Schlagwort-Archive: Sonntagsgeschichten

Sonntagsgeschichte (3)

Der Job aller Jöbbe
Der Job aller Jöbbe

Stellensuche. Es gibt in der Tat bessere Zeitvertreibe, dachte ich, während ich im Job-Club die Tageszeitungen der bisherigen Woche durchsah. Morgen würden die neuen Wochenendausgaben mit den Stellenmärkten erscheinen, dann gab es wieder einiges zu durchforsten.

Für jemanden wie mich, der aktiv Bewerbungen schreibt, ist Arbeitslosigkeit einer der schlecht bezahltesten Vollzeitjobs überhaupt. Umso erstaunter war ich, als ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in einem kleinen Callcenter aus dem Briefkasten holte.

Vor drei Wochen hatte ich mich dort als Teamleiter beworben. Die Personalabteilung lud mich zu einem ersten Vorstellungsgespräch ein und stellte mir eine Teilnahme an einer Busfahrt zum hundertdreißig Kilometer entfernten Hauptsitz des Unternehmens in Aussicht, wo nähere Informationen über die Firma während eines Rundganges und eines Kuchenbüfetts präsentiert werden sollten.

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Verräterisches Frittenfett – Sonntagsgeschichte (2)

text sonntags2Der Kommissar hatte schmunzeln müssen – aber auch nach dieser Vernehmung war Ruth wieder in die Zelle gekommen. Schuld war diese beschissene Diät, hatte sie immer wieder beteuert. Und dass sie so wenig Geld zum Leben hatte, das hatte sie auch auf diese dumme Idee gebracht. Blödes Hartz IV, wie sollte man davon satt werden? Seit drei Jahren ging das nun schon so. Ruth fand trotz oder wegen ihrer Leibesfülle keinen Job, aß aus Kummer immer mal wieder ihren Kühlschrank leer, was wiederum ihrer Personenwaage Kummer bereitete, die scheinbar aus Mitleid eines kalorienreichen Abends ihren Geist aufgab. Sie hätte sowieso nur eine Zahl auf ihrer Skala benötigt, welche sie seit Wochen immer wieder gezwungen war anzuzeigen, sobald Ruth die Waage betrat: die einhundertvierundzwanzig.

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Sonntagsgeschichte (1) – Die seltsame Empfehlung

hhhNormalerweise leihe ich mir nicht gerne etwas, aber (mir) Luft zu pumpen für das Fahrrad ging in Ordnung, fand ich. ( Der dauert etwas, oder?)  Dann radelte ich durch die Botanik – und prompt dem nächsten Regenschauer entgegen. Und weil es Blitz und Donner im Schlepptau hatte, denn es wollte ja so gern ein Gewitter sein, ärgerte ich mich über einen fehlenden Blitzableiter an meinem Vehikel. Nun hätte ich ja auch einen Helm mit so einem schmückenden Teil tragen können, aber wieder mal war ich nur mit Basecap unterwegs. Hm. Also rein in die nächste Dorfschänke und erstmal die Husche da draußen abgewartet. Zum Glück war auch gerade geöffnet.  Der Himmel ( und meine Miene) verfinsterten sich zusehens, denn ich sah da oben Wolkengebilde, wie ich sie von Tornados und Hurricanes aus dem Fernsehen kannte. Gerade fürchtete ich, statt des vergessenen Fahrradhelmes würde ich eine Badekappe benötigen für den Heimweg, da ließ der Regen so stark nach wie Hansa Rostock in der zweiten Halbzeit.  Etwa eine geschlagene Halbzeit, nämlich 45 min saß ich inzwischen auch  schon hier, starrte durch das Dorfkrugfenster auf die vorbeiführende Landstraße und den dahinter liegenden Acker,  über den plötzlich ein Reh angehirscht kam. Warum das arme Tier wie vom Blitz getroffen rannte, wusste ich nicht und konnte den Grund dafür auch nicht sehen. Allerdings sah und hörte ich durch das geschlossene Fenster, was den Lauf des Tieres aprubt stoppte – ein Auto. Erschrocken hatte mich nicht nur der laute Knall und das Bremsenquietschen, sondern auch der Anblick des beiseite geschleuderten Tieres.  Das Fahrzeug war aus meinem Blickfeld verschwunden, ob der Fahrer angehalten hatte, vermochte ich nicht zu sagen. Im Nu sammelte sich draußen eine Schar Schaulustiger an, wer weiß, wo die auf einmal alle herkamen.  Auch ich starrte betreten nach draußen, allerdings ohne vor lauter Menschen wirklich viel zu sehen.

„Wissen Sie schon, was Sie essen möchten?“, riss mich der Wirt aus meinen Gedanken, der an meinen Tisch gekommen war, um die Bestellung aufzunehmen. Ich hatte meinen Tee fast ausgetrunken und mir etwas Zeit ausgebeten, um mir ein Gericht auszusuchen.

„Ich darf Ihnen vielleicht unseren Rehbraten empfehlen, der ist vorzüglich!“, riet mir der Mann.  Dass er sich für einen Gastwirt mit Lederschürze sehr vornehm und gebildet ausgedrückt hatte, machte das Ganze für mich irgendwie noch bizarrer und makaberer. Hatte er von da draußen gar nichts mitbekommen? War er wirklich der Wirt? Ein mulmiges Gefühl beschlich mich. Freundlich aber bestimmt verlangte ich die Rechnung und bezahlte.  Voller Unbehagen machte ich, dass ich hier raus kam. Mittlerweile hagelte es. Speziell dieser Hagelschauer prägte sich in mein Gedächtnis ein. Angesichts der Erlebnisse verpasste ich ihm einen Namen: Der Reh-Hagel. Aber die abstrusen Zufälle gingen noch weiter: Wieder Zu Hause, schlug ich die Fernsehzeitung auf. Was mir nun gut tun würde, war Abklenkung. Erneut lief mir ein Schauer über den Rücken: Auf einem Programm gab es heute tatsächlich  „BAMBI“ – und ich rede nicht von dem begehrten Publikumspreis der Unterhaltungsbranche…