Nachdenken über Lyrik – und das Schreiben an sich

Wer meine frühen Werke kennt, die ja nicht weit herumkamen in der Welt der Literatur, weiß, dass ich auch immer mal wieder lyrische Schreibanfälle hatte. Ich dachte, davon wäre ich geheilt. Auf alle Fälle werde ich die Ergebnisse meines letzten Rückfalls zunächst in der Schublade lassen, Gedichte sind heute das Aschenputtel der Literatur, interessieren nur eingefleischte Lyrik-Freaks und werden von Verlagen nicht ernst genommen. Soweit meine ernüchternden Erfahrungen bei dem Versuch, das Self Publishing mal als Option auszuschließen und auf den Rat einer guten Verlagsinhaberin und mir wohlwollenden Verlegerin zu hören. Während sie, was ich ihr glaube, durch andere Projekte derzeit ausgelastet ist, reagieren andere Verlage zögerlich bis gar nicht auf eine entsprechende Vorabanfrage. Und das auch, obwohl sie sich als lyrikaffin präsentieren. ( Ich würde nie unverlangt ein Manuskript einsenden, weil ich nicht fünf Jahre oder mehr auf eine Antwort warten will, die nicht kommt – oder eine 5stellige Rechnung beinhaltet #DKZV )

Also fülle ich meine Schublade mit allem, was ich so schreiben möchte, egal welches Genre, und verfüge in meinem Testament, dass alles entweder verbrannt verlegt, ausgestellt oder verfilmt wird. Diese Entscheidung sollen andere treffen. Ich bin des Buhlens um eine Veröffentlichung müde, nur um dann in Buchhandlungen nicht gelistet oder zum Ladenhüter zu werden.

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Wenn mir danach ist, würde ich höchstens über BookRix ein e-book ins Rennen schicken oder über epubli mal ein Buch für mich als Musterexemplar drucken lassen. Einige Exemplare würde ich in meinem sozialen Umfeld immer loswerden. Was braucht der Mensch mehr? Ich bin ein genügsamer EX-DDR-Bürger und freue mich über die kleinen Dinge:

  • Dass heutige Schreibmachinen einen Bildschirm haben und Laptop heißen,
  • Dass man mit einer Tüte Buchstabensuppe einen Vierzeiler schreiben kann,
  • Dass Vorlesen bei Kindern das Nachdenken fördert und nicht umgekehrt,
  • Dass mancher Verleger um eine direkte Absage doch etwas verlegen ist, ( was heißt, er schämt sich wenigstens ein wenig)
  • Dass die Wortverknappung in der Lyrik dem wortkargen Norddeutschen total entgegenkommt.