Spät dran: Schreibe nun doch Weihnachtsgeschichte weiter

SD530067Die Weihnachtsgeschichte „Oh Pannenbaum“ wird aus aktuellem Anlass von mir  noch etwas weiter ausgearbeitet… einen anderen, passenderen Titel erhält sie auch. Die Geschichte ist erst 3 Kapitel alt und soll so wenig schmalzig wie möglich werden, denn Fettiges gibt es ohnehin genug in diesen Adventstagen. Dann wird sie in voller Länge wie gehabt als e-book erscheinen. Unter „SONNTAGSGESCHIHCHTE (6)“ finden sich die ersten drei Kapitel dieses Jahresend- Desasters.  Ich weiß, ich bin spät dran damit… Aber wenn es hoch kommt, habe ich dann eben ein ganzes Jahr Zeit, die Geschichte zu beenden. Wenigstens Kapitel Nummer 4 aber sollte ich noch schaffen. Siehe unter KURZ ERZÄHLT… Da steht eine Leseprobe zur Verfügung.

Unabhängig davon wünsche ich nunmehr allerseits ein FROHES FEST!!

Sonntagsgeschichte (8): Schizo-Vrenie und der Psycho-Pate

dargun sonntag Eine bayerische tragikomische Liebesgeschichte soll diesmal als Sonntagsmärchen herhalten…und die Namen gibt es mit Sicherheit nicht wirklich, so dass zufällige Ähnlichkeiten mit  lebenden Personen oder Bayern ausgeschlossen sein dürften…Ich wünsche bei Lesen und/ oder Download des docx-Dokumentes viel Spaß. Sonntagsgeschichte aus Bayern

Romanze (nach einer wahren Begebenheit)

Da ist zunächst ER – groß, von schlanker Gestalt, wendig und ebenso stark wie sensibel. Einmal laut und voller Energie, schier strotzend vor Kraft, ein andern Mal still, fast auf der Stelle verharrend, als genieße er den Moment. Immer treibt es ihn voran, auch wenn sein Weg nie lange geradeaus führt. Und all das schafft er, obwohl er den ganzen Tag und die ganze Nacht im Bett liegt.

An einer Stelle seines seltsamen Weges trifft er SIE – geradlinig, zielbewusst und doch kurvenreich. Eine Schönheit ist sie nicht, eher so etwas wie eine graue Maus, und man sieht ihr ihre Härte an. Ihn stört das nicht. Immerhin folgt sie ihm, begleitet ihn für eine Weile, und Seite an Seite werden sie zu Weggefährten. Er könnte sich etwas darauf einbilden.

Behutsam kommt er ihr näher. Sie weicht nicht aus, im Gegenteil. Schließlich ist sie für einen kurzen Moment über ihm. Sie kennen sich erst seit kurzer Zeit, und trotzdem schon diese Nähe, diese Anziehungskraft… Nach einer Weile wendet sie sich ab von ihm und versteckt sich hinter einem Wäldchen, dann zieht es sie plötzlich in die nächste Stadt.

Er aber ergibt sich nach einigen Meilen dem Fernweh und nimmt Kurs Richtung Meer. Ein Boot zieht auf ihm einen Scheitel aus Wellen – denn ER ist ein Fluss, und SIE eine Strasse.

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Es war nur gut gemeint. (Sonntagsgeschichte Nr. 7)

Kleinfred Wechselmann verrechnet sich...
Kleinfred Wechselmann verrechnet sich…

Die Barkasse in Geldingen war kein romantisches Boot, wie viele Touristen anfangs immer glaubten, die sich am kleinen Bahnhof des Ortes danach erkundigten, sondern eine Bank. Warum sie Barkasse und nicht Giro-Shop oder Geldhafen hieß, weiß der DAX.  Ihr Vorstandschef, ein langer schlacksiger Anzugträger mit Brille und Seitenscheitel hörte auf einen ebenso verwegenen Namen.

Kleinfred Wechselmann hatte mit diesem Namen vermutlich keine Wahl gehabt – es blieb nur eine kaufmännische Karriere für ihn übrig. Wenn man genau hinsah, konnte man sogar noch die Ärmelschonernähte am Sakko erkennen. Seine pomadigen Haare wirkten dermaßen ölig, als hätte ihn ein Autoschlosser über den Kopf gestreichelt.  Und um seine Angestellten zu motivieren, kam Wechselmann nun auf die Idee, statistische Kennzahlen auszuwerten und während eines  feucht-fröhlichen Festaktes in der Bank die besten Mitarbeiter in den jeweiligen Sparten zum MISTER und zur MISS im entsprechenden Bereich zu küren… Der Kredit mit den  höchsten Zinsen, das Konto mit dem höchsten Dispositionskredit, die Finanzierung mit der längsten Laufzeit, die Umschuldung mit den meisten Raten… lauter solche bizarren Superlative waren es, die er für auszeichnungswürdig hielt.

Seinen Mitarbeitern verklickerte er seine monetär motivierte Zielstellung mit einem lauen Scherz: “Hier wird jeder Euro zum Unsro!”  Diese Kursvorgabe bezog sich allerdings ausschließlich auf jenes Geld, welches die Kunden in die Filiale trugen und was dazu gedacht war, Safes und Schließfächer des Hauses zu füllen, die Bilanzen zum Leuchten und Wechselmanns Brieftasche zum Platzen zu bringen. Die Lohntüten der Bankangestellten aber blieben  dünn, so dass man sie auf den ersten Blick für leere gefütterte Briefumschläge halten konnte.

Dafür war ja nun diese tolle Motivationsfeier geplant. Über die würde noch lange gesprochen werden, da war sich Wechselmann sicher. Und er sollte recht behalten – allerdings auf eine für ihn unangenehme Art und Weise.  Tage vorher arbeitete er Statistiken durch, erstellte Tabellen, rechnete, formulierte und bereitete Urkunden vor. Von niemandem liess er sich dabei in die Karten schauen, selbst seine Sekretärin durfte ihn dabei nicht stören.

Es nahte der Tag der Feier. Die kleine Aula war festlich dekoriert, es gab sogar ein Rednerpult und ein Mikrofon. Schließlich ging unter den gespannten Angestellten ein Raunen um, als der Vorstandschef mit seinem dicken Redemanuskript erschien.

So wurde dann zum Beispiel Scheinhard Bündel für die Vergabe des Kredites mit dem höchsten Zinssatz des Jahres ausgezeichnet, und man munkelte, dieser sei schon jenseits der Grenze zum Wucher angesiedelt. „Scheinhard, Sie dürfen sich nun MISTER ZINS 2010 nennen!“, verkündete Wechselmann feierlich am Ende seiner kurzen Laudatio.

Das Fräulein Bilanzia aus dem  Geschäftskundenbereich  wurde als nächste Anwärterin auf einen der ominösen Titel auf die kleine Bühne gebeten.  Gespannt warteten alle in der Aula versammelten Zuschauer, was sie denn nun für eine MISS werden würde. Bilanzia Kriegegern dürfe sich fortan MISS PORTO nennen, denn sie habe so viele Bearbeitungs- und Portokosten wie noch nie in die von ihr bewilligten Kredite einberechnet, erklärte der pedantische, zahlenverliebte Wechselmann.

Er war überhaupt ein Ausnahmestatistiker, und so rief er dann als sechste und letzte Auszuzeichnende Profundia Prüfer auf, deren Aufgabe die Kreditvergabe an Privatkunden war. Sie habe zwar Kredite mit meistens kurzer Laufzeit herausgegeben, aber einer sei dabei, dessen Raten seien bemerkenswert hoch, dank der für die Bank so positiven Zinshöhe und der üblichen Zusatzgebühren für die Kreditversicherung, die Bearbeitungsgebühren, das Porto – hier wanderte sein Blick wieder zu Bilanzia Kriegegern, die noch immer dankbar lächelte und verträumt ihre Urkunde bewunderte – und so kam Wechselmann dann zur Verkündung, was für eine MISS denn Profundia Prüfer nun sei – aber diese Verkündung löste Buuh-Rufe und Gelächter im Publikum aus. Die Auszuzeichnende bekam einen hochroten Kopf und wurde ärgerlich, sagte ins Mikrofon, sie drohe Wechselmann mit einer Klage wegen Beleidigung, werde zumindest ihren Anwalt konsultieren…

Der Chef verstand minutenlang nicht, was er da mit seiner Titulierung ausgelöst hatte, bis es ihm plötzlich dämmerte. Er hätte im Boden versinken mögen vor Scham, aber so konnte er sich nur entschuldigen bei Profundia. Er wollte doch nur anspornen und motivieren… Es war zu spät, schon warf das empörte Publikum aus lauter Solidarität Kekse und Kuchenstücke auf die kleine Bühne, und Wechselmann wünschte sich weit, weit weg.

Wie konnte er auch verkünden, Frau Prüfer dürfe sich fortan MISS RATEN nennen?

Einige Tage später nahm sie zähneknirschend seine Entschuldigung an… Schließlich kannte sie ihn und wusste, wie er es gemeint hatte: Jedenfalls nicht böse, das stand fest. Da Wechselmann dann aber voller Dankbarkeit ihren Großmut lobte und ihr schwor, sie sei nun für ihn MISS VERSTÄNDNIS, kündigte sie am nächsten Tag und ließ sich per sofort beurlauben.

Der verdutzte Kleinfred Wechselmann aber verstand die Welt nicht mehr.

Oh, Pannenbaum! Kapitel 3 – als Sonntagsgeschichte (6)

Der Job aller Jöbbe
Oh Pannenbaum! (3)

Kapitel1 und 2

-3-

Mit einer fahrigen Handbewegung brachte ich die Kaffeetasse zu Fall. Elke stöhnte auf.
„Hab dich doch nicht so, Kaffeeflecke gehen heutzutage schon bei 30 Grad raus.“, belehrte ich sie. Ihre schwerhörige Oma Herta fühlte sich angesprochen, weil ich sie dabei zufällig ansah und widersprach mir : „ Nein, nein, Jungchen – bei 30 Grad geh ich nicht mehr raus, das ist mir viel zu warm…“
„ Hertalein, du bist ja kein Kaffeefleck, da macht das nichts, wenn du drin bleibst“, entgegnete ich freundlich.

Wie Elke dazu kam, meine Eltern zu sich zu bestellen, war mir immer noch nicht klar. Und vor allem – woher nahm sie die Gewissheit, dass sie selbst noch zu meiner Familie gehörte? Sie hatte in der Tat Mutter angerufen und sie nebst Mann und Braten zu sich, ihrem Hansel und diesem lebenden Ärmelschoner aus dem Land des oval office eingeladen, nach dem Essen könne ich ja mit meinen Eltern los ziehen, außerdem sei ich der Baumbesorger – jaja: worum auch immer meine Ex mich bittet, ich besorg´s ihr.

Es klingelte an der Wohnungstür. Die Hausherrin sah mich an, als hätte ich einen fahren lassen. „Das sind die Männer.“, sagte sie und sah mich wieder an. Achso, die Männer. Dann bin ich der Weihnachtsbraten, oder was? Ihr Blick wurde nicht besser, eher fordernder: „Du siehst doch, dass ich hier zu tun habe, oder?“ Sie hatte das Tischtuch in der einen und eine weiße Masse in der anderen Hand und begann, den Kaffeefleck damit einzugatschen.
„Na was ist – machst du bitte auf?“ „Wohne ich hier oder du?“
Das konnte ich mir nicht verkneifen, ging aber doch zur Tür. Dann konnte ich gleich selbst auf das Klingelschild schauen, ob da nicht etwa doch mein Name stand.

Unten vor der Tür standen Hans und der Ami. Sie waren einkaufen gewesen und schleppten diverse Taschen und Tüten mit sich herum. Auf dem Flur in der Wohnung sahen sie die Unterkiefer und das Gezweig liegen. „Was bitte ist das?“, lachte Hans und zeigte auf das Grünzeug. Der Amerikaner grinste und sagte nichts.
Elke kam um die Ecke, lächelte kurz und kreischte plötzlich. Hat sie wieder heimlich Hohes C getrunken, dachte ich nur und sah vor meinem geistigen Auge die Weihnachtskugeln in ihren Kartons zersplittern.
„Hans!! Pass doch auf…“ Elke deutete auf seine Schuhe.
Ihr Mustergatte musste seine Füße mitsamt Schuhen in einem Haufen warmer Exkremente geparkt haben – auf der Straße wohlgemerkt, denn es roch plötzlich nicht mehr weihnachtlich.
„Von jetzt an nenne ich dich Hans Im Glück.“, beschloss ich laut.
„Haha, du Blödmann. Hilf mir lieber.“, meckerte Hans Dampf-in-allen-Schuhen.
Baumbesorger, Schuhputzer , Türöffner….Das ging entschieden zu weit und ich deswegen kurzerhand und ebenso entschieden ins Wohnzimmer zurück.

Als sich die Aufregung und der markante Duft mit Hans zusammen auf sein Sofa gelegt hatten, während Mister McOffice um Elke herumscharwenzelte, besah ich mir den Baum nochmal aus der Nähe.
So schlecht sah die Kiefer nicht aus, wenn man sie im richtigen Winkel betrachtete. Daher liess ich mich sogar hinreißen zu der Aussage, ich hätte sie selbst ausgesucht und abgesägt. Vom Friedhof sagte ich natürlich nichts. Ich wollte für meiner Hände Arbeit anerkannt, meinetwegen auch kritisiert werden, Hauptsache es nahm mal einer davon Notiz, dass ich verdammt nochmal meinen Beitrag zu diesem Fest bereits geleistet hatte!

“Da fehlt doch die ganze Spitze!”, mäkelte Hans an dem Baum herum.
“Ist eben eine Unterkiefer – für Elkes niedrige Wohnung reicht die doch.”, antwortete ich 
“Aber besser wär, da oben drauf gäbe es eine Spitze”, beharrte Hans.
Elke kam dazu und zog angewidert die Oberlippe hoch, als sie den Baum sah. Den Blick kannte ich noch aus der Hochzeitsnacht. Sie mochte einfach keine kleinen Bäume.  “Da hast du deine Spitze”, sagte ich zu Hans und deutete mit dem Kopf auf Elke. “Nicht, wahr – du bis doch immer spitz?”  Und damit liess ich die Beiden stehen und begab mich zu dem Ami, der inzwischen auf der Couch lümmelte. Ich war so geladen wie John Waynes Winchester.
Ob der Büromane mich etwas aufheitern konnte mit seinem drolligen Denglisch?