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Wunschberuf Autor

Derzeit treibt mich ein anderer Brotjob um, aber immer noch stelle ich mir ein Arbeitsleben als frei schaffender Autor und Moderator vor. Was wollte ich nicht alles werden als Kind: Busfahrer, Lehrer, Nachrichtensprecher im DDR-Fernsehen, Weihnachtsmann, Hängemattentester … bis mich meine überbordende Fantasie zum Schreiben brachte. Um dem wenigstens etwas näher zu kommen, erarbeite ich mir gerade eine eigene freiwillige Zielvereinbarung mit mir selbst, die Schreibzeiten für Arbeitstage, freie Tage und schlaflose Nächte beinhaltet. Sie zeichnet sich durch eine gewisse Unverbindlichkeit aus, da ich mich selbst zu nichts zwinge, aber dennoch ist die bloße Existenz einer solchen Aufstellung schon Antrieb genug und fördert den indirekten Druck von mir auf mich.

Sollte ich jemals hauptberuflich vertraglich einem Verlag mit einem Auftragswerk verpflichtet sein, fällt Schlafen bis Mittag aus, ebenso muss ich meine Aufschieberitis loswerden. Ich denke nicht, dass ich jemals vom Schreiben leben werde, ich lebe eher, um zu schreiben. Das trifft es ganz gut, zumal ich aus beruflich und privat Dinge erleben durfte, die vorher nie vorhersehbar waren und aus denen ich schöpfen kann.

In einem Leben als frei schaffender Autor fehlt die Essenz jeglicher Fantasie, wenn der Kerl nur hinterm Schreibtisch sitzt, oder im Auto auf dem Weg zum Verlag. So gesehen bin ich doch nicht so schlecht dran. Hebe ich mir eben meinen ersten Bestseller für die Rente auf.

Feierabendautoren wie ich

Wer einem Vollzeitjob den Vorzug gibt, weil er von seiner eigentlichen Berufung, dem Schreiben ( noch) nicht leben kann, der darf sich so wie ich Feierabendautor nennen. Damit ist man aber nicht zwangsläufig auch Autodidakt. Denn fast niemand hat sich das Schreiben selbst beigebracht, erstens lernt man es in der Regel während seiner Schulzeit, zweitens liegt die Fähigkeit, wie ein Autor zu schreiben, zu einem guten Teil in den Genen, und drittens macht dann Übung ( gepaart mit Wissen) den Meister.  Oft kommen auch ein hohes Mitteilungsbedürfnis und Kommunikationsstärke hinzu.

Dass dann oft der Fernseher aus, manchmal sogar der Herd kalt und die Kaffeemaschine an bleiben, möchte ich nun nicht verallgemeinern – das ist vielleicht nur bei mir der Fall. An manchen Tagen allerdings falle ich nach der Arbeit müde aufs Sofa, und vor dem steht nun aber mal nicht nur der Tisch, sondern auch die Flimmerkiste.  Und zack! Aus Schreiben wird Gucken. Oder besser: Blinzeln, wir hatten ja festgestellt, dass ich müde bin.  Und wieder setzt eine gute Idee, die ich auf der Heimfahrt hatte, in meinem Bregen Staub bis zur Unkenntlichkeit an, bevor sie dann mal eben  weg ist.

Ein guter Feierabendautor betont dieses Wort auf den letzten zwei Silben und nimmt die ersten zwei nicht zu wörtlich.  Weil ich trotz guter Vorsätze aber nicht immer auch etwas umsetze, sitze ich ziemlich in der Tinte. Und es hapert etwas mit dem Absatz. Also, dem meiner Bücher.  Aber da das Fernsehprogramm immer schlechter wird, bin ich zuversichtlich, dass mein Rechner bald meine erste Wahl nach Arbeitsschluss sein wird.

Neues Gedicht (vom Weichei des Monats)

glück … oder so

leben und leben lassen
sich lieben und sich hassen
sich versöhnen und sich streiten
sich verabschieden und sich begleiten


aufeinander stolz und gespannt sein
miteinander frivol und charmant sein
miteinander sich langweilen, sich freuen
gemeinsame zeit nie bereuen


sich nerven und sich beneiden
miteinander kämpfen und leiden
sich vermissen und sich begehren
sich satt haben und sich verehren


mit jemandem das alles können
dies geschenk sei nur jedem zu gönnen
es hält jung, man blüht auf, und man liebt sich
und diese sehnsucht im herzen, das gibt sich

spätestens mit siebzig.

Schräges Gedicht in Plaschke-Manier

Opas Letzter Wille

Hats mich erst zum Herrn verschlagen,
ins Himmelsreich, ins Wunderschöne,
muss ich euch nicht mehr ertragen –
und eure Jamba-Klingeltöne.

Nie wieder nachts auf die Toilette
Ich mach ganz still so vor mich hin
Bewässere meine Ruhestätte
Weil ich mein eigner Gärtner bin.

Brauch nie mehr mit dem Zivi streiten
Soll der mich schlagen, teeren, federn
Ich merk nichts mehr, ich starb beizeiten –
sich was mit Essen auf Rädern!

Macht dass es um mich Tattergreis
Kein Geheul gibt und Gejaule
Kümmert euch um euren Scheiß –
Ich war schon immer gern der „Faule“.

©2009