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Frage an den Chef (Gedicht)

Sirene Werkstor Stempeluhr
Du willst Urlaub Chef bleibt stur
Stempeluhr nach Suppe geht
Telefon nicht stille steht
Ablage schon überquillt
Zeitstress macht dich langsam wild
Chef beobachtet und motzt
Bis du dem Chaos nicht mehr trotzt
Er brüllt dir wütend in das Ohr:
„Das kommt mir nicht noch einmal vor!“
Du sagst: „Das wünscht ich mir ja eben –
Chef, könnse mir das schriftlich geben?“©2020

Autopanne

Es fröstelt dem Fahrer auf nächtlicher Straße
Sein Auto steht antriebslos da und schmollt
Nur´s Amaturenbrett blinzelt über die Maße
Mit seinen Lämpchen in Rot und in Gold

Monoton klingt das Klicken der Warnblinkanlage
Und der Bleifuß des Fahrers wird wieder durchblutet
Dem alten Gefährt hatte er ohne Frage
Des Guten ein wenig zu viel zugemutet.

Durch zügiges Abhängen anderer Autos
Hat er den Keilriemen neidisch gemacht
Verabschiedet hat der sich draufhin nicht gerad´ lautlos:
„Ich will auch endlich abhängen“, hat der Keilriemen gedacht.

Autorenleid (Vorsicht, es reimt sich)

Ideen in der Mittagspause halten meist nicht bis zu Hause, wenn man so lang auf Arbeit ist, dass man sie wieder vergisst. Mist …  In der Hose Eier habend macht man früher Feierabend, damit man noch etwas schreibt, bevor vom Tag nichts übrig bleibt.  Das rächt sich am Tage drauf, denn es fiel dem Chefchen auf.  Chefchen zetert, wettert, keift, weil es einfach nicht begreift, dass der Job einen Autoren, der zum Schreiben nur geboren, nervt, zermürbt und müde macht. Doch wer schreibt schon in der Nacht?  Das wär wirklich nur beknackt, also wird Zeit abgezwackt von den acht dreiviertel Stunden – und Geschichten werd´n erfunden, Stories, die man so nie las. Und das Chefchen nur so: „Waaaass??“  #feierabendautor