Archiv der Kategorie: Schreibgedanken

Feierabendautoren wie ich

Wer einem Vollzeitjob den Vorzug gibt, weil er von seiner eigentlichen Berufung, dem Schreiben ( noch) nicht leben kann, der darf sich so wie ich Feierabendautor nennen. Damit ist man aber nicht zwangsläufig auch Autodidakt. Denn fast niemand hat sich das Schreiben selbst beigebracht, erstens lernt man es in der Regel während seiner Schulzeit, zweitens liegt die Fähigkeit, wie ein Autor zu schreiben, zu einem guten Teil in den Genen, und drittens macht dann Übung ( gepaart mit Wissen) den Meister.  Oft kommen auch ein hohes Mitteilungsbedürfnis und Kommunikationsstärke hinzu.

Dass dann oft der Fernseher aus, manchmal sogar der Herd kalt und die Kaffeemaschine an bleiben, möchte ich nun nicht verallgemeinern – das ist vielleicht nur bei mir der Fall. An manchen Tagen allerdings falle ich nach der Arbeit müde aufs Sofa, und vor dem steht nun aber mal nicht nur der Tisch, sondern auch die Flimmerkiste.  Und zack! Aus Schreiben wird Gucken. Oder besser: Blinzeln, wir hatten ja festgestellt, dass ich müde bin.  Und wieder setzt eine gute Idee, die ich auf der Heimfahrt hatte, in meinem Bregen Staub bis zur Unkenntlichkeit an, bevor sie dann mal eben  weg ist.

Ein guter Feierabendautor betont dieses Wort auf den letzten zwei Silben und nimmt die ersten zwei nicht zu wörtlich.  Weil ich trotz guter Vorsätze aber nicht immer auch etwas umsetze, sitze ich ziemlich in der Tinte. Und es hapert etwas mit dem Absatz. Also, dem meiner Bücher.  Aber da das Fernsehprogramm immer schlechter wird, bin ich zuversichtlich, dass mein Rechner bald meine erste Wahl nach Arbeitsschluss sein wird.

Aufwandreduzierung: Schreiben für die Schublade

Angesichts der wenig einbringenden Verkaufszahlen meiner Bücher – daraus mache ich keinen Hehl – habe ich meine Planungen bezüglich der Teilnahme an Messen und der Durchführung von Lesungen überarbeitet, oder besser schlichtweg verworfen. Eine Vermarktung der bis jetzt erschienenen Sachen versuche ich weiterhin zu realisieren, aber weitere Veröffentlichungen ( auch im Selbstverlag) schließe ich derzeit zumindest für 2020 und 2021 aus.

Vom Querdenken und Längsschreiben

Man nehme als Ausgangspunkt einen völlig normalen Gedanken und verforme ihn im Geiste. Dazu spiegelt man ihn, zerrt an ihm, dreht ihn und stellt ihn in Frage. Oder man treibe ihn auf die Spitze, so dass er absurd wird, umschreibe ihn umständlichst und lasse ihn zwischen den Zeilen wachsen. Ihn klar auszuformulieren, wird dem Leser wenig originell und viel zu banal erscheinen. Leser sind keine doofen Leute. Sie können ebenso kombinieren, Rätsel lösen und scheinbar verworrene Fäden entwirren wie wir Autoren.

Der erste Schritt, ist das gute Beobachten und Erkennen von Zusammenhängen, Gesetzmäßigkeiten und Regeln im täglichen Leben. Die Medien können dabei helfen, egal, wie umstritten sie sind. Der Alltag und das soziale Miteinander sind da ein guter Quell mancher Inspiration. Dann gibt es da noch andere Welten wie Märchen, die Zukunft, die Vergangenheit und das alles mal mehr, mal weniger utopisch angehaucht. Das Erschaffen imaginärer Orte und Ereignisse, einer anderen Zeit oder fiktiver Superhelden bringt im Verlaufe der sich entwickelnden Handlung die Fantasie bekanntlich besonders in Wallung. Dann muss nur noch jede Figur mehr oder weniger unverwechselbar in ihrem Charakter sein, oder es sind sogar alle oder mehrere Individuen gleichgeschaltet, wenn es für die Handlung nötig ist, und schon erhält die Geschichte auf diese Weise ihre besondere Handschrift. Zieht es den Verfasser beim Schreiben mitten hinein ins Geschehen, muss er vielleicht noch nicht mal einen Plot vorab erstellt haben: Was erzählt werden will, wird ihm auch einfallen. Dieses Abtauchen in eigene, andere Welten und die vermeintliche Macht über die Protagonisten, die in manchen Fällen auch ihren eigenen Kopf durchgesetzt haben sollen, wie Autoren immer wieder berichten, üben neben einer therapeutischen Wirkung beim Verarbeiten von Erlebtem auch eine bildungsfördernde Wirkung auf unser Gedächtnis aus.

Da sind Recherchen zu erledigen, Figuren zu entwickeln mit Schrullen, Macken und Stärken, mit Beziehungen zueinander und zu der jeweiligen Zeit der Handlung. Der Zeitstrahl muss sich allen Erzählperspektiven und -ebenen anpassen, und als Tüpfelchen auf dem i hat jede erzählende Figur auch ihren eigenen Stil.Aber zurück zum Querdenken, wie ich es nenne. Eine gute verrückte Ausgangsbasis entspringt manchmal der Affinität des Autoren zu gewissen Dingen, Menschen, Tätigkeiten, Neigungen. Wer zum Beispiel schräge Geschichten nach dem Vorbild Monty Pythons mag, also englischen Humor liebt, wird sich darin auch wiederfinden. Wer gern und viel reist, setzt am Besten hier an. Möchte jemand einen Krimi schreiben, tut er gut daran, von hinten anzufangen: Wer war der Täter, wer das Opfer, wo geschah es, wie lautete das Motiv usw. Die letzte, mit der eigentlichen Geschichte zu beantwortenden Frage lautet: Wie konnte es soweit kommen. So klein diese quer gedachte Idee auch sein mag, sie wird mindestens eine bis bestenfalls alle Protagonisten in dem Buch beeinflussen. Diese gestalterischen Details liegen in der Hand und dem Ermessen des Verfassers. Wortspiele und Witze darf man übrigens auch den Leuten im Alltag aus dem Munde nehmen. Sie sich selber auszudenken heißt nicht, dass es sie nicht doch schon irgendwo auf der Welt gibt. Vielleicht grassieren sie in einem anderen Land, stehen in einem anderen Buch oder es gibt sie in einem Comedyprogramm. Jeder des Lesens und Schreibens mächtiger Mensch ist ein potenzieller Leser und damit mehr oder weniger unsere Zielgruppe. Und, wie ich schon sagte: Leser sind keine doofen Leute.

Schreibgedanken – Fortsetzungen und fiktive Welten

Es scheint so manchen Autoren Spaß zu machen, für ihre Bücher alternative Welten in ihrer Fantasie zu erschaffen. Das meine ich nicht despektierlich, denn mich selbst betrifft das offensichtlich auch. Ich rede nicht von Science Fiction-Imperien wie Mittelerde oder die Welt im Jahre Dreitausendirgendwas, sondern von Fantasierorten in der Gegenwart. Zwei eigene Beispiele gefällig?

Da wäre als erstes Fiesland mit den Orten Zitterfelde, Gruselsheim, Angsthagen, Fürchteberg und Spukdorf, dem Flüsschen Angst und den Kobolden Schlotterbein und Glibberbauch, dem Skelett im Smoking namens Moderich von Tümpelschlamm und so weiter. Aus der Menschenwelt kommt man dort mit Dampfern und Schiffen hin, und in dieser Geschichte fürchten die Einwohner Fieslands, alles ehrbahre Gespenster, die Menschen und nicht umgekehrt. Aus der mitternächtlichen Geisterstunde, wie wir sie kennen, wird da um 12 Uhr mittags die Menschenstunde.

Eine weitere Fantasiewelt für eine andere bitterböse Geschichte ist die fiktive Stadt Sterbeberg-Trauerfeld, von der nur klar ist, dass ihre Einwohner etwas schräger drauf sind als üblich. Dort stirbt ein Elektriker, der zu oft Stromschläge erlitten hat, wird aus Geiz und Trunkenheit in einer Klärgrube begraben und kehrt nach einem Blitzschlag wieder zu den Lebenden zurück. Nachdem er den Betrug um seine Beerdigung auf diese Weise entdeckt, beschließt er, sich an seinen habgierigen Hinterbliebenen zu rächen, oder wenigstens, ihnen die Hölle heiß zu machen.

Schlimm ist, dass man als Autor bequem zu werden droht, sich in die Welt und die Protagonisten immer mehr einfühlt und sich so ein alternatives (Wohlfühl-)Zuhause schafft. Das wollte ich nie, und nun denke ich über eine Fortsetzung der zweiten genannten Geschichte nach. Dabei sind mir mehrbändige Romanreihen immer etwas suspekt. Sie implizieren irgendwie, dass der Verfasser aus Mangel an weiteren Einfällen den einmal gewebten Faden endlos weiterspinnen will, so mein Gedanke dabei.

Eine weitere interessante Fantasiekonstellation mit anderen Charakteren und einer völlig neuen Story ist unabhängig davon, jederzeit möglich. Oder man baut eine neue Idee in eine bestehende Konstellation ein und schreibt dann eben doch einen zweiten Band. Die Abwägung fällt manchmal schwer, wenn man an dem Projekt allein arbeitet.