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Erlebtes neu sortieren

Ich habe schon so manches Mal über mangelnde Zeit zum Schreiben gejammert. Zu kleine Zeitfenster erschweren das Sich-Hinein-Denken in die andere Welt der Geschichte, und Kreativität und Effektivität entfalten sich nicht in der Kürze der Zeit, zwischen Feierabend und Einkauf, zwischen Home Office und Arzttermin.

Und da ist noch was:

Vielleicht geht es ja anderen Autoren ähnlich, und sie benötigen auch relativ viel Zeit, um aufschreibenswerte, selbst erlebte Alltagsabenteuer zu rekapitulieren, aufzubereiten und zu einer tragfähigen Handlung auszubauen. Man fängt schon an, Protagonisten zu erfinden, einen roten Faden zu stricken und lässt sich dann doch vom Bauchgefühl beim Schreiben beeinflussen. Gut, wenn man dann auf das „vorsortierte“ Grundgerüst der Idee zurückgreifen und sich erneut daran entlanghangeln kann.

Da hilft nur eins: Tagebuch führen, und sei es nur in Stichpunkten.

Frag bloß!

Angesichts meiner letzten Honorarabrechnungen aus 2020 stellt sich diese Frage nicht für mich. Dennoch stelle ich sie mir immer mal wieder, und neulich hat sie mir eine Autorenkollegin auch gestellt. Die Antwort für mich fällt eindeutig aus. Die Antwort ist ein entschlossenes „… ähm… wer weiß?“ Mein im Karina Verlag Wien verlegtes Buch hat sich in Österreich übers Jahr nur mäßig verkauft, in Deutschland kaum. Mein erklärtes Ziel war es nie, kurzfristig vom Schreiben satt werden zu können. Wenn man mit diesem Gedanken im Hinterkopf und nur damit ans Schreiben geht, also ohne Talent und mit dem Ziel, daran zu verdienen und davon zu leben, ist das für viele Zeitgenossinnen und -genossen ein entbehrungsreiches, steiniges Unterfangen, so meine Beobachtungen. Entdeckt man aber erstmal den Spaß an diesem Handwerk, hört auf sein Bauchgefühl (auch nach dem Essen, welches man egal wovon bezahlt) und betreibt „learning-by-doing“, sehen die Erfolgsaussichten schon anders aus. Fleiß und Kreativität schaden der Sache auch nicht. Kreativ geht selten schief.