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NACHDENKEN ÜBER FACEBOOK-ABSCHIED

In Zeiten von Hasskommentaren und verbalen Entgleisungen schlimmster Art ist äußerste Vorsicht im Einsatz sozialer Netzwerke geboten – das ist eine Binsenweisheit. Heutigen Heranwachsenden werden offensichtlich Werte wie Empathie und Toleranz nicht wie selbstverständlich anerzogen. Gern würde ich dagegen aktiv werden und diese Werte hier und da versuchen zu vermitteln, das ist allerdings nicht meine Aufgabe, und ich bin nicht qualifiziert dafür. Aber die Erkenntnis, dass es nötig ist, die allein wurmt mich. Ich habe mich immer als Autodidakt in Sachen Schreiben begriffen und denke, dass ich mir dieses Hobby auch ohne Facebook und Twitter bewahren kann.

Sicher ist das Feedback und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten immer eine Bereicherung. Ich nehme manche Dinge nicht zu ernst, helfe auch gern und habe ein hohes Mitteilungsbedürfnis. Einige meiner Facebookfreunde wissen das. Fortan werde ich mich aber aus persönlichen Gründen auf meinen Blog und auf meine Arbeit unter einem Pseudonym konzentrieren, Facebook als Woanders Mitesser den Rücken kehren und überlege, das Konto zu löschen.

Ich hatte nie die Intension, vom Schreiben leben zu wollen. Es gab eine Autorenschule, die genau das von ihren Autoren als Zielsetzung verlangte, der ich dann abgeschworen habe. Mir aber ist bewusst, dass ich bis dahin noch einen weiten Weg vor mir hätte, den zu gehen ich weder die nötigen Mittel noch die Beziehungen habe. Es würde bedeuten, dass ich als Autor weitestgehend allein für eine Vielzahl von Zusatzaufgaben zuständig wäre, wo doch mein Hobby nicht das Marketing, nicht die Lesung, nicht das Bewerben der Bücher, sondern nur das Schreiben ist.
Meine Erfahrung lehrte mich: Verlage, die dieses komplette Rundumpaket anbieten, und das für lau, sind in der Regel unseriöse Zuschussverlage. Damit meine ich Versprechungen, das jeweilige Buch in den Medien zu bewerben, es im Buchhandel zu platzieren, Talkshowtermine zu organisieren, usw. Ich selbst kann das alles nicht realisieren – ich habe einen Brotjob, wie man so sagt, und bin „nur“ Autor. Und für die Großen wie Suhrkamp und Co bin ich a) nicht gut genug und b) zu unkonventionell. So viel Selbstbewusstsein muss sein.  Dass wir uns nicht falsch verstehen: Mein jetziger Verlag, der Karina Verlag Wien, unterstützt mich da durchaus sehr.

Beschränke ich mich jetzt aber auf bookrix und meinen Blog, nimmt es mir den selbst auferlegten Druck ein wenig, und ich spare sicher Geld und Nerven – gut, ich verdiene auch weniger … aber Schreiben ist für mich halb Therapie, halb Hobby. Und es muss ja auch paar ambitionierte Selfpublisher wie mich geben, oder?

Vom Querdenken und Längsschreiben

Man nehme als Ausgangspunkt einen völlig normalen Gedanken und verforme ihn im Geiste. Dazu spiegelt man ihn, zerrt an ihm, dreht ihn und stellt ihn in Frage. Oder man treibe ihn auf die Spitze, so dass er absurd wird, umschreibe ihn umständlichst und lasse ihn zwischen den Zeilen wachsen. Ihn klar auszuformulieren, wird dem Leser wenig originell und viel zu banal erscheinen. Leser sind keine doofen Leute. Sie können ebenso kombinieren, Rätsel lösen und scheinbar verworrene Fäden entwirren wie wir Autoren.

Der erste Schritt, ist das gute Beobachten und Erkennen von Zusammenhängen, Gesetzmäßigkeiten und Regeln im täglichen Leben. Die Medien können dabei helfen, egal, wie umstritten sie sind. Der Alltag und das soziale Miteinander sind da ein guter Quell mancher Inspiration. Dann gibt es da noch andere Welten wie Märchen, die Zukunft, die Vergangenheit und das alles mal mehr, mal weniger utopisch angehaucht. Das Erschaffen imaginärer Orte und Ereignisse, einer anderen Zeit oder fiktiver Superhelden bringt im Verlaufe der sich entwickelnden Handlung die Fantasie bekanntlich besonders in Wallung. Dann muss nur noch jede Figur mehr oder weniger unverwechselbar in ihrem Charakter sein, oder es sind sogar alle oder mehrere Individuen gleichgeschaltet, wenn es für die Handlung nötig ist, und schon erhält die Geschichte auf diese Weise ihre besondere Handschrift. Zieht es den Verfasser beim Schreiben mitten hinein ins Geschehen, muss er vielleicht noch nicht mal einen Plot vorab erstellt haben: Was erzählt werden will, wird ihm auch einfallen. Dieses Abtauchen in eigene, andere Welten und die vermeintliche Macht über die Protagonisten, die in manchen Fällen auch ihren eigenen Kopf durchgesetzt haben sollen, wie Autoren immer wieder berichten, üben neben einer therapeutischen Wirkung beim Verarbeiten von Erlebtem auch eine bildungsfördernde Wirkung auf unser Gedächtnis aus.

Da sind Recherchen zu erledigen, Figuren zu entwickeln mit Schrullen, Macken und Stärken, mit Beziehungen zueinander und zu der jeweiligen Zeit der Handlung. Der Zeitstrahl muss sich allen Erzählperspektiven und -ebenen anpassen, und als Tüpfelchen auf dem i hat jede erzählende Figur auch ihren eigenen Stil.Aber zurück zum Querdenken, wie ich es nenne. Eine gute verrückte Ausgangsbasis entspringt manchmal der Affinität des Autoren zu gewissen Dingen, Menschen, Tätigkeiten, Neigungen. Wer zum Beispiel schräge Geschichten nach dem Vorbild Monty Pythons mag, also englischen Humor liebt, wird sich darin auch wiederfinden. Wer gern und viel reist, setzt am Besten hier an. Möchte jemand einen Krimi schreiben, tut er gut daran, von hinten anzufangen: Wer war der Täter, wer das Opfer, wo geschah es, wie lautete das Motiv usw. Die letzte, mit der eigentlichen Geschichte zu beantwortenden Frage lautet: Wie konnte es soweit kommen. So klein diese quer gedachte Idee auch sein mag, sie wird mindestens eine bis bestenfalls alle Protagonisten in dem Buch beeinflussen. Diese gestalterischen Details liegen in der Hand und dem Ermessen des Verfassers. Wortspiele und Witze darf man übrigens auch den Leuten im Alltag aus dem Munde nehmen. Sie sich selber auszudenken heißt nicht, dass es sie nicht doch schon irgendwo auf der Welt gibt. Vielleicht grassieren sie in einem anderen Land, stehen in einem anderen Buch oder es gibt sie in einem Comedyprogramm. Jeder des Lesens und Schreibens mächtiger Mensch ist ein potenzieller Leser und damit mehr oder weniger unsere Zielgruppe. Und, wie ich schon sagte: Leser sind keine doofen Leute.

Schreibgedanken – Fortsetzungen und fiktive Welten

Es scheint so manchen Autoren Spaß zu machen, für ihre Bücher alternative Welten in ihrer Fantasie zu erschaffen. Das meine ich nicht despektierlich, denn mich selbst betrifft das offensichtlich auch. Ich rede nicht von Science Fiction-Imperien wie Mittelerde oder die Welt im Jahre Dreitausendirgendwas, sondern von Fantasierorten in der Gegenwart. Zwei eigene Beispiele gefällig?

Da wäre als erstes Fiesland mit den Orten Zitterfelde, Gruselsheim, Angsthagen, Fürchteberg und Spukdorf, dem Flüsschen Angst und den Kobolden Schlotterbein und Glibberbauch, dem Skelett im Smoking namens Moderich von Tümpelschlamm und so weiter. Aus der Menschenwelt kommt man dort mit Dampfern und Schiffen hin, und in dieser Geschichte fürchten die Einwohner Fieslands, alles ehrbahre Gespenster, die Menschen und nicht umgekehrt. Aus der mitternächtlichen Geisterstunde, wie wir sie kennen, wird da um 12 Uhr mittags die Menschenstunde.

Eine weitere Fantasiewelt für eine andere bitterböse Geschichte ist die fiktive Stadt Sterbeberg-Trauerfeld, von der nur klar ist, dass ihre Einwohner etwas schräger drauf sind als üblich. Dort stirbt ein Elektriker, der zu oft Stromschläge erlitten hat, wird aus Geiz und Trunkenheit in einer Klärgrube begraben und kehrt nach einem Blitzschlag wieder zu den Lebenden zurück. Nachdem er den Betrug um seine Beerdigung auf diese Weise entdeckt, beschließt er, sich an seinen habgierigen Hinterbliebenen zu rächen, oder wenigstens, ihnen die Hölle heiß zu machen.

Schlimm ist, dass man als Autor bequem zu werden droht, sich in die Welt und die Protagonisten immer mehr einfühlt und sich so ein alternatives (Wohlfühl-)Zuhause schafft. Das wollte ich nie, und nun denke ich über eine Fortsetzung der zweiten genannten Geschichte nach. Dabei sind mir mehrbändige Romanreihen immer etwas suspekt. Sie implizieren irgendwie, dass der Verfasser aus Mangel an weiteren Einfällen den einmal gewebten Faden endlos weiterspinnen will, so mein Gedanke dabei.

Eine weitere interessante Fantasiekonstellation mit anderen Charakteren und einer völlig neuen Story ist unabhängig davon, jederzeit möglich. Oder man baut eine neue Idee in eine bestehende Konstellation ein und schreibt dann eben doch einen zweiten Band. Die Abwägung fällt manchmal schwer, wenn man an dem Projekt allein arbeitet.

Kein Alltag In Büchern

Der ungeschönte Alltag ist gekennzeichnet von einer unablässigen Spießbürgerlichkeit und einer Ausrichtung der meisten Menschen nach materiellen Werten. So sollte er nicht 1:1 in Büchern und Geschichten auftauchen. Mich zumindest würde das sehr langweilen.

Ständig streben die Menschen nach (mehr) Wohlstand, jagen dem Geld nach und vergleichen sich dabei miteinander. Das könnte ja den Ehrgeiz anstacheln und den Erfolg fördern, wenn es bei den neidischen Blicken auf andere Mitmenschen nicht immer nur um materielle Dinge gehen und oft in Neid ausarten würde. Mein Haus, mein SUV, mein Boot … selbst bei diesen Vergleichen kommt, wenn überhaupt, die Familie zuletzt, soweit sie vorzeigenswert ist. Dieses Denken diktiert den Alltag der arbeitenden ebenso wie die der nicht arbeitenden Bevölkerung. Hier bieten sich viele Anknüpfungspunkte für naheliegende Geschichten, Romanideen und ähnliche Projekte. Einerseits. Andererseits motiviert diese traurige Tristesse kleinbürgerlichen Denkens in der heutigen, smartfonlastigen Zeit dazu, dieser Welt zu entrinnen – gedanklich wohlgemerkt – und mit der Fantasie andere Welten zu schaffen, aus der man dann Geschichten erzählt.

Originell, temporeich, humorvoll – das ist das Mindeste, sonst fliegt das Buch in die Ecke.

Genau das ist mein Bestreben, möglichst sogar, wenn ich einen Krimi oder eine andere schräge Story schreibe. Eine Alternative dazu sind Tabuthemen, die Diskussionen und Debatten auslösen (sollen), also günstigenfalls. Auch das habe ich vor. Der Alltag, wie er vielen von uns bekannt ist, also mit allem, was das Herz eines Spießers begehrt, Familie. Job, Haus oder Wohnung, Hund, Auto und Schwiegereltern, steht also in der Priorität weit hinten, wenn es um einen originellen Ideenfundus geht. Geschichten und Romane leben von Konflikten, das ist eine Binsenweisheit. Warum also nicht von solchen, die nicht alltäglich sind? Und etwas Tempo in der Erzählweise scheint mir auch mehr als zeitgemäß zu sein, um den Leser in dieser unserer schnelllebigen Welt bei der Stange zu halten.