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Herrentagsgedanken

Wieder steht der Tag des Bollerwagens vor der Tür, die 24stündige Dauerausrede dafür, dass man uns Männer immer und überall mit einem Bier in der Hand oder einem Grill vor dem beschürzten Bauch erwischt. Zumindest an diesem Tag. Grillen an sich ist aber keine reine Männersache: Am Frauentag dürfen dann natürlich mal die Frauen grillen. Und noch ein weit verbreiteter Irrtum: Herrenschokolade darf man selbstverständlich  ganzjährig essen. Auch, wenn man eine Frau ist. Sicher heißt sie nur so weil sie von (oder etwa aus?) Herren hergestellt wird. Also, die Schokolade, nicht die Frau natürlich, was für ein Quatsch.

Kann ja auch sein, dieser Herrentag, auch Männertag genannt, ist eine Erfindung der Kohleindustrie. Wer grinst da? HALLO! Holzkohle? Grill?  Na bitte.  So wie hinter dem Frauen- und dem Muttertag die Blumenhändler stecken, hinter dem Kindertag die Spielzeugindustrie und all die Süßigkeiten eine Erfindung eines Bielefelder Zahnarztes sind. Na gut, außer vielleicht die Gummibären. Weiß doch jeder, dass da der Gottschalk hinter steckt!

Betrachten wir die Sache mit dem Ehrentag mal philosophisch: Es gibt einen Männer- bzw. Herrentag und einen Frauentag. Sind Männer und Frauen wirklich die einzigen Geschlechter, die einen solchen Tag verdienen? Wenn wir angeblich im Zeitalter der Geschlechtervielfalt und Gleichberechtigung leben, dann hat hier der Ehrentagserfinder noch eine Menge Arbeit vor sich … Und was bitte ist mit Ehrentagen für Tiere und Pflanzen?

Ich habe mich an dieser Stelle schon über die kuriosesten Gedenktage ausgelassen. Darüber nachzudenken, wie man die alle innerhalb eines Kalenderjahres unterbekommt, wenn es noch mehr werden, das lasse ich jetzt auch mal aus.

Die Mauer als Exportschlager

usa-1120579_6400002Wer hätte das gedacht: Der weltweit so gefeierte und bestaunte Mauerfall ist knappe zwanzig Jahre her, und man dachte schon, ein grenzoffenes Europa wäre die bessere Alternative, da avanciert die Mauer zum Exportschlager und feiert in den USA prompt ihre Wiederauferstehung. Während aber der antifaschistische Schutzwall in Europa von den „Guten“ gebaut wurde, um die eigene Bevölkerung zu schützen, macht sich in Übersee nun der imperialistische Klassenfeind diese erfolgreiche Verteidigungsstrategie des Sozialismus ganz ungeniert zu eigen und möchte sich und sein Volk so vor mexikanischen Republikflüchtlingen schützen. Wir fassen zusammen: Der Sozialismus wollte in durchaus fürsorglicher Absicht sein Volk vor den imperialistischen Häschern und der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen schützen. Es misslang.

Die Mauer zwischen der USA und Mexiko schützt folglich die Mexikaner vor dem verlockenden scheinbaren wirtschaftlichen Wohlstand, der sie in Amerika erwarten könnte? Falsch. Trump, diese Reinkarnation Walter Ulbrichts meint es zwar gut – aber auch wieder nur mit dem eigenen Volk. Nicht umsonst ist er übrigens China-Fan. Sicher hat er sich schon erkundigt, ob er ein paar gelernte Maurer von dort arbeitsbedingt ausleihen kann. Befristet natürlich – nicht dass sie am Ende noch illegal in Amerika bleiben ….

EM-Wahn: Balla balla, Tschland und PappBlick Wjuing

Glosse. Laut Rio Reiser sei es „klar, dass die Welt nicht um ´nen Fußball kreist“. (Das Zitat stammt aus dem Song „Alles Lüge“.) Wenn der Meister sich da mal nicht geirrt hat… Die Medien haben nur noch die EM als Thema, so fühlt es sich jedenfalls an, und Millionen Hausanzugträger und Gartenliberos besinnen sich auf Tschland und hängen die Fahne wieder in den Wind, stellen auf der Wiese vor dem Grill einen Riesenflachbildschirm auf und ärgern sich, wenn sie nicht alle Paninibildchen für ihr Album zusammen bekommen… Was soll nur dieser Hype? Wer hat schon Zeit, alle 51 Spiele zu schauen und die Gruppentabellen durchzurechnen? Dass es genügend Brüllaffen gibt, die schon mal wichtige Fachbegriffe wie Schiedsrichter, Foul, Eierkopp und Blindfisch auf französisch üben, weil sie Karten für die EM ergattert haben, versteht sich von selbst. Die Reise und die Live-Atmosphäre im Stadion, das Jubeln und Trauern, all das sei ihnen wirklich gegönnt.

Aber dieser Wahnsinnsbohei schon im Vorvorvorfeld der Eröffnung – wann essen die Spieler, wer hat Blähungen in welcher Tonlage, welches Mittagsgericht wurde nicht aufgegessen, und diese Reportagen „vom Ort des Geschehens“, wo dann gezählt wird, ob französische Tornetze mehr Löcher haben als deutsche und so weiter, den könnte man sich sparen. Es gibt genug andere wichtige Themen in diesen Tagen. Akzeptabel finden kann man hingegen das wachsame Auge der Medien auf die Sicherheitslage im Vorfeld der Veranstaltung – schließlich treibt uns dieses Thema alle um derzeit.

Auch 2016 wieder live zu sehen: Der Merkel-Jubler.
Auch 2016 wieder live zu sehen: Der Merkel-Jubler.

Ganz besonders im Auge zu behalten sind auch die EU-Kommission und die Bundesregierung, lehrt die Erfahrung doch, dass gerne mal hektisch irgendwelche unpopulären Beschlüsse gefasst oder eklige Gesetztesentwürfe durchgewunken werden von den paar Leuten, die während der Spiele im Bundestag sitzen, weil sie keinen Fernseher haben oder zu Hause rausgeflogen sind für die Dauer der EM.

Man kann dennoch Fußball mögen und hier und da mitfiebern, sich mit Gewinnern freuen oder mit Ausgeschiedenen leiden; auch wenn man den ganzen Kommerz-Terz drumherum eher ablehnt. Schließlich muss man ja nicht für 400€ bei REWE oder LIDL einkaufen gehen, damit man genug Spielerbildchen bekommt und dann noch eine Tonne englischen Rasen beim Online-Baumarkt bestellen, damit man zwei Gratistore und einen Sack Wiesenkreide sowie ein Mittellinienlineal kostenlos oben drauf erhält… es sei denn, man hat einen Garten von der Größe Sanssouccis. Für DAS ganze Geld aber hätte man auch gleich live dabeisein können.

Dieser Platz ist so nicht bespielbar. Weiter hinten: Reporterkabine und Baumbewuchs, der die Sicht in der Südkurve behiindert.
Dieser Platz ist so nicht bespielbar. Weiter hinten: Reporterkabine und Baumbewuchs, der die Sicht in der Südkurve behindert.

Und wenn die EM dann vorbei ist und Belgien mit dem Titel im Gepäck abreist, während der Gastgeber EM-Zweiter und Deutschland EM-Dritter geworden sind, dann geht’s ans intermediale Wundenlecken in good old germany. Aber wie unser nächster Bundespräsident Lothar Matthäus schon sagte – wir dürfen dann nicht gleich (wieder) den Sand in den Kopf stecken.

Wie ich einen Anschlag verhinderte

senseOFhumorEIN TATSACHENBERICHT ( …könnte man meinen…) Morgens halb zehn, am Stadtrand einer deutschen Stadt. Beängstigende Dinge spielen sich ab: Aus einer Gartenkolonie steigt plötzlich Rauch auf! (Ja, Kolonie. Deutschland ist noch immer eine Kolonialmacht. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.) Erschüttert halte ich an und steige vom Rad, frage die Umstehenden, was passiert ist. Wie gelähmt steht die Handvoll Leute am Zaun jener Parzelle, auf der sich das Unglaubliche abspielt.
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