Archiv der Kategorie: Kultur

Eine Stunde Pandemie weniger?

Die umstrittene Zeitumstellung hat wieder zugeschlagen. Uhren umstellen nervt. Wir infizieren sämtliche Zeitanzeigegeräte mit der Sommerzeit, auf dass unsere innere Uhr einmal mehr erfolgreich aus der Bahn gerät. So haben wir etwas, wogegen wir ankämpfen können. Außer dieser Krankheit, deren Namen niemand mehr auszusprechen wagt. Sonst erntet er/sie genervte Blicke und Stirnrunzeln, was man wiederum als Symptome auslegen könnte …

Eine gefährliche Sache.   Trotz Sommerzeit und Frühlingswetter können wir die Zeit nur eingeschränkt draußen verbringen – eben wegen der Unaussprechlichen. Da bleiben nur die Medien als Zeitvertreib, wobei das Fernsehprogramm derzeit chaotisch und stark von steinalten Wiederholungen geprägt ist.  So habe ich mich für meinen Teil, auch wenn ich nicht adelig bin, quasi vom Stenografen ( sprich: Autor) zum Chrono-Grafen entwickelt und löse nun mit Hilfe eines Auktionsportals meine Uhrensammlung auf. Ich bin ja schon immer ein Uhrmensch gewesen, also ein Fan und Sammler origineller und normaler Uhren gleichermaßen. Ver- und ersteigern macht doch Spaß, weswegen ich auch vermehrt meine sehr gute Handykamera entdecke und aus lauter Spieltrieb mit kleinen Videos angefangen habe. Evtl. poste ich hier mal etwas.

(Fast) nichts ist mehr wie früher

nva_forumDEjoachimroehl_postenturmEndlich ist die Grenze wieder dicht. Ein Traum wird wahr. Weniger Verkehr auf den Straßen, keine Staus mehr, endlose Schlangen vor den Lebensmittelläden, leere Regale, Schluss mit Reisefreiheit, kurz – die DDR ist zurück … könnte man meinen.

Bevor hier und da jetzt linksproletarische Jubelschreie zu hören sind, löse ich diesen Trugschluss lieber gleich auf.  Ja, es ist vieles wie damals, aber um einiges schlimmer: Viel mehr Kriminalität, mehr Krankheiten und Pandemien, mehr Intoleranz und Sozialneid, mehr Egoismus und Geldgier.  Nein, Schuld daran ist nicht der Kapitalismus  mit seinen Heuschrecken, es liegt an uns allen. Da wird den prekär lebenden Langzeitarbeitslosen das günstige Essen vor der verschnupften Nase weggekauft, man kriegt nicht mal mehr zwölflagiges Klopapier mit Goldrand zu kaufen, außer blattweise auf ebay, und in manchem Haushalt gibt es mehr Nudeln als Sandkörner in der Sahara. Da geht einem als gelernter DDR-Bürger schon mal der Verstand baden.

thermometer-833085_640Es gilt, soziale Kontakte zu vermeiden – was für eine irreführende Formulierung kam da aus Berlin! Sozial und in Kontakt kann man auch sein,  wenn man miteinander telefoniert, skypt, sich gegenseitig hilft und trotzdem nicht auf Tuchfühlung mit seinen Nächsten geht.  Nein, liebe Virusabstinenzler,  meidet keine sozialen Kontakte, entdeckt neue Formen des Einanderhelfens, des Aneinanderdenkens, unterstützt hilfsbedürftige Mitmenschen, statt sie zu isolieren und auszugrenzen! Zeigt dieser Schwindsucht4.0, dass sie gegen uns nichts ausrichten kann, obwohl wir und WEIL wir sozial sind!  Auch besonders gefährdete Personen brauchen hier und da menschlichen Kontakt, sind auf Hilfe angewiesen. Sie heben zudem auch eigene Ängste und Befürchtungen, über die man mit ihnen sprechen, die man ihnen nehmen sollte. Natürlich wäre ein Händedruck, eine Umarmung da hilfreich, aber wichtig ist, sie werden nicht völlig ignoriert von der Gesellschaft.  In dieser angespannten Lage führt Panik nicht zum Ziel, sondern Besonnenheit und Solidarität. Ich verstehe schon den rebellischen Trotz der Jugend, wenn sie Corona-Parties feiert nach dem Motto “ Wir lassen uns nicht unterkriegen“.    Aber dieser Leichtsinn gefährdet letztendlich viele Menschen: Wenn schließlich die ersten Kinder an Corona erkranken, dann erst versteht auch der letzte Idiot, dass es nicht nur alte Menschen erwischen kann. Und dann wird es so bald kein Zurück aus der Apokalypse geben, egal, wieviel Nudeln und Klopapier man daheim hortet. Schlimm, wenn mangels Toilettenpapier für manchen kleinen Kacker dann als einzige Alternative nur die Bürste zum Hinternputzen bleibt …

 

 

 

 

Wenn Worte reden könnten

Manchen Leuten fehlen wir. Andere suchen nach den richtigen von uns. Besessene ringen sogar um uns. Wir purzeln Vielschwaflern einfach so aus dem Mund, werden manchmal missverstanden, falsch gedeutet, nicht richtig ausgesprochen. Man nimmt uns ernst oder nicht, und wir fühlen uns immer so … benutzt. Wir wären gern die beste Alternative zur Gewalt, ein Stilmittel der Unterhaltung, sind manchmal machtvoll, manchmal verletzend. Sprachverliebte spielen mit uns herum, Stumme sehen sich nach uns, Verschwiegene denken uns nur, sprechen uns aber nicht offen aus. Und sich auch nicht. Wir stehen geduldig auf Papier, in Büchern, Nachrichten und in Wahlkampfreden. Die Menschen trauen uns nicht immer, wenn wir da sind. Das liegt aber an dem, der uns in den Mund nimmt. Sagt einer etwas falsches, nennt man es Sich Versprechen.  Die Menschen nehmen aber selten Versprechen zurück, lieber brechen sie sie. Dann gibt es unter uns noch ein spezielles Wort, nämlich das, welches die Menschen einander geben. „Mein Wort drauf!“, sagen sie dann, als hätten sie nur eines von uns, dessen sie mächtig sind und hätten dieses just weggegeben. Komische Spezies.  Manchmal aber bedarf es niemanden von uns.  Oder die Menschen lassen uns Taten folgen. Oder sie nutzen die Gestik und Mimik zur Wortsumgehung, aber nicht etwa, weil wir ihnen fehlen. Manchen Leuten hingegen fehlen wir wie gesagt. Andere suchen nach den richtigen von uns….

Schuld ist diese Frühlingsseuche

Nun ist es also soweit, dass die Regierung in Gestalt der Kanzlerin uns schon soziale Kontakte verbietet, oder zumindest empfiehlt, auf sie zu verzichten. Hallo? Das hieße auch: Kein Shopping, kein Facebook, nur Fernsehen. Schlimm genug, dass Kinder die eigenen Großeltern nicht mehr besuchen dürfen. Ist das noch vertretbar oder schon Ausgrenzung?  Und was ist mit den Mehrgenerationen-Häusern, wo alt und jung zusammen unter einem Dach leben? Solche Begegnungsstätten sind doch so ein verheißungsvoller Anfang, die Kleinen von den Senioren profitieren zu lassen und etwas Aufmunterung und einen Sinn  in deren Alltag zu bringen. Das macht uns nun diese blöde Frühlingsseuche kaputt, und wir haben keine Wahl, als abzuwarten? Leider ist das in der Tat so, bis es 2021 einen Impfstoff gibt und man sich vorbeugend impfen lassen kann.

 

Photo by Matt Hardy on Pexels.com

Ich bin bisher noch vergleichsweise unbetroffen, lediglich meine Lesung am 15.3. wurde verschoben, aber da wäre der Eintritt ohnehin frei gewesen und es wären vermutlich kaum mehr als 20 Leute gekommen.  Die Leipziger Buchmesse hat mich dieses Jahr eh  nicht so  interessiert, und bis die Berlin BUCH im November stattfindet, sieht die Lage hoffentlich freundlicher aus. Viele Alleinerziehende und Berufstätige müssen nun die Herausforderung der Kinderbetreuung ihrer Sprösslinge meistern, da Schulen und Kitas bis 16.April in MV geschlossen bleiben.

Wenn die Quarantäne dann um sich greift, werden bald auch große Betriebe und Firmen menschenleer bleiben. Die wirtschaftlichen Folgen zu beobachten, dürfte einen Lernprozess in Gang setzen, wie Deutschland ihn lange nicht hatte. Dagegen sind die aktuellen Probleme, die Corona mit sich bringt, erst der Anfang  und zum Teil hausgemacht, wie mangelnde Bettenkapazität in den Kliniken, Ärztemangel und Hamsterkäufe.

Schade, dass wir nicht besser auf solch ein Szenario eingestellt sind,  wir Deutsche hätten das Zeug dazu gehabt; aber leider nicht die Politiker dazu. Abwrackprämie und Windkraft sind eben nichts gegen ein pandemieresistentes und gut gebildetes, arbeitsfähiges Volk.