Archiv der Kategorie: Schreibgedanken

Von Orten des flüssigen Schreibens

Als Autor und Schreiberling hat man so seine Gewohnheiten, pflegt Rituale, nutzt Lieblingsplätze zum Schreiben und pflegt bestimmte Dinge zu tun, wenn man sich im Denkprozess, beim Plotten oder mitten in einer ersten interessanten Idee befindet.  Einerseits reizen mich zum Beispiel immer die berühmten einsamen und durchaus auch romantischen Plätze wie ein Haus im Wald, eine Hütte in den Bergen und manch anderes kleine Domizil fernab jeder modernen Zivilisation, andererseits komme ich zu hause genauso gut zum Schreiben.  Einmal an so einem inspirierenden Platz in der Fremde angekommen, bringe ich meine Utensilien und meine Gedanken in Ausgangsposition und – das war´s.  Was auch immer ich dann anfange, es hat erstmal etwas mit Erleben zu tun,  kann sein, ich streife durch den Wald, fahre Ski, brate mir mein Discounterschnitzel am Feuer –  Stadtmensch, der ich bin – aber Schreiben, das steht fest, werde ich keinen Buchstaben während der gesamten Zeit. Und ich hatte es mir wieder mal soo fest vorgenommen …

Tage oder Wochen später, wenn diese Eindrücke verarbeitet sind und zusammen mit sonstigem Gedankenkram verrührt wurden, ergibt sich das Resultat aus solchen Experimenten in Gestalt einer Geschichte, eines Gedichtes oder eines Buches wie von selbst. Man denkt immer, es gäbe doch so viele Orte, wo es nur so aus der Feder fließt … Aber für mich zumindest ist das oftmals ein Trugschluss, Inspiration holen? Ja. Fix und fertig aufgeschrieben? Später, viel später.

Warum ich zu solchen Ausflügen und ähnlichen Unternehmungen  immer wieder Schreibsachen mitnehme, wer weiß – ich könnte sie gleich zu Hause lassen.  Orte, an oder in denen ich noch nie ausprobiert habe, ob ich dort etwas Brauchbares zu Papier bringen könnte,  gibt es nur wenige. Aber dazu gehören:

  • Kornfelder im Sommer
  • Bibliotheken
  • Autos
  • Kettenkarussell
  • Kornfelder im Winter
  • U-Bahnstationen
  • Fernsehstudios
  • Unter Wasser
  • Auf einem Zahnarztstuhl

 

Weitere Pläne für 2020

Wer noch mehr über mich erfahren will, findet hier mein erstes Interview als Autor, welches ich dem Autorenhilfeforum im Juli 2020 in schriftlicher Form gab. Ich versuche weiterhin, den Stil und das Thema dieses Blogs mehr und mehr in eine Hauptrichtung zu lenken und mein Schaffen als autodidaktischer Autor dabei vorrangig in den Fokus zu stellen.

Ideen sichten und sortieren

Bevor feststeht, welche Idee ich als nächstes weiterverfolge, muss ich mal ausgiebig im Archiv stöbern und mit zeitlichem Abstand die zu Papier gebrachten Handlungseinfälle einordnen und bewerten. Dabei könnte ich Hilfe brauchen, auch sind gemeinsame Projekte eine interessante Herausforderung, bei der die gegenseitige Inspiration einen Motivationsschub erfahren dürfte. Fest steht, das wiederhole ich an dieser Stelle gerne, dass es eine Mitwirkung von mir an einer Anthologie geben wird, die zum Jahresende erscheinen soll.

Einzelprojekte werde ich nicht mehr so sehr spoilern wie in der Vergangenheit. Oft habe ich mich dann entgegen meiner „Ankündigungen“ in einzelnen Aspekten umentschieden oder sie letztlich nicht einhalten können.

Einziges feststehendes Vorhaben ist die Wiederauflage dieses Buches. Ob durch einen Verlag oder nicht, ist noch offen. Der Karina Verlag aus Wien („Der boshafte Verblichene“) würde nur weitere Geschichten von anderen Autoren mit dieser zusammen in einem Buch verlegen. Das kommt für mich in diesem Fall nicht in frage.

Wunschberuf Autor

Derzeit treibt mich ein anderer Brotjob um, aber immer noch stelle ich mir ein Arbeitsleben als frei schaffender Autor und Moderator vor. Was wollte ich nicht alles werden als Kind: Busfahrer, Lehrer, Nachrichtensprecher im DDR-Fernsehen, Weihnachtsmann, Hängemattentester … bis mich meine überbordende Fantasie zum Schreiben brachte. Um dem wenigstens etwas näher zu kommen, erarbeite ich mir gerade eine eigene freiwillige Zielvereinbarung mit mir selbst, die Schreibzeiten für Arbeitstage, freie Tage und schlaflose Nächte beinhaltet. Sie zeichnet sich durch eine gewisse Unverbindlichkeit aus, da ich mich selbst zu nichts zwinge, aber dennoch ist die bloße Existenz einer solchen Aufstellung schon Antrieb genug und fördert den indirekten Druck von mir auf mich.

Sollte ich jemals hauptberuflich vertraglich einem Verlag mit einem Auftragswerk verpflichtet sein, fällt Schlafen bis Mittag aus, ebenso muss ich meine Aufschieberitis loswerden. Ich denke nicht, dass ich jemals vom Schreiben leben werde, ich lebe eher, um zu schreiben. Das trifft es ganz gut, zumal ich aus beruflich und privat Dinge erleben durfte, die vorher nie vorhersehbar waren und aus denen ich schöpfen kann.

In einem Leben als frei schaffender Autor fehlt die Essenz jeglicher Fantasie, wenn der Kerl nur hinterm Schreibtisch sitzt, oder im Auto auf dem Weg zum Verlag. So gesehen bin ich doch nicht so schlecht dran. Hebe ich mir eben meinen ersten Bestseller für die Rente auf.

unangepasstes Schreiben (1)

Harmoniesüchtige Autoren werden über kurz oder lang für ihre Happy Ends bekannt. Mag sein, sie finden ihre Fans und Leser. Wer aber über das wahre Leben schreibt, weiß, dass es kein rosafarbener Ponyhof ist. Und, wie wir Engländer sagen: And so am I. Ja, ich mag die Briten, die inzwischen zu Brexiten geworden sind, nach wie vor. Deswegen musste diese Redewendung sein, Aber eigentlich wollte ich gegen die Verfechter eines positiven Endes, diese Schicksalsstreichler zu Felde ziehen, gegen all diese Alltagsvergolder, die uns ZDF-affine Strahlemanngeschichten mit Schluchzeffekt und Alleswirdgutausicht per TV in die Wohnzimmer und per Buch in unsere Regale liefern. Das wahre Leben schlägt einen anderen, realistischeren Ton an und wird nicht dauernd von Zahnpastawerbung und Staubsaugerauktionen unterbrochen. Happy Ends in Büchern und Filmen werden viel beweint, überbewertet und oft im wahren Leben herbei gesehnt. Okay, ich sehe es ein: Sie haben ihre Fans. Aber wahre Unterhaltungsrebellen wie ich müssen das Publikum, respektive die Leser in ihren Geschichten nicht disneygetreu mit schlussendlichem Trostkonfetti und Wohlgefallen einschleimen. Das erledigen Rosamunde Pilcher, das Traumschiff und Kai Pflaume schon wie die Großen.

Allerdings würde ich gern mal eine Geschichte mit einem Happy End beginnen, um es dann sukzessive zu zerstören. Mua-ha-ha, kein Stein würde auf dem anderen bleiben. Schräger Gedanke, zugegeben. Die Waltons und die Bonanza-Brüder würden sich im Grabe umdrehen. Ganz zu schweigen von Winnetou und Old Shatterhand.