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Schade, schade, Schreibblockade

Wenn man eine Geschichte für ein Projekt, eine Ausschreibung oder einen Verlag schreibt, der diese in Auftrag gegeben und vielleicht sogar bevorschusst hat, arbeitet die Zeit gegen einen. Das kann schon mal Druck verursachen, der die Kreativität schmälert. Schreibblockade, nennt man so etwas im allgemeinen.
So ging und geht es mir gerade, da ich immer nur Bruchteile des Tages Zeit für private Dinge habe und zum Schreiben aber das Gefühl brauche, nicht noch weitere Termine oder Jobs an dem Tag zu haben. Von 8 bis 8 Uhr dreißig zu schreiben, dann wieder von 12 bis12 Uhr fünfzehn etc. fördert bei mir nichts an Ideen zutage. Außerdem ist dann die Zahl der Zeilen, die ich in der kurzen Zeit einzutippen vermag, sehr begrenzt.

Deswegen ist es keineswegs von moralischem und ideellem Nachteil, Selfpublisher zu sein. Höchstens von finanziellem, und wenn man sich und seine Werke aktiv und nachhaltig vermarkten will, letztendlich auch von zeitlichem.

Während des seltsamen Jahres 2020 hatten und haben viele kreative Köpfe Einschränkungen in ihren Entfaltungsmöglichkeiten erfahren. Geschichten und Bücher entstanden und entstehen weiterhin, ob daheim oder woanders, gemeinsam mit Kollegen und Gleichgesinnten. Ich weiß nicht, ob ich einerseits froh sein soll, nach wie vor einen Hauptjob mit sicherem Einkommen zu haben oder mich darüber ärgern soll, dass ich nicht vermehrt für andere Dinge wie für mein Lieblingshobby Zeit habe. Zugegeben, ich war darauf eingestellt, evtl denJob zu verlieren und mehr zeit zu haben. Vielleicht ist es aber auch gut so, immerhin stehe ich jetzt kurz vor meinem ersten Urlaub, den ich aich zum Schreiben nutzen werde. Verreisen und woanders die Gastronomie und die Kultur zu genießen, macht derzeit sowieso weder Sinn noch Spaß.

Dann setze ich mich doch lieber hin und denke einmal mehr über mein zukünftiges Zeitmanagement nach. Und die nächste Schreibblockade plane ich genau im Voraus – nämlich genau dann, wenn ich nach langer Zeit wieder das erste mal verreise.

Bekanntes Neu entdecken

Wer das vermag und sich dafür Zeit nimmt, der wird sich inspiriert fühlen und bringt damit seine Fantasie auf eine neue Spur. Jüngst verspürte ich dieses Gefühl im Stadthafen meiner Heimatstadt und konnte hier Anregungen für weitere Gedichte und möglicherweise kleine Geschichten sammeln. Dazu musste ich nur einen freien Tag von morgens bis abends draußen verbringen, wobei es half, dass das Wetter mitspielte.

Man kann sowohl Orte als auch Menschen, die Landschaft, den (in meinem Fall klaren) Himmel oder diverse andere Dinge auf sich wirken lassen – natürlich ist es unschön, wenn es da diese Abstandsregeln, den Mund-Nasenschutz und andere Auflagen gibt, aber das war zum Glück nicht immer so.

Und selbst ein originell gestaltetes Bild an der Wand, eine kreativ verzierte Hausfassade, ein urwüchsiges Fleckchen Natur oder sonstige uns begegnende Kuriositäten, die wir zu versäumen drohen, wenn wir nur gesenkten Hauptes durch den Tag schleichen, könnten uns bewusst machen, dass jede Stunde, jeder Augenblick immer wieder anders daherkommt. Auch daraus, nicht nur aus Erlebtem, kann ein Autor seine Ideen zum Schreiben beziehen.

Die Kunst aber ist kein Handwerk, sondern Vermittlung von Gefühlen, die der Künstler empfunden hat. (Leo Tolstoi)

Von Orten des flüssigen Schreibens

Als Autor und Schreiberling hat man so seine Gewohnheiten, pflegt Rituale, nutzt Lieblingsplätze zum Schreiben und pflegt bestimmte Dinge zu tun, wenn man sich im Denkprozess, beim Plotten oder mitten in einer ersten interessanten Idee befindet.  Einerseits reizen mich zum Beispiel immer die berühmten einsamen und durchaus auch romantischen Plätze wie ein Haus im Wald, eine Hütte in den Bergen und manch anderes kleine Domizil fernab jeder modernen Zivilisation, andererseits komme ich zu hause genauso gut zum Schreiben.  Einmal an so einem inspirierenden Platz in der Fremde angekommen, bringe ich meine Utensilien und meine Gedanken in Ausgangsposition und – das war´s.  Was auch immer ich dann anfange, es hat erstmal etwas mit Erleben zu tun,  kann sein, ich streife durch den Wald, fahre Ski, brate mir mein Discounterschnitzel am Feuer –  Stadtmensch, der ich bin – aber Schreiben, das steht fest, werde ich keinen Buchstaben während der gesamten Zeit. Und ich hatte es mir wieder mal soo fest vorgenommen …

Tage oder Wochen später, wenn diese Eindrücke verarbeitet sind und zusammen mit sonstigem Gedankenkram verrührt wurden, ergibt sich das Resultat aus solchen Experimenten in Gestalt einer Geschichte, eines Gedichtes oder eines Buches wie von selbst. Man denkt immer, es gäbe doch so viele Orte, wo es nur so aus der Feder fließt … Aber für mich zumindest ist das oftmals ein Trugschluss, Inspiration holen? Ja. Fix und fertig aufgeschrieben? Später, viel später.

Warum ich zu solchen Ausflügen und ähnlichen Unternehmungen  immer wieder Schreibsachen mitnehme, wer weiß – ich könnte sie gleich zu Hause lassen.  Orte, an oder in denen ich noch nie ausprobiert habe, ob ich dort etwas Brauchbares zu Papier bringen könnte,  gibt es nur wenige. Aber dazu gehören:

  • Kornfelder im Sommer
  • Bibliotheken
  • Autos
  • Kettenkarussell
  • Kornfelder im Winter
  • U-Bahnstationen
  • Fernsehstudios
  • Unter Wasser
  • Auf einem Zahnarztstuhl

 

unangepasstes Schreiben (1)

Harmoniesüchtige Autoren werden über kurz oder lang für ihre Happy Ends bekannt. Mag sein, sie finden ihre Fans und Leser. Wer aber über das wahre Leben schreibt, weiß, dass es kein rosafarbener Ponyhof ist. Und, wie wir Engländer sagen: And so am I. Ja, ich mag die Briten, die inzwischen zu Brexiten geworden sind, nach wie vor. Deswegen musste diese Redewendung sein, Aber eigentlich wollte ich gegen die Verfechter eines positiven Endes, diese Schicksalsstreichler zu Felde ziehen, gegen all diese Alltagsvergolder, die uns ZDF-affine Strahlemanngeschichten mit Schluchzeffekt und Alleswirdgutausicht per TV in die Wohnzimmer und per Buch in unsere Regale liefern. Das wahre Leben schlägt einen anderen, realistischeren Ton an und wird nicht dauernd von Zahnpastawerbung und Staubsaugerauktionen unterbrochen. Happy Ends in Büchern und Filmen werden viel beweint, überbewertet und oft im wahren Leben herbei gesehnt. Okay, ich sehe es ein: Sie haben ihre Fans. Aber wahre Unterhaltungsrebellen wie ich müssen das Publikum, respektive die Leser in ihren Geschichten nicht disneygetreu mit schlussendlichem Trostkonfetti und Wohlgefallen einschleimen. Das erledigen Rosamunde Pilcher, das Traumschiff und Kai Pflaume schon wie die Großen.

Allerdings würde ich gern mal eine Geschichte mit einem Happy End beginnen, um es dann sukzessive zu zerstören. Mua-ha-ha, kein Stein würde auf dem anderen bleiben. Schräger Gedanke, zugegeben. Die Waltons und die Bonanza-Brüder würden sich im Grabe umdrehen. Ganz zu schweigen von Winnetou und Old Shatterhand.