Archiv der Kategorie: Kolumnen und Glossen

Karneval – mir egal

Es muss sich nicht alles wiederholen. Nicht zu jeder neu anstehenden Kamellewurfsaison, auch Karneval genannt, und auch nicht zum Jahreswechsel und anderen Feiertagen. Was ich meine, ist die Tatsache, dass sich hier dazu schon genug Postings meiner Wenigkeit finden, so dass ich mir heuer eine beißende Satire gegen die Jecken verkneife. Dass ich als eher introvertierter Muscheltreter nicht auf Kommando Frohsinn versprühe oder nur dann feiere, wenn mich der Kalender dazu auffordert, erklärt sich von selbst. Kann man hier im Archiv nachlesen. Einfach mal „Karneval“ eingeben in der Suchleiste. Ähm… tja… nun ist das hier doch noch ein Posting geworden.

 

Adé, du fröhliche.

Endlich gibt dieser Lars Christmas wieder Ruhe, die Bescherung ist vorbei, das Lametta wieder abgeerntet und das Geschenkpapier wieder glattgebügelt. Im Kühlschrank ist wieder die Glühlampe erkennbar, nachdem sie tagelang hinter allerlei Essbarem versteckt wurde. Während der Polonaise mit der Trommel um den Christbaum wurden kaum Kalorien bei irgendwem, dafür aber zweihundert Lamettastreifen durch Kerzen und eine Ente im Ofen durch die Köchin des Hauses verbrannt. Und während Alexa und Siri sich ohne menschliches Zutun darüber streiten, welcher Schwarzweißfilm über den 4K-Bildschirm flimmern soll, während die Fernbedienung schmollend in der Ecke liegt und sich nutzlos vorkommt, wird auf dem neuen Smartphone vergebens nach einer App gesucht, die Magenschmerzen beseitigt und gerade verdauten Gänsebraten in Luft verwandeln kann. Das geht einem als Weihnachtsfan schon auf die Nüsse, von denen ein gewisses Aschenbrödel übrigens jedes Jahr drei bekommt.

Alle Jahre wieder erinnert Weihnachten daran, dass bei allem Fortschritt ein solch traditioneller Zwischenstopp auf dem Weg zum Jahresfinale mitunter wie ein Neustart wirken kann. Oft aber fehlt der kalendarisch verordneten Zeit der Besinnlichkeit der Sinn. Wenn bloß diese dämlichen Jahresrückblicke nicht wären. Und die dauernden guten Vorsätze. Kann man nicht ohne den ganzen Tamtam das alte Jahr mit einem letzten Dinner for One ausklingen lassen? Etwas auf dem Klavier der Hoppenstedts spielen, James Stewart endlich in Frieden von der Brücke springen lassen und Rolf Zuckowski in der Weihnachtsbäckerei einsperren?

Heiligabend bekam ich einen Schreck, als ich online ging. Kurzzeitig sah es so aus, als sei amazon durch kaufwütige Sammelbesteller und Massenverschenker ratzekahl leergeshopt worden – nicht ein Produktbutton mehr auf der ganzen Homepage. Aber dann stellte ich fest: Mein Browser hatte sich aufgehängt. Zum Glück nicht am Weihnachtsbaum. Da half nur besagter Neustart. Also sagte ich mir, ich tu´s jetzt einfach: Augen zu, Gedicht aufsagen, Weihnachten feiern

Brexit, Yexit (=Year exit) und der Status Quo

Glosse. Ein weiteres Jahr tritt allmählich aus der Zeit aus, so wie die Briten aus Europa. Vielleicht. Also irgendwann im Frühjahr lichten die Britischen Inseln nun den Anker und lassen sich Richtung Amerika treiben – oder wie muss man sich das vorstellen?

Treiben lassen sich auch manche Parteien in Deutschland, die an ihren Parteitagen derzeit wieder ausschließlich die eigenen Befindlichkeiten ausführlichst analysierten, darüber abstimmten, hinter wem sie nun stehen oder wem sie nur ganz unverbindlich zujubeln wollen und sich auch ansonsten selbst beweihräucherten. Und während die Glühweinpreise auf den Weihnachtsmärkten längst höher sind als der ebenfalls steigende Meeresspiegel, was sowohl vom zunehmenden Plastikmüll in den Meeren als auch vom schmelzenden Packeis herrührt, vergiften Luftfahrt und Schifffahrt weiterhin die Atmosphäre, und das ist durchaus zweideutig gemeint. Das bleibt selbst Kreuzfahrtfreunden und Vielfliegern nicht mehr verborgen.

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Novembergrau

Diesen Grauton kannte Loriot sicher nicht. Dabei gibt es ihn schon immer. Also den Grauton namens Novembergrau. Es ist die Zeit, um mit Spenden sein Gewissen zu beruhigen, Anteilnahme zu heucheln und die allherbstlichen Jahresrückblicke zu wagen. Zumindest suggerieren uns das die Medien. Rückspiegel müssten daher die letzten zwei Monate im Jahr teurer werden. Sollte man meinen. Wer immer nur zurück blickt, läuft (oder fährt)  Gefahr, vom Weg abzukommen. Und das Risiko, sich im grauen Novembernebel zu verlaufen, ist hoch.

Wir haben den Volkstrauertag und den Vorlesetag in diesem Monat absolviert, uns wettermäßig endgültig vom Sommer verabschiedet und beim Abgrillen schon den nächsten Frühling herbeiphilosophiert.

Auf die gestiegenen Glühweinpreise haben wir mit heißem Most angestoßen und die Kuscheldecke aus dem Schrank geholt. Also alles wie immer. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.