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Prioritäten setzen

In absehbarer Zeit steht nun eine berufliche Veränderung an, gefühlt die fünfzigste in meinem Arbeitsleben. Aber diese ist durchaus positiv, denn sie beschert mir freie Wochenenden und schürt somit meine Hoffnung auf ein organisierteres Zeitmanagement, meine Freizeit betreffend. Da sind immer erstmal familiäre Verpflichtungen, dann kommt mein Lieblingshobby Schreiben. Freunde treffen ist heutzutage fast schon illegal, aber auch das muss sein. Zumal wir für eine Clique viel zu klein sind. Also, zahlenmäßig. Wir sind, wenn wir vollzählig sind, zu dritt, also knapp vorbei an einer Zusammenrottung, liebe Verbotsbeachter. Und dann ist da noch meine Gesundheit … keine Angst, ich rede von altersbedingten Zipperlein, die mit Corona nix zu tun haben. Also nutze ich die Zeit, da es mir nicht so gut geht, nicht nur zum Schreiben, auch zum Lesen, Chillen. Man muss eben Prioritäten setzen. Auch zum Rausgehen, wobei ich zu Fuß jeden Tag weit über 15km von meiner Wohnung entfernt durch fremde Welten streife, auf der Suche nach Abenteuer und lustigen Maskenträgern, die mich prompt nach Hause schicken wollen und damit drohen, mich anzuhusten, wenn ich ihre Zurechtweisung auf die leichte Schulter nehme. Ich habe nur leichte Schultern, sage ich, was sie mir angesichts meiner gekrümmten Wirbelsäule nicht glauben, auch nicht, dass der Buckel vom Arbeiten kommt. Sie hätten andere Hobbys, entgegnen sie lachend und zeigen mir einen Vogel. Woher sollen sie auch wissen, dass mein krummer Rücken vom Schleppen meiner vielen Goldbarren kommt, die nun sicher verstaut in meinem Keller liegen? Man muss eben Prioritäten setzen.

Glosse: Sieben auf einen Streich

Es war einmal ein Autor, der wäre so gern schon ein richtiger Schriftsteller. Aber er hatte nicht alle Tassen im Schrank. Die stapelten sich nämlich dreckig neben seinem Schreibtisch. Aber von denen ist hier eigentlich nicht die Rede. Er war nämlich so schizophren, dass er dank seiner Persönlichkeitsspaltung für jede Lesung, die er besuchte zehn Eintrittskarten kaufte! Das ging auch alles gut – bis sieben seiner zehn Ich´s eine gemeinsame Anthologie herausbrachten, die wider Erwarten ein Bestseller wurde. Und somit steckte er richtig in Schwierigkeiten.

Alle sieben beteiligten Autoren wurden nämlich zu einer Pressekonferenz eingeladen. Ein telefonisches Interview hätte er ja noch irgendwie realisieren können, aber diese Pressekonferenz sollte aus Anlass einer großen Buchmesse stattfinden.

Als unser Schriftstellerlein nun am Messepressestand um die Ecke bog, erschrak er gar sehr. Da standen sieben Stühle, auf einem flachen Couchtisch davor warteten sieben Gläser Wasser darauf getrunken zu werden, und daneben lagen sieben Mikrofone.

Aber damit nicht genug: Nach einer freundlichen Begrüßung durch den Gesprächsleiter wurde ihm der Fotograf vorgestellt – und der wollte ein Gruppenfoto machen. Guter Rat war teuer und trotzdem ausverkauft. Die anderen sechs Mitautoren seien krank und hätten ihn geschickt, flunkerte unser Tor. Pardon, unser Autor. Das aber ließ der Gesprächsleiter nicht gelten, und so turnte unser Kriztelfink von Tisch zu Tisch, sabbelte in jedes Mikro, beantworterte jede Frage mit einer anders verstellten Stimme und verrichtete so körperliche Höchstarbeit. Die Zuschauer amüsierten sich prächtig. Das Gruppenfoto entstand mit Trick 17, und das kam so:

Das Umkleidezimmer der Ballerina Xantopia Trudeltanz, die nach dem Interview ein durchgelesenes Buch tanzen und so die Gäste ergötzen sollte, glich sowieso einem Spiegellabyrinth auf dem Pfingstmarkt. Der Fotograf schob den Möchtegernschriftsteller in die richtige Position und klickediklick, tummelten sich ein Haufen gleich aussehende Autoren auf dem Foto. Das heißt, sooo gleich sahen sie nun auch nicht aus – denn es waren auch zwei große Hohlspiegel dabei gewesen…

Wenig später las man vom Tod des Autoren. Es hieß, seine drei an der Anthologie nicht beteiligten Persönlichkeiten wären eifersüchtig geworden ob des Erfolges der sieben anderen, hätten sich grausam gerächt und so alle SIEBEN AUF EINEN STREICH getötet.

Autorenleid (Vorsicht, es reimt sich)

Ideen in der Mittagspause halten meist nicht bis zu Hause, wenn man so lang auf Arbeit ist, dass man sie wieder vergisst. Mist …  In der Hose Eier habend macht man früher Feierabend, damit man noch etwas schreibt, bevor vom Tag nichts übrig bleibt.  Das rächt sich am Tage drauf, denn es fiel dem Chefchen auf.  Chefchen zetert, wettert, keift, weil es einfach nicht begreift, dass der Job einen Autoren, der zum Schreiben nur geboren, nervt, zermürbt und müde macht. Doch wer schreibt schon in der Nacht?  Das wär wirklich nur beknackt, also wird Zeit abgezwackt von den acht dreiviertel Stunden – und Geschichten werd´n erfunden, Stories, die man so nie las. Und das Chefchen nur so: „Waaaass??“  #feierabendautor

Lesetipp: Neurosen und andere Schnittblumen

An dieser Stelle weise ich nochmal daraufhin, dass es einen Auszug bissiger Blogbeiträge auch in Buchform gibt. Zusammen mit Signe Winter kommentiere ich da (zu der Zeit aktuelle) politische und kulturelle Ereignisse regionaler und internationaler Herkunft. Es geht u.a. um den Papstrücktritt, die alljährliche Rostocker Schiffsparade Hanse-Sail, Peer Steibrück und die Abschaffung der Mintzigarette.