wurde, kann man nun auch getrost die Uhren wieder vorstellen – eine neue Zeitrechnung bricht an – die Sommerzeit. Wohlan, mich deucht, das klingt fürwahr nach Aufbruch.

Es brach auch die Bundesmutti auf, und zwar nach Frankreich, wo sie schon seit fast einem halben Jahr erwartet wurde. Aber Hauptsache, da war wieder wer! Und aus lauter Ergriffenheit wurde sogar das Wetter vorübergehend besser und der Winter lächelte mild, nur um dann nochmal richtig auszuholen und ein Zeichen zu setzen: Wahrscheinlich hat er den Koalitionsvertrag gelesen mit all dem Schnee von Gestern, der da drinsteht.

Naja, immerhin haben wir die Uhren neu justiert, also es beginnt eine neue Zeitrechnung im nun wieder regierten Deutschland, das damit auch wieder in der Welt mitregiert. Auch, wenn der Winter das eiskalt ignioriert – es ist Sommerzeit. In der unsicheren, regierungslosen Zeit war er uns Wählern, die wir schuldhaft und mit politikzerstörender Absicht eine Regierung unter Stress gesetzt haben, ein willkommener Sündenbock. Immerhin hatten wir ein halbes Jahr lang keine Regierung, auf die wir so richtig schimpfen konnten.

Jetzt aber schlingert das Schiff Deutschland wieder auf sicherem Zickzackkurs durch Europa und die Welt und zeigt allen, wo es langgeht. Und wo nicht.
Jetzt können wieder Waffenexporte beschlossen und Flüchtlinge abgeschoben, Unternehmen und Konzerne steuerlich weiter entlastet, Ausfuhrzölle heruntergehandelt und Hartz4 -Empfänger sanktioniert werden. Beruhigend! Da wird selbst der olle Winter grün vor Neid. Und wir sind wohl nochmal mit einem Veilchen davongekommen, oder?

Winter in Deutschland

Deutschland schlittert regierungslos durch den Winter, der  darüber nur mild lächelt und locker-flockig die Eiseskälte statt zu uns in den Wilden Westen schickt. Wahrscheinlich geht es ihm in Deutschland ohnehin schon kalt genug zu. Die Deutschen führungslos? Niemand, der ihnen mit Herzenswärme die Richtung weist, sie freundlich lächelnd mit falschen Versprechungen überrascht und ihnen liebevoll-energisch den falschen Weg weist? Sie ohne dass sie es merken von ihrer sozialen Intelligenz befreit, zum Beispiel durch öffentlich-rechtliches Fernsehen, die kaum merkbare Erhöhung des ALG II -Satzes und die Duldung über Wucher hinausgehender Mieten in Großstädten? Naja, auch wenn das Wahlergebnis Schnee von gestern zu sein scheint, um mal bei dem Bild zu bleiben – das allerdings hat das von Festtagsidylle und Weihnachtswohlstand noch eingelullte träge deutsche Volk so nicht gewählt: Ein Land ohne Regierung. Aber selbst Schuld. Wieso müssen auch so viele Nichtwähler plötzlich aus ihren Nestern kriechen und mitmachen? Und dann die Arbeitsverweigerer der FDP, über die so manche Kabarettisten und Comedians schon abgelästert haben, dass sie aus Angst vor Verantwortung lieber Opposition sein und bleiben wollten, obwohl da ja neuerdings die SPD beheimatet ist. Und nein, SPD heißt nicht etwa Schulz Penetriert Deutschland.

Die Mitglieder der neuen Bundesregierung auf einen Blick.

So also sitzen nun die Vertreter aller beteiligten Parteien frühjahrsmüde und noch mit Lametta am Jackett zusammen, also zumindest hin und wieder mal, um zu beraten, wie man nun die verbleibende Zeit bis zur nächsten Wahl totschlägt.  Ja, wie wäre es denn mit Regieren? Wie glaubhaft ist denn Außenpolitik, wenn es keine Regierung gibt? Spricht der Außenminister dann nur für sich?  Und wer ist denn überhaupt Außenminister? Außen Minister, innen Geschmack. Aber Verreisen steht derzeit nicht so hoch im Kurs, denn in Deutschland herrscht ein milder Winter. Wenigstens einer, der herrscht. So also schlingert das Land nun so vor sich hin, kratzt an seinem Image, verspielt manchen Bonus seines Ansehens und betrachtet sich dennoch wohlwollend im Spiegel. Trotz 1 Mio versteckter Langzeitarbeitsloser, die in keiner Statistik erfasst werden, trotz knapp 3 Mio Kinder, die von Hartz4, also der Grundsicherung leben.  Auch wenn er manchmal und Manchem zu mild zu sein scheint: Es ist immer noch Winter in Deutschland.