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Kolumnen, Glossen, Gedanken zu Selbsterlebtem

Lockdown back in Town

GLOSSE. Zum Glück wird der Lockdown verlängert. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste nun nach der Arbeit noch in die Stadt fahren, um noch in die offenen Geschäfte zu kommen, bevor sie der verkürzten Öffnungszeiten wegen um 18 Uhr schließen. Shoppen, so lange es noch möglich ist, oder so. Dieser Stress bleibt mir erspart, und ich kann mich aufs Schreiben konzentrieren. Ich muss niemanden irgendwohin zum Essen einladen, nicht mal, wenn ich flirten, meinen Geburtstag feiern oder einfach nur italienisch essen will. Und dank der seltsamen Ausgangssperre stecke ich mich jetzt lieber nachts drinnen an, als draußen an frischer Luft allein in der ohnehin gruseligen Dunkelheit vergebens auf den einsetzenden Husten zu warten. Mein Kino heißt Netflix, mein Museum Keller und mein Koch ist ein Lieferheld und mein Café der Balkon.

Fast so beschaulich wie zu DDR-Zeiten. Allerdings war damals nicht alles besser. Wenn auch das Toilettenpapier niemals knapp war, das muss man sagen. Aber es war im Gegensatz zu heute scharf wie Schmürgelein, also wie Schleifpapier. Das war aber auch nötig, damit auch die letzten braunen Arschlöcher irgendwann rot wurden.

Einfach mal so Drauf Los jammern

Diese Weltuntergangsstimmung geht einem allmählich auf den Keks. Und wenn sich wer fragt, warum ich keine Glossen mehr zur (P)lage der Nation schreibe, dann antworte ich, weil die Realität eine einzige Glosse ist.

Deswegen halte ich es für sinnvoll, wenn man jede sinnvolle Ablenkung nutzt, so es die Zeit erlaubt. Ich zum Beispiel lese wieder viel, entrümpele meinen Keller, meinen Rechner und bringe älteren Zeitgenossen gerade ein wenig das Internet nahe, in der Hoffnung, dass sie es nicht versehentlich löschen. Gerade habe ich Ihnen erklärt, dass es auch feiertags geöffnet hat. Was ich damit sagen will: So prekär für manche Leute die Situation momentan auch ist, man muss irgendwann auch mal genug gejammert haben und sich auf sein weiteres Leben konzentrieren. Aber im Meckern und Jammern sind wir Deutschen ja unschlagbar. Wir haben es verlernt, uns ohne triftigen Grund nach draußen zu begeben, das Auto beim Einkaufen mal stehen zu lassen, und alte Gewohnheiten irgendwann mal durch neue zu ersetzen. Auch, wenn es den Umständen geschuldet ist.

Wir nehmen es in Kauf, beim Shoppen ( wohlgemerkt, nicht beim Einkauf von Lebensmitteln) Schlange zu stehen, um unser Geld loszuwerden und kommen einmal mehr an den Punkt, wo wir vergangenen Zeiten hinterhertrauern …. oder zumindest diese erneut hinterfragen.

Ich schreibe „wir“, weil ich von Menschen aus meinem Umfeld weiß, dass es ihnen ähnlich geht. Oh jee, jetzt wo ich nochmal überfliege, was ich hier schreibe, stelle ich fest – ich hab jetzt eben auch einfach mal drauf los gejammert.