Sonntagsgeschichte (5)

"Verfahren"
„Verfahren – eine Bewerbungsepisode“

Schon wieder dieses Schild. Ich bog in den nächsten Feldweg ein und wendete. Hier war ich schon vor einer halben Stunde. Hatte ich die Abbiegung übersehen? Vielleicht wäre ein Navigationssystem nun hilfreich gewesen. In wenigen Minuten wurde ich an einem scheinbar unauffindbaren Ort zu einem Bewerbungstermin erwartet. Beiläufig, ohne die Straße aus den Augen zu lassen, ließ ich den Blick rechts und links schweifen. Kein Gewerbegebiet weit und breit, keine Firmengebäude. Nur Landschaft mit Feld und einzelnen Bäumen.DSCI0008

Dann sah ich einen unscheinbaren Feldweg, der bergauf führte. An den Seiten säumten Buchen den breiten Pfad, den nur ein Auto zur Zeit passieren konnte. Was hinter dem Hügel lag, auf den er führte, konnte ich von hier aus nicht erkennen. Und die Zeit verging. Warum nur war ich ohne Technik unterwegs? Mein Handy lag zu Hause, ein Navigationssystem besaß ich nicht, und ich war mir dennoch sicher gewesen, zu wissen, wo ich die Firma finden würde – denkste.


Sonntagsgeschichte (5): „VERFAHREN“


Seufzend und mich gedanklich schon von dem Job verabschiedend noch bevor ich die Chance hatte, überhaupt angehört zu werden, fuhr ich den Feldweg lang. Es war zum Verzweifeln.

Kurz vor der Kuppe des Hügels tauchte vor mir ein entgegenkommender LKW auf. Ich bremste genervt, und wenige Meter vor mir hielt auch der Fahrer des Lastwagens. Wir stiegen aus, und ich fragte ihn nach dem Weg. Es stellte sich heraus, dass ich mich in der Tat verfahren hatte.

Das Dorf, in dessen Nähe das Gewerbegebiet mit meinem potenziellen Arbeitgeber sein sollte, trug denselben Namen wie eines der Dörfer hier im Umland. Und dieses Dorf hier hatte ich schon mehrfach durchquert. Für heute war es zu spät. Der Fahrer und ich, wir rauchten eine Zigarette zusammen, denn er war auf der Fahrt in den Feierabend mit seinem W50 und ich musste sowieso zurücksetzen, damit er vorbei kam.

Ich bekam am nächsten Tag die Absage per Mail. Das Auswahlverfahren laufe bereits, und da ich gestern meinen Termin nicht wahrgenommen habe, nähme man an, ich habe anderswo eine Arbeit aufgenommen. Meine Rückantwort, die ich nur der Richtigstellung wegen sendete und in der ich schrieb, ich habe mich verfahren, wurde unpassenderweise  mit haargenau demselben Text beantwortet. Bereits vier Wochen später suchte derselbe Arbeitgeber für die Stelle, die er beinah mit mir besetzt hätte, erneut jemanden, wie ich der Presse entnahm.

Also hatten sie sich da in dem Betrieb mit ihrer Auswahl scheinbar auch verfahren beim Auswahlverfahren.

Sonntagsgeschichte (4)

Der Job aller Jöbbe
Wie man Sorgen durch Kaffee loswird

Hier der Link zur heutigen Sonntagsgeschichte – sie entstand für eine Ausschreibung zum Thema Kaffeehausgeschichten, ist mir aber meiner Meinung nach dafür nicht gut genug gelungen… Urteilt selbst…also es reicht mit der Pointe höchstens zum Schmunzeln, aber man muss ja nicht immer laut lachen, oder? Wünsche eine schöne, sonnenbrandfreie Woche und viel Strandsand in den Schuhen…!

Sonntagsgeschichte (3)

Der Job aller Jöbbe
Der Job aller Jöbbe

Stellensuche. Es gibt in der Tat bessere Zeitvertreibe, dachte ich, während ich im Job-Club die Tageszeitungen der bisherigen Woche durchsah. Morgen würden die neuen Wochenendausgaben mit den Stellenmärkten erscheinen, dann gab es wieder einiges zu durchforsten.

Für jemanden wie mich, der aktiv Bewerbungen schreibt, ist Arbeitslosigkeit einer der schlecht bezahltesten Vollzeitjobs überhaupt. Umso erstaunter war ich, als ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in einem kleinen Callcenter aus dem Briefkasten holte.

Vor drei Wochen hatte ich mich dort als Teamleiter beworben. Die Personalabteilung lud mich zu einem ersten Vorstellungsgespräch ein und stellte mir eine Teilnahme an einer Busfahrt zum hundertdreißig Kilometer entfernten Hauptsitz des Unternehmens in Aussicht, wo nähere Informationen über die Firma während eines Rundganges und eines Kuchenbüfetts präsentiert werden sollten.

„Sonntagsgeschichte (3)“ weiterlesen

Verräterisches Frittenfett – Sonntagsgeschichte (2)

text sonntags2Der Kommissar hatte schmunzeln müssen – aber auch nach dieser Vernehmung war Ruth wieder in die Zelle gekommen. Schuld war diese beschissene Diät, hatte sie immer wieder beteuert. Und dass sie so wenig Geld zum Leben hatte, das hatte sie auch auf diese dumme Idee gebracht. Blödes Hartz IV, wie sollte man davon satt werden? Seit drei Jahren ging das nun schon so. Ruth fand trotz oder wegen ihrer Leibesfülle keinen Job, aß aus Kummer immer mal wieder ihren Kühlschrank leer, was wiederum ihrer Personenwaage Kummer bereitete, die scheinbar aus Mitleid eines kalorienreichen Abends ihren Geist aufgab. Sie hätte sowieso nur eine Zahl auf ihrer Skala benötigt, welche sie seit Wochen immer wieder gezwungen war anzuzeigen, sobald Ruth die Waage betrat: die einhundertvierundzwanzig.

„Verräterisches Frittenfett – Sonntagsgeschichte (2)“ weiterlesen

Neue Rubrik: Meine Sonntagsgeschichte

dargun sonntagFiktive Erlebnisse, durchmischt und angeregt durch tatsächliche Begebenheiten, mal seltsam, mal lustig, mal nachdenklich… so etwas möchte ich nun fortan sonntags – also immer zum Beginn der neuen Woche – bis auf weiteres hier zum Besten geben. Gleich geht es los mit einem im wahrsten Sinne des Wortes SCHAUERlichen Radausflug.