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Haribo macht Wahlkampf

Ich habe sie entlarvt – die Süßigkeitenindustrie greift aktiv in den Wahlkampf ein. Zitat: “ Definitiv sind Frösche und Himbeeren am besten.“ Das ist Wahlkampf @hisbest! Frösche? Himbeeren? Haribo will, dass wir rot-grün wählen. Oder sogar nur rot! Beweis nötig? Okay, neues Zitat: „Stell dir mal vor, wir könnten einen roten Haribo eingraben, und dann käme ein riesengroßer Goldbärbaum, nur mit Roten!“ Aha. Sozialdemokraten wachsen also an Bäumen. Oder Linke.

Was aber ist mit braunen Haribos? Die haben keine Chance, denn eine Bibliothekarin nuggelt sie leer, Zitat: “ Ich darf Cola nur an Silvester trinken.“ Tolle Entschuldigung. Daher also fühlt sich die AfD so ausgelaugt. Istmir aber egal. Wie gut, dass ich dieses ganze weiche süße Zeug verabscheue. Meine Wahl wäre sowieso an keine Farbe gebunden, sondern eher regenbogenfarbend oder knallbunt.

So kann´s gehen …

Ich kämme mir morgens meine Pechsträhnen aus dem Gesicht und esse einen Glückskeks. Darin steht das berühmte Zitat. dass die Lage hoffnungslos, aber nicht ernst sei. Vor Lachen falle ich vom Stuhl und verstauche mir den kleinen Finger. Ja so ein Hoffnungslos hätte ich auch gerne, und wenn möglich, keine Niete. Hoffnung, also die Nahrung der Gutgläubigen, stirbt ja bekanntlich zuletzt, glaubt der Volksmund zu wissen. Und als ich mir vorstelle, wie die Hoffnung schon bald auf unserem Planeten das Licht ausknipst, weil keiner mehr da ist zum Sterben, wird mir doch etwas blümerant. Also gehe ich zum Arzt, nutze die Gunst der Stunde, und genieße Tag 1 meiner Krankschreibung fernab von Hektik und Stress. Schlechten Kaffee und viel zu tun habe ich auch zu Hause. Fest steht: Die Chance ist ganz ergriffen (worden) von mir.

Lockdown back in Town

GLOSSE. Zum Glück wird der Lockdown verlängert. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste nun nach der Arbeit noch in die Stadt fahren, um noch in die offenen Geschäfte zu kommen, bevor sie der verkürzten Öffnungszeiten wegen um 18 Uhr schließen. Shoppen, so lange es noch möglich ist, oder so. Dieser Stress bleibt mir erspart, und ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Ich muss niemanden irgendwohin zum Essen einladen, nicht mal, wenn ich flirten, meinen Geburtstag feiern oder einfach nur italienisch essen will. Und dank der seltsamen Ausgangssperre stecke ich mich jetzt lieber nachts drinnen an, als draußen an frischer Luft allein in der ohnehin gruseligen Dunkelheit vergebens auf den einsetzenden Husten zu warten. Mein Kino heißt Netflix, mein Museum Keller und mein Koch ist ein Lieferheld und mein Café der Balkon.

Fast so beschaulich wie zu DDR-Zeiten. Allerdings war damals nicht alles besser. Wenn auch das Toilettenpapier niemals knapp war, das muss man sagen. Aber es war im Gegensatz zu heute scharf wie Schmürgelein, also wie Schleifpapier. Das war aber auch nötig, damit auch die letzten braunen Arschlöcher irgendwann rot wurden.

Husten – Wir haben ein Problem …

In die Armbeuge niesen, in die Kniebeuge husten, nur noch durch die Ohren atmen, Blähungen ausschwitzen – ich habe es satt. Mein Körper übrigens auch. Ich werde nicht als Opfer dieser Keuch- und Schniefseuche, sondern als resignierender Grobmotoriker am Ende seiner sportlichen Fähigkeiten krepieren. Kaum niese ich in die rechte Armbeuge, also in meine eigene, kommt mein Kumpel Hans und begrüßt mich mit dem coronatischen Ellenbogengruß und stupst mich dabei so kräftig, dass bestimmt einige von den Niespartikeln aus dem Ärmel meines Viskosehemdes fallen. Und das Husten in die Kniebeuge verlangt mir körperliche Höchstleistungen ab. Prompt schnuppert der Hund meiner Eltern an der beniesten Stelle und ich ertappe mich dabei, dass es mir einerlei ist, ob er sich ansteckt. Der hechelnde Allesriecher ist ja kein Überträger per se, denn er ist ja keine chinesische Fledermaus.

In Zeiten, wo sich jeder noch so kleine Hustenreiz, jedes Kratzen im Hals bedenklich anfühlt und stinknormale Menschen im Supermarkt nicht mehr von ebenfalls maskierten Bankräubern zu unterscheiden sind, ist eigentlich kaum noch Platz für Gleichgültigkeit, Solidarität, die viel gepriesene und oft beschworene, rückt mehr und mehr ins Visier der Leute. Man verehrt und feiert plötzlich die Helden des täglichen Lebens, applaudiert sich und der Welt von Balkonen herunter und ernährt sich von Nudeln, Mehl und Klopapier. Jetzt, zu Hause, hat der Deutsche ja die Zeit dazu. Home Offices schießen wie Pilze aus dem Boden, während andererseits diverse Existenzen auf dem Spiel stehen.

Wo soll das noch hinführen? Wenn eines Tages die Entwarnung kommt, werden Millionen abgesagte Kulturevents, Konzerte, Tourneen, Weltmeisterschaften, Punktspiele, Bürgermeisterwahlen, Tupperparties, Reisen, Geburtstagsfeiern, Beschneidungen, Hochzeiten, Scheidungen, Banküberfälle, Staatsbesuche und Friseurtermine auf einmal nachgeholt – und wir werden so tun, als sei nichts gewesen.

Vorbei die Zeit, da ein einfaches Hüsteln ganze Supermärkte menschenleer zu machen vermochte. So kann man sich auch gegen Übergriffe gut wehren – das hätte mir mal früher passieren sollen! In der vierten Klasse hätte ich gern dem Schwarzenegger für Arme aus der 8c gesagt „Alter, lass mich in Ruhe, oder ich huste dich an“, um ihn dann leichenblass wegrennen zu sehen.

Aber das wird nicht lange vorhalten … Bald schon verfällt Otto Normalverbraucher wieder in sein gewohntes Alltagsmuster und hat das Dazugelernte wieder vergessen. Bald schon niest er wieder in die Armbeuge des Sitznachbarn auf dem Flur des Arbeitsamtes, applaudiert nicht mehr den Helden des Alltags, sondern Helen Fischer aus der ersten Reihe heraus und trägt seinen letzten Mundschutz als Tanga am FKK-Strand, weil er auf brave, gesittete Weise freizügig sein möchte. Vielleicht verschenkt er das Ding ja noch weiter hinterher, wer weiß … Ich würd´s nicht nehmen. Ich würde ihm was husten.