Archiv der Kategorie: Selfpublishing

Gedanken und Erfahrungen dazu, auch zu Plattfromen wie BooRix und epubli

Der neue „ANRUFER“ – Buch über Wende-Zeit im Osten

Limitierte Leseproben geplant. Die Geschichte hat nicht mehr ganz so viel mit der Ausgangsversion zu tun, enthält weniger ausgedachte Episoden und Konflikte als vielmehr tatsächlich erlebte oder beobachtete Begebenheiten, die das Leben der Protagonisten beeinflussen. Ja, es werden diesmal mehrere sein. Ob es spannend ist, mag der Leser beurteilen. Ich werde mir vorab ca. 10 Leseprobenhefte drucken und diese an Interessenten verschenken. Natürlich spielt es wieder im Call-Center-Milieu, und zwar in den neunziger Jahren.

So sah damals meine Eigenwerbung aus.

Leseprobe aus einem Schubladen-Manuskript

Nebelumschlungen und zugedeckt mit Stille ruht die Natur. Es ist die blaue Stunde, jene Zeit zwischen Tag und Nacht, die die Menschen entweder Schwung für den neuen Tag oder endlich Atem holen lässt; die Hausputz hält in den Hirnen der Schlafenden und die Schlaflosen sanft an das Hier und Jetzt zu erinnern vermag. Nadine genießt zu dieser frühen Stunde den Ausblick von der Terasse ihres Hauses, der ihr ein atemberaubendes Panorama aus Wald, Hügeln und Feldern beschert. Sie blickt hinunter ins Tal und ist immer wieder froh, dass die kleine Hütte nicht gar zu hoch liegt, dennoch von unten schwer zu entdecken, aber durch eine breite Waldschneise leicht zu erreichen ist. Selbst mit ihrem Kleinwagen, einem alten Japaner, kann sie die Kurven und das unbefestigte Gelände gut bezwingen.

Als sie sich vergewissern will, ob ihr vierrädriger Liebling noch auf der anderen Seite des Hauses steht, trifft sie der Schlag. Sie kann nicht fassen, was sie da sehen muss, als sie durch das Küchenfenster blickt: Beifahrertür und Kofferklappe stehen sperrangelweit offen, so als müsse das Gefährt mal richtig durchgelüftet werden. Täuscht sie sich, oder ist da eine der Scheiben eingeschlagen? Ihr Handy klingelt. Es ist ein merkwürdiger Klingelton, das wird ihr jetzt mehr denn je bewusst. Jakob, ihr Mann hatte ihn ihr heruntergeladen und eingestellt. Sie erschrickt, als der Schrei des Dschungelhelden Tarzan erklingt und das Telefon auf dem Nachttisch vibriert.

Nervlich am Ende setzt sie sich aufs Bett, muss den Tränen freien Lauf lassen und kann jetzt nicht ans Telefon gehen. Schmerz breitet sich in ihr aus, und er wird noch lange anhalten. Denn ihr Mann Jakob ist tot.

Das Klingeln will nicht aufhören, fordernd johlt der Lianengreifer wieder und wieder. Das Auto! Nadine rennt aus dem Zimmer, wirft sich einen Mantel über und nähert sich vorsichtig dem Fahrzeug. Die Dämmerung hat ihr einen Streich gespielt – es ist nur die Kofferklappe offen. Statt der vermeintlich offenen Beifahrertür stellt sie fest, dass sie sehr dicht neben dem alten Briefkasten parkt. Das Heck des Autos hat Nadine verschlossen, da ist sie sich sicher.

Mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Vorsicht lässt sie den Blick streifen. Noch gibt die Dämmerung nicht viel frei von der Natur um sie herum. Aus dem nahen Wald dringt ein Knacken an ihr Ohr, dann folgen langsame Schritte. Versucht da jemand zu schleichen? Dann ist er aber schlecht darin.

Nadine geht langsam rückwärts zum Haus, voll auf diese Richtung konzentriert. Jeden Moment wird dort am Waldrand eine Gestalt auftauchen, Mensch oder Tier. Dass ihr von hinten Gefahr droht, ahnt sie nicht. Sie spürt noch die kräftige Hand auf ihrem Mund, und ein beißender Geruch steigt ihr in die Nase. Dann kehrt die Dämmerung in voller Pracht zurück. Die junge Frau knickt weg wie eine Blume, die eben gepflückt wird.

Schade, schade, Schreibblockade

Wenn man eine Geschichte für ein Projekt, eine Ausschreibung oder einen Verlag schreibt, der diese in Auftrag gegeben und vielleicht sogar bevorschusst hat, arbeitet die Zeit gegen einen. Das kann schon mal Druck verursachen, der die Kreativität schmälert. Schreibblockade, nennt man so etwas im allgemeinen.
So ging und geht es mir gerade, da ich immer nur Bruchteile des Tages Zeit für private Dinge habe und zum Schreiben aber das Gefühl brauche, nicht noch weitere Termine oder Jobs an dem Tag zu haben. Von 8 bis 8 Uhr dreißig zu schreiben, dann wieder von 12 bis12 Uhr fünfzehn etc. fördert bei mir nichts an Ideen zutage. Außerdem ist dann die Zahl der Zeilen, die ich in der kurzen Zeit einzutippen vermag, sehr begrenzt.

Deswegen ist es keineswegs von moralischem und ideellem Nachteil, Selfpublisher zu sein. Höchstens von finanziellem, und wenn man sich und seine Werke aktiv und nachhaltig vermarkten will, letztendlich auch von zeitlichem.

Während des seltsamen Jahres 2020 hatten und haben viele kreative Köpfe Einschränkungen in ihren Entfaltungsmöglichkeiten erfahren. Geschichten und Bücher entstanden und entstehen weiterhin, ob daheim oder woanders, gemeinsam mit Kollegen und Gleichgesinnten. Ich weiß nicht, ob ich einerseits froh sein soll, nach wie vor einen Hauptjob mit sicherem Einkommen zu haben oder mich darüber ärgern soll, dass ich nicht vermehrt für andere Dinge wie für mein Lieblingshobby Zeit habe. Zugegeben, ich war darauf eingestellt, evtl denJob zu verlieren und mehr zeit zu haben. Vielleicht ist es aber auch gut so, immerhin stehe ich jetzt kurz vor meinem ersten Urlaub, den ich aich zum Schreiben nutzen werde. Verreisen und woanders die Gastronomie und die Kultur zu genießen, macht derzeit sowieso weder Sinn noch Spaß.

Dann setze ich mich doch lieber hin und denke einmal mehr über mein zukünftiges Zeitmanagement nach. Und die nächste Schreibblockade plane ich genau im Voraus – nämlich genau dann, wenn ich nach langer Zeit wieder das erste mal verreise.