Bekanntes Neu entdecken

Wer das vermag und sich dafür Zeit nimmt, der wird sich inspiriert fühlen und bringt damit seine Fantasie auf eine neue Spur. Jüngst verspürte ich dieses Gefühl im Stadthafen meiner Heimatstadt und konnte hier Anregungen für weitere Gedichte und möglicherweise kleine Geschichten sammeln. Dazu musste ich nur einen freien Tag von morgens bis abends draußen verbringen, wobei es half, dass das Wetter mitspielte.

Man kann sowohl Orte als auch Menschen, die Landschaft, den (in meinem Fall klaren) Himmel oder diverse andere Dinge auf sich wirken lassen – natürlich ist es unschön, wenn es da diese Abstandsregeln, den Mund-Nasenschutz und andere Auflagen gibt, aber das war zum Glück nicht immer so.

Und selbst ein originell gestaltetes Bild an der Wand, eine kreativ verzierte Hausfassade, ein urwüchsiges Fleckchen Natur oder sonstige uns begegnende Kuriositäten, die wir zu versäumen drohen, wenn wir nur gesenkten Hauptes durch den Tag schleichen, könnten uns bewusst machen, dass jede Stunde, jeder Augenblick immer wieder anders daherkommt. Auch daraus, nicht nur aus Erlebtem, kann ein Autor seine Ideen zum Schreiben beziehen.

Die Kunst aber ist kein Handwerk, sondern Vermittlung von Gefühlen, die der Künstler empfunden hat. (Leo Tolstoi)

Der Reichtum des Einen ist des Anderen Verzicht

Es war einmal ein Rachestaat,
zwar nicht mehr umgeben von Stacheldraht,
der aber seine Bürger zur Kasse bat –
als Resultat für ihr Wahlzettelkreuz:
Jeder Wähler bereut´s,
doch die Regierenden freut´s;
kümmern die sich doch allenfalls
um die Vermehrung des Kapitals.
Und pinseln den Reichen mit Honig den Bauch.
Ihr eigener wächst davon übrigens auch.
Das Volk demonstriert mit Wut im Gesicht,
denn Reichtum des Einen ist des Anderen Verzicht.

Und schon gibt es plötzlich Gesetzesentwürfe,
die erlauben, dass Jede(r) jetzt Haschen dürfe,
Billiger seien ab sofort Spirituosen.
Und man verzeihe dem Pöbel seine Neurosen.

Beruhigt verzieht sich der Wähler in vollem Maße
mit seinen Spruchbändern von der Straße
sitzt wie einst vor dem Fernseher und fiebert verwegen
dem nächsten Wahlzettelkreuzirrtum entgegen.

Moral:
Man gebe dem Volk nur Brot und Spiele
Schon sind es der Rebellen nicht mehr so viele.

Einfach mal ein Feedback

Leider kann man diese und andere neue Funktionen nicht in die Widgetleisten oder die Menüs einfügen, daher probiere ich hier mal aus, ob dieses Feedbackformular auch funktioniert. Bin gespannt, ob was ankommt und sich wer traut … Ich verlose unter allen Mitmachern ein Buch oder Kurzgeschichtenheft von mir, welches er/ sie sich aussuchen darf.

Unangepasstes Schreiben (2)

Viel zu wenig Bücher und Geschichten widerspiegeln die DDR-Zeit in realistischer, unverfälschter Weise und aus ostdeutscher Perspektive. Im Buch- wie im Filmgeschäft dominieren klischeelastige, voreingenommene westliche Betrachtungsweisen und moralisch einseitig durchtränkte Geschichten über die Zeit vor, während und nach der sogenannten Wende. Die stille Revolution war eines der größten Ablassgeschäfte der jüngeren Geschichte, deren beteiligte Seiten die Großmächte Russland und Amerika dem Drängen des wirtschaftlich gesättigten Westdeutschlands nachgaben, den Osten aufzukaufen. Dumm, dass die Treuhand die geplante Wirtschaftsreform durch blinden Aktionismus und durch Blitzverramschung einer ganzen Volkswirtschaft versaut hat. „Blühende Landschaften“ versprach der Einheitskanzler Kohl, und die gab es in der Tat überall da, wo ehemalige volkseigene Betriebe einer wilden Flora und Fauna wichen, auch wenn Gänseblümchen und Knöterich später wieder neuen Gewerbegebieten weichen mussten.

Zu wenig Authentizität aus dem Osten

Was ich damit sagen will … Ich bin dankbar dafür, dass ich in der Schule Literatur von Ivan Turgenjew, Maxim Gorki und Stefan Heym lesen musste, ostdeutsche Schriftsteller wie Anna Seghers, Gerhard Holtz-Baumert und Liselotte Welskopf-Henrich kennenlernen konnte. Aber in jüngerer Zeit vermisse ich wirklich das, was ich Heimatperspektive nenne. Wann immer über die DDR geschrieben wird, geschieht dies auf eine herablassende, bemitleidende, westlich-ironische Weise und durch Leute, die den ostdeutschen Staat auch nur aus ihren einseitig berichtenden Medien kannten.

Wo sind die jungen und die nicht mehr jungen Autoren und Schriftsteller, die die DDR noch kannten oder zu diesem Land eine Beziehung haben? Die auch positive Dinge zu berichten wissen und die westliche Sichtweise hier und da relativieren können? Das wäre doch mal unangepasstes Schreiben, weil solche Geschichten die Diskussion über soziale Intelligenz und Demokratie in diesem müden, übersättigten und selbstgefälligen Deutschland neu anregen würde.

Bewertung: 1 von 5.

die erklärung manchen dinges aus sicht eines schreiberlinges