Archiv der Kategorie: Kolumnen und Glossen

Haribo macht Wahlkampf

Ich habe sie entlarvt – die Süßigkeitenindustrie greift aktiv in den Wahlkampf ein. Zitat: “ Definitiv sind Frösche und Himbeeren am besten.“ Das ist Wahlkampf @hisbest! Frösche? Himbeeren? Haribo will, dass wir rot-grün wählen. Oder sogar nur rot! Beweis nötig? Okay, neues Zitat: „Stell dir mal vor, wir könnten einen roten Haribo eingraben, und dann käme ein riesengroßer Goldbärbaum, nur mit Roten!“ Aha. Sozialdemokraten wachsen also an Bäumen. Oder Linke.

Was aber ist mit braunen Haribos? Die haben keine Chance, denn eine Bibliothekarin nuggelt sie leer, Zitat: “ Ich darf Cola nur an Silvester trinken.“ Tolle Entschuldigung. Daher also fühlt sich die AfD so ausgelaugt. Istmir aber egal. Wie gut, dass ich dieses ganze weiche süße Zeug verabscheue. Meine Wahl wäre sowieso an keine Farbe gebunden, sondern eher regenbogenfarbend oder knallbunt.

Lockdown back in Town

GLOSSE. Zum Glück wird der Lockdown verlängert. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste nun nach der Arbeit noch in die Stadt fahren, um noch in die offenen Geschäfte zu kommen, bevor sie der verkürzten Öffnungszeiten wegen um 18 Uhr schließen. Shoppen, so lange es noch möglich ist, oder so. Dieser Stress bleibt mir erspart, und ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Ich muss niemanden irgendwohin zum Essen einladen, nicht mal, wenn ich flirten, meinen Geburtstag feiern oder einfach nur italienisch essen will. Und dank der seltsamen Ausgangssperre stecke ich mich jetzt lieber nachts drinnen an, als draußen an frischer Luft allein in der ohnehin gruseligen Dunkelheit vergebens auf den einsetzenden Husten zu warten. Mein Kino heißt Netflix, mein Museum Keller und mein Koch ist ein Lieferheld und mein Café der Balkon.

Fast so beschaulich wie zu DDR-Zeiten. Allerdings war damals nicht alles besser. Wenn auch das Toilettenpapier niemals knapp war, das muss man sagen. Aber es war im Gegensatz zu heute scharf wie Schmürgelein, also wie Schleifpapier. Das war aber auch nötig, damit auch die letzten braunen Arschlöcher irgendwann rot wurden.

Handschrift war gestern

In den Siebzigern lernte man in der Schule noch Schönschrift, Druckschrift, Schreibschrift und DIN-gerechte Standardschrift, wie sie für technische Zeichnungen verwendet wurde. In der DDR hieß das Pendant TGL. Handschriftliches und technische Zeichnungen vom Reißbrett sterben langsam aus – wir leben schließlich in einer volldigitalisierten Welt.

Wie viele meiner Geschichten schrieb ich als Kind mühevoll von Hand in eigens dafür gekaufte Schulhefte, deren Zweckentfremdung manchem Lehrer im Unterricht erst später auffiel. Auch unterwegs ging es mit Notizbuch und Stift am schnellsten, wenn man Ideen oder andere Dinge kurz festhalten musste. Mitschreiben im Unterricht mit einer Schreibmaschine? Undenkbar. Rechner gab es noch nicht.

Ja man kann auch handschriftlich auf einem Display arbeiten, aber das hat mit Stil und Kultur wenig zu tun.

Wo die Ideen herkommen

Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, sich inspirieren zu lassen und Ideen für (hoffentlich gute) Geschichten und/oder Gedichte zu sammeln.  Zu meinen Quellen gehören die folgenden aufgeführten Dinge:

BÜCHER. Lesen bildet, sagt man. Dabei muss man nicht andere Ideen 1:1 übernehmen, aber ein Buch zu lesen regt den Verstand an und, das ist meine Erfahrung, auch die Fantasie. Mitunter weckt es auch die Lust selbst etwas zu schreiben, weil einem die Art und Weise des Schreibstils nicht gefällt, man die Idee für nicht gut umgesetzt hält oder im Gegenteil, sich an dem messen will, was man gelesen hat.

FERNSEHEN. Langweilige Filme, vorhersehbare, familientaugliche seichte Geschichten a la „Traumschiff“ oder „Mama und der Millionär“ verleiten zwar eher zum Ab- oder Umschalten, aber auch aus anderen Sendeformaten kann man Infos und Ideen ziehen. Geschmäcker sind auch beim Fernsehprogramm verschieden.

ZEITUNGEN UND ZEITSCHRIFTEN. Nicht regelmäßig, aber häufig werfe ich auch einen Blick in die Presse. Dabei beschränke ich mich nicht auf regionale Erzeugnisse, weil es wichtig ist, auch über den Tellerrand hinaus zu schauen.  Mein Fokus richtet sich dabei vor allem auf die Kultur.

SOZIALE NETZE. Das Internet nenne ich hier nur im Zusammenhang mit Facebook,  Twitter, BookRix und Co.  Mit anderen Autoren vernetzt zu sein, möchte ich nicht mehr missen.   Im Mittelpunkt meines Interesses steht auch hier die Kultur im weitesten Sinne, von Veranstaltungen, Lesungen, Messen  bis hin zu anregenden Reisezielen und den Neuerscheinungen in der Buchwelt.

LAST BUT NOT LEAST: DER JOB. Und die Menschen, die man dort kennenlernt, so man einen Job hat,  deren Geschichten, das was man selbst erlebt und was einem verwehrt bleibt, (z.B. eine Karriere, oder im Umkehrschluss entspannte Arbeitszeiten ohne viel Verantwortung), die Suche nach einem neuen und das abrupte Ende vom alten Job, Stress auf Arbeit, zu wenig Stress, nette und weniger nette Kollegen und Vorgesetzte, etc, etc, pp.

Die eigene Beobachtungsgabe ist bei manchen Autoren sehr ausgeprägt, und auch bei mir bemerke ich, dass ich manche Dinge intensiver registriere, abspeichere und schon mal auf Charakterzüge wirklich existenter Menschen zurückgreife, wenn ich mir meine Protagonisten „backe“.