Lockdown back in Town

GLOSSE. Zum Glück wird der Lockdown verlängert. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste nun nach der Arbeit noch in die Stadt fahren, um noch in die offenen Geschäfte zu kommen, bevor sie der verkürzten Öffnungszeiten wegen um 18 Uhr schließen. Shoppen, so lange es noch möglich ist, oder so. Dieser Stress bleibt mir erspart, und ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Ich muss niemanden irgendwohin zum Essen einladen, nicht mal, wenn ich flirten, meinen Geburtstag feiern oder einfach nur italienisch essen will. Und dank der seltsamen Ausgangssperre stecke ich mich jetzt lieber nachts drinnen an, als draußen an frischer Luft allein in der ohnehin gruseligen Dunkelheit vergebens auf den einsetzenden Husten zu warten. Mein Kino heißt Netflix, mein Museum Keller und mein Koch ist ein Lieferheld und mein Café der Balkon.

Fast so beschaulich wie zu DDR-Zeiten. Allerdings war damals nicht alles besser. Wenn auch das Toilettenpapier niemals knapp war, das muss man sagen. Aber es war im Gegensatz zu heute scharf wie Schmürgelein, also wie Schleifpapier. Das war aber auch nötig, damit auch die letzten braunen Arschlöcher irgendwann rot wurden.

Schreibnacht mit Hindernissen

Endlich weiß ich, wie es schreibtechnisch weiter gehen wird. Dank einer gescheiterten Schreibnacht, an dessen frühzeitgem Ende ein PC-Crash Schuld war, steht mein nächstes Romanprojekt fest. Ich habe dann nämlich trotzdem noch weiter geschrieben und geplottet.

Neben dem entstehenden Erzählband mit mehreren Geschichten entsteht eine neue längere Geschichte aus dem Callcenter-Milieu. Dieses Buch wird aber nichts mit dem „Anrufer“ gemein haben. Im Mai sind dann größere Fortschritte in Sachen Erzählungen und Gespensterbuch vorgesehen.

Vor dem ersten Kaffee

Heute war wieder so ein Tag, an dem mich jemand vor meinem ersten morgendlichen Kaffee ansprach und mir auch noch schwierige Fragen stellte. Der Paketbote wollte wissen, ob ich ein Paket annehmen würde. Im normalen Zustand hätte ich gedacht: Au fein, ein gratis Ostergeschenk, und hätte ihm gesagt, er müsse auch keine Karte einwerfen. Und ich wäre aus dem Schneider, müsste keine Geschenke mehr kaufen, könnte das Paket einfach weiterverschenken. Und zack, Geld gespart.

Aber mit noch halb geschlossenen Augenlidern und einem mäßigen Kater von gestern spürte ich nichts als akuten Coffeinmangel und überlegte wohl zu lange, jedenfalls meldete sich der Nachbar über die Sprechanlage, öffnete die Haustür, die ich gerade vor dem Paketboten verschlossen hatte, weil meine Sichtweite durch blendendes Tageslicht eben nicht weiter als bis zu meiner Fußspitze ging. ( Das Hinunterschauen ging einigermaßen, geradeaus in den Tag hinein konnte ich nicht mal blinzeln.)

Als ich mich darauf besann, dass ich mich gerade auf den Weg zur Arbeit gemacht hatte, obwohl ich heute zu Hause hätte stattfinden sollen, von wegen schichtfrei, war ich mit einem Schlag hellwach und stürzte plötzlich putzmunter wieder die Treppe hinauf, meinem ersten Kaffee des Tages entgegen.

Unterwegs sein

In diesen bescheuerten Zeiten Urlaub zu haben und nichts mit sich anfangen zu können, weil Geschäfte, Restaurants, Kinos, Theater, jetzt auch wieder Zoos und Museen geschlossen haben, ist einer der suboptimalsten Zeitvertreibe seit Erfindung des Einkaufskorbes. da kann man nur noch haltlos und ziellos mit dem Auto durch die Gegend cruisen, chillige Musik hören und überlegen, wo man eigentlich hin will und was man dort tun oder lassen muss. Händewaschen ist überall ein Muss, Händeschütteln eher nicht.

Unter solchen Umständen legt sich sogar das schönste Wetter aufs Gemüt, und die Langeweile zu einem auf die Couch, während die Ratlosigkeit der Politprominenz in Dauerschleife aus dem TV auf uns einprasselt und in regelmäßigen 14tägigen Zyklen den Traum vom Impfen in uns Noch-nicht-Rentnern wachhält. Nicht auszudenken, was wäre, wenn letztlich sogar die Wahl im September wegen Ausgangssperren ausfiele. Wie eine von mir durchgeführte Studie zeigt, befinden wir uns dann so zwischen der vierten und fünften Welle. Wenn wir Glück haben, schaffen wir bis Weihnachten mindestens sechs davon. Aber dann müssten die Kurzzeit-Lockerungen dazwischen schon noch besser organisiert werden.

Über das und mehr denke ich nach, wenn ich ziellos unterwegs bin, weil ich viel Freizeit habe, nicht weiß, über was ich schreiben oder ob ich den Keller zum dritten Mal aufräumen soll. Und zuhause, da kennt einen ja jeder. Immer dieselben Leute, immer dasselbe Fernsehprogramm. Netflix habe ich schon leergeglotzt, meine Masken durchnummeriert und alle Streichhölzer der Größe nach geordnet. Meistens sitze ich dann bis abends rum, bohre in der Nase und hole das Letzte aus mir raus, gewissermaßen.

Morgen früh werde ich mal in den Stadtpark gehen, Jogger im Vorbeilaufen anhusten. Die kann ich nicht ab. Wie kann man nur so einen Grund haben, unterwegs zu sein?

die erklärung manchen dinges aus sicht eines schreiberlinges