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Schreibgedanken (2)

jp1Schreiben ist Macht. Also, schreib es nur nicht zu weit. Wenn man schon genetisch bedingt immer freundlich und wertschätzend mit der heutigen Menschheit umgeht, dann möchte man mitunter mal wenigstens beim Schreiben seine Macht ausleben und Schicksal, um nicht zu sagen, Gott spielen – ähnlich einem Schauspieler, der gern verschiedenste Facetten und Rollen spielt, wobei ja meistens Bösewichte und fiese Rollen sich bei heiter-harmlosen Gemütern besonderer Beliebtheit erfreuen. Deswegen gilt dann wenigstens beim Schreiben ein Motto wie dieses:

blogpostnews02Wohl dem, der das dann auch gut umsetzen kann. Ob dieser Wunsch aus tiefster Seele kommt, merkt man den Ergebnissen an. Je mehr das der Fall ist, desto schräger und böser werden die geistigen Ergüsse sein, und desto eindeutiger wird es von den Lesern wahrgenommen. Zum Glück gibt es viele Stilrichtungen und Genres, die allesamt bedient werden wollen – und zum Glück findet so jeder Schreiberling auch seine „Lieblingsrichtung“….  Das können gern auch mehrere sein, aber nur selten werden es viele sein. Mich interessierten bisher zum Beispiel Gedichte, Glossen, Erzählungen und Kurzgeschichten.

 Als Autor lebe ich beim Schreiben in meiner eigenen Welt. Aber das ist okay. Denn da bin ich der Meister aller Reusen und der Chef aller Protagonisten. Wer nicht gehorcht, den schreibe ich kurzerhand… ab!

Was beim Chaos-Schreiben nicht fehlen darf…

header chaosWer drauflos schreibt, sollte wenigstens schon mal eine Idee haben. Das kann eine Situation, eine (wahre oder selbst erlebte) Begebenheit, ein Protagonist mit originellen Charakterzügen oder Macken sein. Oder alles zusammen. Das wäre schon mal eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es „fließt“ beim Schreiben. Dann sollte sich während des Schreibens günstigerweise das Kopfkino einschalten, denn visualisierte Gedanken helfen sehr – auch wenn sie nur vor dem geistigen Auge zu Bildern werden.

Noch etwas ist unerlässlich: Stressfrei zu schreiben. Ablenkungen bringen zumindest mich zu oft aus dem Gedankenfluss, ob es ein klingelndes Telefon, eine anbrennende Pizza, ein klopfender Postbote, ein zu lauter Fernseher oder eine grüne Ampel ist. (Zugegeben, im Auto während der Fahrt schreibe ich nicht – höchstens hastig drei Wörter auf einen Schmierzettel, wenn mir ein Einfall als brauchbar und gerade kein Polizeiwagen in der Nähe erscheint.)

Wichtig ist auch, nicht allzu oft inne zu halten, um Logik und Ausdruck zu prüfen – das kommt im Detail später. Erstmal alles festhalten, was raus aus aus dem Hirn will. Sortieren, verknappen, formulieren, korrigieren, meinetwegenauch mal rezitieren – das sind spätere Arbeitsschritte.

Wenns mal nicht weiter geht – hilft z. B. die Motivsuche für ein eventuelles Buchcover an der frischen Luft, also mit Fotoapparat und Kleingeld für einen Kaffee-to-go.

Wenn auf Seite dreiundneunzig plötzlich ein Ereignis auf eine Person oder eine Sache weiter vorn in der Geschichte Bezug nimmt – bloß nicht zu oft hin- und herblättern und gleich alles stimmig machen wollen…  Logikschwächen und andere kleinere Vergehen bügeln sich besser beim Lektorieren und Korrigieren aus, alles andere hält an dieser Stelle auf. Das funktioniert aber nur bei Geschichten, für die nicht allzu viel oder keine Recherche nötig ist. Anderenfalls wird mehr Sorgfalt bereits beim ersten „Durchlauf“ vonnöten sein, damit die Glaubhaftigkeit nicht leidet.

DKZV – nichts für mich.

nein2Einerseits kann man nicht oft genug warnen, andererseits muss das jeder Autor für sich entscheiden. Aber die Mehrheit der schreibenden Zunft, das ist mein Eindruck, verurteilt das Abzocken meist unbedarfter Neulinge durch überhöhte Druckkostenbeteiligungen –  wie auch immer diese sich auf der Rechnung dann nennen. Auch wenn solche Verlage ein umfassendes Marketingkonzept versprechen, inklusive Talk-Shows und Medienprädsenz durch Rezensierung des Werkes – hier ist Misstrauen angebracht. Und selbst, wenn der Verlag als DKZV sich daran hält: Es geht mit einem riesigen Aufwand an Zeit und Geld einher, durch die Republik zu solchen Terminen zu reisen – dafür sollte man schon einen Bekanntheitsgrad erlangt haben, damit es sich rechnet, auch wenn das paradox klingt. Ein „Schreib-Anfänger“ hat nichts zu erzählen und wird in einer Talk-Show mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur wenig Interesse generieren. Ein Bestseller-Autor hingegen hat beim Lesepublikum bereits gepunktet. Und: Für Geld würde der Verlag IMMER positives Feedback geben und alles drucken – sogar wenn es sich um ein Telefonbuch oder sogar  um einen Psycho-Thriller handelt, in welchem ein DKZV seine Stammautoren über den Tisch zieht.

Kreativität auf Knopfdruck?

brain-770044_640Kann man kreatives Schreiben vorausplanen? Ganz klar: Jein. Man kann sich an Rituale halten und damit eine gewohnte Atmosphäre schaffen, damit der Ideenfluss besser in Gang kommt. Aber ich kenne niemanden, bei dem es funktioniert, gute Ideen auf Knopfdruck abzurufen – wenn´s geht auch noch, für ein bestimmtes Genre… Ein Mittel auf dem Weg dahin ist allerdings z.B. das brain storming. Wer gern schreibt kennt sicher auch das Gefühl, dass man mal in der falschen Stimmung ist, um kreativ zu werden. Ursachen dafür sind vielfältig: Stress, falsche Umgebung, falscher Zeitpunkt, gesundheitliche Gründe – was auch immer.  Es hilft, wenn mancreative-725811_640 sich auf dem Weg zu einem guten Werk eigene, zeitlich gut realisierbare kleine Ziele setzt. Man sollte auch flexibel  genug sein, dieses später noch ändern zu können, denn Druck schränkt Kreativität meistens ein.


Wenn aller Anfang schwer ist…


Tätigkeiten anderer Art wecken mitunter die Lust am Schreiben, wenn diese gerade mal tief schlummert… Das ist individuell verschieden: Der Eine schraubt am Auto herum und hat dann eine Idee, andere Leute besuchen eine Ausstellung, Verwandte, shoppen, gehen ins Konzert oder verreisen.  Man sollte aber immer bereit sein, spontane Ideen irgendwie mal schnell festzuhalten. Greift man diese später auf, fällt der Einstieg in das (Weiter-) Schreiben leichter.  Und wer eine Schreibblockade hat, sollte sich entweder zu dem Thema einen Flm anschauen, oder nach zahlreichen Versuchen, dennoch etwas zustande zu bringen, eben über seine Schreibblockade schreiben – auch, wenn das ein Extra-Text wird am Ende. Über diesen Umweg kommt der alte Elan oft zurück.

Ich weiß, das ist alles nicht neu. Aber es sind inzwischen die Erfahrungen, die ich gemacht habe und immer wieder mache. So gesehen kann ich diese mitunter schon von anderen Autorenkollegen gegebenen Tipps nur bestätigen.