Archiv der Kategorie: Kolumnen und Glossen

Prioritäten setzen

In absehbarer Zeit steht nun eine berufliche Veränderung an, gefühlt die fünfzigste in meinem Arbeitsleben. Aber diese ist durchaus positiv, denn sie beschert mir freie Wochenenden und schürt somit meine Hoffnung auf ein organisierteres Zeitmanagement, meine Freizeit betreffend. Da sind immer erstmal familiäre Verpflichtungen, dann kommt mein Lieblingshobby Schreiben. Freunde treffen ist heutzutage fast schon illegal, aber auch das muss sein. Zumal wir für eine Clique viel zu klein sind. Also, zahlenmäßig. Wir sind, wenn wir vollzählig sind, zu dritt, also knapp vorbei an einer Zusammenrottung, liebe Verbotsbeachter. Und dann ist da noch meine Gesundheit … keine Angst, ich rede von altersbedingten Zipperlein, die mit Corona nix zu tun haben. Also nutze ich die Zeit, da es mir nicht so gut geht, nicht nur zum Schreiben, auch zum Lesen, Chillen. Man muss eben Prioritäten setzen. Auch zum Rausgehen, wobei ich zu Fuß jeden Tag weit über 15km von meiner Wohnung entfernt durch fremde Welten streife, auf der Suche nach Abenteuer und lustigen Maskenträgern, die mich prompt nach Hause schicken wollen und damit drohen, mich anzuhusten, wenn ich ihre Zurechtweisung auf die leichte Schulter nehme. Ich habe nur leichte Schultern, sage ich, was sie mir angesichts meiner gekrümmten Wirbelsäule nicht glauben, auch nicht, dass der Buckel vom Arbeiten kommt. Sie hätten andere Hobbys, entgegnen sie lachend und zeigen mir einen Vogel. Woher sollen sie auch wissen, dass mein krummer Rücken vom Schleppen meiner vielen Goldbarren kommt, die nun sicher verstaut in meinem Keller liegen? Man muss eben Prioritäten setzen.

boykott des JAhresrückblicks

Das ist, wozu ich mich entschlossen habe: Angesichts des bescheuerten Jahres 2020 auf dasselbe zurückzublicken. Stattdessen suche ich im Vorausblick ein Licht am Ende des Lockdowntunnels, auch wenn mir gerade wieder bewusst wird, dass der gegenwärtige Lockdown sein Ziel verfehlt. Dort, wo sich die Menschen am wenigsten anstecken, nämlich in Gaststätten und Theatern, in Kinos und Hotels, dürfen sie nicht hin, sollen stattdessen dort bleiben, wo die Ansteckungsgefahr am höchsten ist: Im privaten Bereich. Ich äußere mich nicht weiter zur Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen. Viel lieber hefte ich meinen getrübten Blick mal auf meine Vorhaben 2021. Nicht gute Vorsätze, sondern gute Neben- und Hauptsätze zu Papier zu bringen und mein längst zureformierendes Zeitmanagement neu zu strukturieren, das ist meine Absicht. Weniger Absichtserklärungen, mehr Fertigstellungen zu verkünden, auch das habe ich mir auf die Fahne geschrieben. (Vorsichtshalber mit Geheimtinte, aber immerhin 🙂 ) Lesungen plane ich keine, weil es so ist, wie es ist, aber Besuche bei oder von Autorenkollegen wären schon schön. Maske hin, Lockdown her. Kurz, ich würde gern meinen Teil für mich, meine Leser* innen und Autorenkollegen dazu beitragen, dass 2022 ein Jahr wird,auf das man wieder gern zurückblickt.

Glosse: Sieben auf einen Streich

Es war einmal ein Autor, der wäre so gern schon ein richtiger Schriftsteller. Aber er hatte nicht alle Tassen im Schrank. Die stapelten sich nämlich dreckig neben seinem Schreibtisch. Aber von denen ist hier eigentlich nicht die Rede. Er war nämlich so schizophren, dass er dank seiner Persönlichkeitsspaltung für jede Lesung, die er besuchte zehn Eintrittskarten kaufte! Das ging auch alles gut – bis sieben seiner zehn Ich´s eine gemeinsame Anthologie herausbrachten, die wider Erwarten ein Bestseller wurde. Und somit steckte er richtig in Schwierigkeiten.

Alle sieben beteiligten Autoren wurden nämlich zu einer Pressekonferenz eingeladen. Ein telefonisches Interview hätte er ja noch irgendwie realisieren können, aber diese Pressekonferenz sollte aus Anlass einer großen Buchmesse stattfinden.

Als unser Schriftstellerlein nun am Messepressestand um die Ecke bog, erschrak er gar sehr. Da standen sieben Stühle, auf einem flachen Couchtisch davor warteten sieben Gläser Wasser darauf getrunken zu werden, und daneben lagen sieben Mikrofone.

Aber damit nicht genug: Nach einer freundlichen Begrüßung durch den Gesprächsleiter wurde ihm der Fotograf vorgestellt – und der wollte ein Gruppenfoto machen. Guter Rat war teuer und trotzdem ausverkauft. Die anderen sechs Mitautoren seien krank und hätten ihn geschickt, flunkerte unser Tor. Pardon, unser Autor. Das aber ließ der Gesprächsleiter nicht gelten, und so turnte unser Kriztelfink von Tisch zu Tisch, sabbelte in jedes Mikro, beantworterte jede Frage mit einer anders verstellten Stimme und verrichtete so körperliche Höchstarbeit. Die Zuschauer amüsierten sich prächtig. Das Gruppenfoto entstand mit Trick 17, und das kam so:

Das Umkleidezimmer der Ballerina Xantopia Trudeltanz, die nach dem Interview ein durchgelesenes Buch tanzen und so die Gäste ergötzen sollte, glich sowieso einem Spiegellabyrinth auf dem Pfingstmarkt. Der Fotograf schob den Möchtegernschriftsteller in die richtige Position und klickediklick, tummelten sich ein Haufen gleich aussehende Autoren auf dem Foto. Das heißt, sooo gleich sahen sie nun auch nicht aus – denn es waren auch zwei große Hohlspiegel dabei gewesen…

Wenig später las man vom Tod des Autoren. Es hieß, seine drei an der Anthologie nicht beteiligten Persönlichkeiten wären eifersüchtig geworden ob des Erfolges der sieben anderen, hätten sich grausam gerächt und so alle SIEBEN AUF EINEN STREICH getötet.

Glossa Nova und Kolumnuss

Wortspiele sind mehrdeutig, witzig und prickeln im Bregen. Deswegen entsteht gerade ein Reigen abgedrehter Glossen und Kolumnen jenseits des Internets, um dann zukünftig wohldosiert und auf wortspielerische Weise hier präsentiert zu werden.

Das Projekt wird etwas Zeit kosten, aber es zielt darauf ab, die Belanglosigkeit mancher Inhalte hier zu minimieren und diesen Blog etwas mehr als eine Art Gedankentagebuch zu begreifen. Freilich, so ganz bierernst kriege ich das nicht immer hin, siehe Überschrift. Aber ich denke, das wird kurzweiliger Lesestoff. Oups – das war schon wieder eine Ankündigung …

Ein Strandgedanke zum Beispiel …

So viel Maskierte am Strand, da bekommt man richtig Angst. Einige Badewütige gehen sogar mit Mundschutz ins Wasser. Aber ist das am FKK-Strand überhaupt erlaubt? Ist der Mund- und Nasenschutz nicht ein verhüllendes Kleidungsstück, ebenso wie eine Badekappe, Schwimmflossen oder eine überdimensionale Sonnenbrille? Ich meine, fürchten die sich davor, die Fische, Quallen und Algen anzustecken? So ein Schnauzenpulli verhindert das Wasserschlucken auch nicht wirklich …