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Autorenleid (Vorsicht, es reimt sich)

Ideen in der Mittagspause halten meist nicht bis zu Hause, wenn man so lang auf Arbeit ist, dass man sie wieder vergisst. Mist …  In der Hose Eier habend macht man früher Feierabend, damit man noch etwas schreibt, bevor vom Tag nichts übrig bleibt.  Das rächt sich am Tage drauf, denn es fiel dem Chefchen auf.  Chefchen zetert, wettert, keift, weil es einfach nicht begreift, dass der Job einen Autoren, der zum Schreiben nur geboren, nervt, zermürbt und müde macht. Doch wer schreibt schon in der Nacht?  Das wär wirklich nur beknackt, also wird Zeit abgezwackt von den acht dreiviertel Stunden – und Geschichten werd´n erfunden, Stories, die man so nie las. Und das Chefchen nur so: „Waaaass??“  #feierabendautor

Nochmals zurück zu damals

Von Plattenbauproleten und Faltbeutelprinzen, von Pionieren  mit Pfandflaschensammelsyndrom, Altstoffhändlern und Helden der Arbeit könnte eine in meiner Kindheit angesiedelte Geschichte handeln, die das Leben in der so genannten Platte und die Sorgen, Ängste und kleinen Freuden deren Bewohner widerspiegeln soll. Die Siebziger und frühen Achtziger waren nun mal die Periode meiner Kindheit und Jugend und sind mir daher noch gut in Erinnerung. Sicher werden autobiografische Erlebnisse einfließen,  aber etwas zusätzliche Fiktion ist unentbehrlich, um etwas mit der Absurdität mancher Ereignisse, den Verhaltensweisen der Figuren und dem Schicksal zu spielen – etwas, dass man als Autor immer wieder genießt, wenn man seine Fantasie einfach auf dem Papier (oder Monitor) auslebt.  Es geht um Dederonschürzen , Sandkastenfreunde und die Betriebsgewerkschaftsleitung, um  Mangelwirtschaft und nachbarschaftliches Vertrauen, um soziale Hilfsbereitschaft die durch die Abschottung der DDR für die Bürger überlebenswichtig war. Alledem wohnte dennoch, trotz aller Widrigkeiten, eine  Art sozialer Unbeschwertheit inne: Die Mieten waren staatlich subventioniert und sehr günstig, das Gesundheitswesen verstaatlicht und für alle sozialen Schichten  kostenlos, das Bildungssystem zwar politisch indoktriniert, aber vereinheitlicht und die Lehrpläne nicht in jedem Bezirk anders.  Ein Schulwechsel stellte also zu keiner Zeit ein Problem dar.

Durch die Mauer und die eingeschränkte Reisefreiheit hielten sich Kriminalität und ansteckende Krankheiten wie Epidemien sehr in Grenzen. Diese positiven Begleiterscheinungen sind ehemaligen DDR-Bürgern heute noch sehr gegenwärtig, und manche erinnern sich wehmütig daran, zumal es heute völlig anders aussieht – auch dank des Globalisierungswahns und der allgegenwärtigen Europa-Euphorie.  Auch ist es einem Nichtossi schwer begreiflich zu machen, dass früher vieles zwar  grau und trist war,  aber dadurch auch eine gewisse Bauernschläue und Improvisationsvermögen bei den Leuten entstand. Der Gemeinschaftssinn war groß, sei es in Kollegenkreisen, Hausgemeinschaften, Familien oder Lerngruppen. Fremde Menschen halfen einander uneigennützig ohne zu fragen, man lernte schnell einander kennen, weil es normal war, miteinander freundlich umzugehen und viel zu kommunizieren.

Mag sein, dass die heutige Zeit Leute wie mich dazu bringt, alles etwas verklärt durch eine rosa Brille zu sehen. Aber ich habe auch Hochachtung vor heute aufwachsenden jungen Menschen, die es in dieser schnelllebigen Zeit so viel schwerer haben, in diesem System zu bestehen, als meine Generation es damals hatte – ohne Telefon, Internet, verstopfte Straßen und Brandanschläge.  Andererseits werden sie es womöglich nie anders kennenlernen.  Ich aber würde es ihnen wünschen, damit sie dann vergleichen können – so wie ich. Ja, und darüber will ich schreiben.

 

Firma droht mit Arbeit

Bildungs-Aus für Ausbildung Ungelernter? Wie Firmen Arbeitslose recherchieren und auffordern, prekäre Jobs anzunehmen

KLARTEXT. Jobsuche steht ja immer mal wieder an bei mir. Als Ossi und Mitglied der Generation „Befristet“ ist das ja schon fast Routine. Aber einiges scheint sich auf dem Arbeitsmarkt doch geändert zu haben.

So kontaktieren Messeveranstalter nun potenzielle Bewerber nicht nur, um sie zu Jobmessen einzuladen, die 250 km entfernt stattfinden und wo sich die Unternehmen präsentieren, die der Arbeitssuchende auch vor der eigenen Haustür, nämlich in seiner Stadt findet, nein – es gibt auch Firmen, die von sich aus recherchieren, wer arbeitslos ist und wen man zur Bewerbung am Arbeitsamt vorbei auffordern könnte. Andersrum sind ja Initiativbewerbungen von ambitionierten Fachkräften in vielen Unternehmen gern gesehen. Aber wenn es sich beim Arbeitssuchenden um eine ungelernte Fachkraft der Generation 50+ handelt, und die ihn anschreibende Firma eine kleine Personalvermittlung / Zeitarbeitsfirma ist, dann sind wohl Zweifel oder zumindest ein paar Fragen angebracht. Antworten findet man bei einer Internetrecherche oder beim Erfahrungsaustausch mit anderen Arbeitnehmern, denen diese Firmen ein Begriff sind. Ja, auch Bewerber dürfen über potenzielle Arbeitgeber recherchieren. Nicht unbedingt verlassen sollte man sich hingegen auf die Agentur für Arbeit, die einem womöglich schnurstracks aus einer Nachfrage einen Vermittlungsvorschlag mit Rechtsfolgebelehrung bastelt, frei nach dem Motto: “ Sie müssen sich da bewerben, auch wenn die Firma Sie kontaktiert hat; denn Sie sind alt und haben keine Alternative.“ Wenn also Zeitarbeitsfirmen und Personalvermittlungen in einem industrieschwachen Flächenland wie M-V Bewerberprofile diverser Jobbörsen plündern und den Kontaktierten dann „tolle Konditionen, Prämien und unbefristete Verträge mit Übernahmemöglichkeiten“ auch als Helfer versprechen, kann das anfangs durchaus ernst gemeint sein, aber die Zahl jener Bewerber, die so ein Vorgehen aufgrund eigener Erfahrungen nüchtern zu betrachten wissen, steigt und steigt.

Kann ja sein, dass eine solche Verfahrensweise nicht nur dann praktiziert wird, wenn es um prekäre Arbeitsverhältnisse geht, also um Helferjobs zum Mindestlohn oder drunter. Denkbar wäre, dass Unternehmen auch um Fachkräfte und Spezialisten werben. Meiner Erfahrung nach kann ein jahrzehntelang im Berufsleben stehender Mensch, der zuletzt nur „Anlernjobs“, also einfache Tätigkeiten als Seiteneinsteiger ausgeübt hat, mit wenig Aufwand neu angelernt und/oder sogar ausgebildet werden. Und schon gäbe es einen Helfer weniger und eine Fachkraft mehr. „Erfahrung“ ist das Stichwort. Stattdessen reicht man unseren Beispielberufstätigen von einem prekären zum nächsten unterbezahlten Helferjob durch. Wenn er nicht mitmacht, wird er sanktioniert. Deswegen – und wegen der Bildungskrise in Deutschland – nenne ich den Fachkräftemangel hausgemacht. Ja, wir haben eine Bildungskrise. Wenn jemand anderer Meinung ist, dann soll er mir mindestens drei Argumente vortanzen. Sicher eignet sich nicht jeder Ungelernte bzw. nicht mehr qualifizierte Arbeitgeber für eine Fortbildung/Ausbildung oder Qualifizierung. Aber wer gibt ihnen die Möglichkeit, wenigstens einmal drüber nachzudenken? (Meistens) nicht die Unternehmen, die Fachkräfte brauchen, nicht die Jobcenter, nicht die Politik. Das Bildungs-Aus für die Ausbildung unterqualifizierter Arbeitskräfte ist der folgerichtige nächste Schritt. Und ich behaupte: Die Politik hat in ihren Augen Wichtigeres zu tun. Dumme Völker sind leichter zu regieren. -hardi-

 

Nachts nur Noch Schlafen oder Schreiben

Beruflich tut sich nun endlich, nach lange währender Nachtarbeit, wieder eine neue Chance auf, nämlich die, tagsüber und nur noch stundenweise zu arbeiten. Nächtliche Arbeit sollte Spaß machen und keinen Stress verursachen, wenn man schon nachtaktiv ist. Mir fällt also eine Last von der Schulter, wenn man so will. Das bedeutet, ich kann wieder mehr Zeit mit meinem Hobby verbringen. Meine Tätigkeit als nächtlicher Fahrer hat ein erzählungswürdiges Ende gefunden, welches Stoff für mindestens zwei weitere Kurzgeschichten bietet. Ich bin dankbar, dass ich immer wieder nicht alltägliches erlebe, über das zu schreiben es sich lohnen könnte. Mit etwas Abstand kommt vielleicht auch wieder der Humor dazu… wer weiß.

Versprechen werde ich nichts, man wird es ja merken. Da ich den Nachtjob nun nicht mehr habe, brauche ich erstmal wieder eine Umgewöhnung an die normale Schlafenszeit. Schreibnächte wird es weiterhin geben, so wie es meine Kondition dann zulässt. Zunächst ist etwas aktive Erholung angesagt. Und dann heißt es nun wieder: Hallo, Facebook. Und hallo, Arbeitsamt.