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Wieder da: Sonntagsgeschichte (9)

EIN BUCH MUSS ERSTMAL SCHÖN SEIN. An jenem ersten Tag in meinem kleinen Laden war die Welt noch in Ordnung. Gerade räumte ich die dritte Bücherkiste ein, als das Telefon klingelte.
„Buchhandlung Gute Seiten, Schlechte Seiten?“
„Na, mit dem Namen werden Sie Absatzschwierigkeiten haben…“, antwortete eine Frauenstimme.
„Das denke ich nicht – die schlechten Seiten stehen ja im Extraregal. Mit wem spreche ich denn?“ Sie klang ziemlich herablassend.
„Baronin von Neuenberg. Wann eröffnen Sie?“
regal001„Heute ist die Neueröffnung. Und dann haben wir wochentags von 10 bis 18.00 Uhr geöffnet. Samstags gibt es immer eine Vormittagslesung. Ich würde mich freuen, wenn Sie…“
„Halt, halt, halt. Zuviel Information, danach hatte ich nicht gefragt, Herr…?“
„Hansen.“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Das mit den schlechten Seiten…“, wollte die Anruferin wissen, „… das ist nicht Ihr Ernst, oder?“
„Nein, Die sind natürlich noch gut. Wir achten streng auf das Haltbarkeitsdatum.  In einem schattigen Regal halten sie sich auch länger“, scherzte ich und ergänzte vorsichtshalber: „Als schlechte Seiten bezeichnen wir hier die Werke, die wir als Mängelexemplare anbieten, Frau von Neuenberg.“
„Achso? Naja… Es ist ja Ihr Laden.“ Noch gehörte er der Bank, aber das ging die Dame nichts an.
Sie bestand darauf, Baronin genannt zu werden und erkundigte sich noch, ob sie dann mal reinschauen könnte – dumme Frage, dachte ich, lud sie aber freundlich auf ein Glas Eröffnungssekt ein.
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Spät dran: Schreibe nun doch Weihnachtsgeschichte weiter

SD530067Die Weihnachtsgeschichte „Oh Pannenbaum“ wird aus aktuellem Anlass von mir  noch etwas weiter ausgearbeitet… einen anderen, passenderen Titel erhält sie auch. Die Geschichte ist erst 3 Kapitel alt und soll so wenig schmalzig wie möglich werden, denn Fettiges gibt es ohnehin genug in diesen Adventstagen. Dann wird sie in voller Länge wie gehabt als e-book erscheinen. Unter „SONNTAGSGESCHIHCHTE (6)“ finden sich die ersten drei Kapitel dieses Jahresend- Desasters.  Ich weiß, ich bin spät dran damit… Aber wenn es hoch kommt, habe ich dann eben ein ganzes Jahr Zeit, die Geschichte zu beenden. Wenigstens Kapitel Nummer 4 aber sollte ich noch schaffen. Siehe unter KURZ ERZÄHLT… Da steht eine Leseprobe zur Verfügung.

Unabhängig davon wünsche ich nunmehr allerseits ein FROHES FEST!!

Romanze (nach einer wahren Begebenheit)

Da ist zunächst ER – groß, von schlanker Gestalt, wendig und ebenso stark wie sensibel. Einmal laut und voller Energie, schier strotzend vor Kraft, ein andern Mal still, fast auf der Stelle verharrend, als genieße er den Moment. Immer treibt es ihn voran, auch wenn sein Weg nie lange geradeaus führt. Und all das schafft er, obwohl er den ganzen Tag und die ganze Nacht im Bett liegt.

An einer Stelle seines seltsamen Weges trifft er SIE – geradlinig, zielbewusst und doch kurvenreich. Eine Schönheit ist sie nicht, eher so etwas wie eine graue Maus, und man sieht ihr ihre Härte an. Ihn stört das nicht. Immerhin folgt sie ihm, begleitet ihn für eine Weile, und Seite an Seite werden sie zu Weggefährten. Er könnte sich etwas darauf einbilden.

Behutsam kommt er ihr näher. Sie weicht nicht aus, im Gegenteil. Schließlich ist sie für einen kurzen Moment über ihm. Sie kennen sich erst seit kurzer Zeit, und trotzdem schon diese Nähe, diese Anziehungskraft… Nach einer Weile wendet sie sich ab von ihm und versteckt sich hinter einem Wäldchen, dann zieht es sie plötzlich in die nächste Stadt.

Er aber ergibt sich nach einigen Meilen dem Fernweh und nimmt Kurs Richtung Meer. Ein Boot zieht auf ihm einen Scheitel aus Wellen – denn ER ist ein Fluss, und SIE eine Strasse.

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