Archiv der Kategorie: Schreibgedanken

Handschrift war gestern

In den Siebzigern lernte man in der Schule noch Schönschrift, Druckschrift, Schreibschrift und DIN-gerechte Standardschrift, wie sie für technische Zeichnungen verwendet wurde. In der DDR hieß das Pendant TGL. Handschriftliches und technische Zeichnungen vom Reißbrett sterben langsam aus – wir leben schließlich in einer volldigitalisierten Welt.

Wie viele meiner Geschichten schrieb ich als Kind mühevoll von Hand in eigens dafür gekaufte Schulhefte, deren Zweckentfremdung manchem Lehrer im Unterricht erst später auffiel. Auch unterwegs ging es mit Notizbuch und Stift am schnellsten, wenn man Ideen oder andere Dinge kurz festhalten musste. Mitschreiben im Unterricht mit einer Schreibmaschine? Undenkbar. Rechner gab es noch nicht.

Ja man kann auch handschriftlich auf einem Display arbeiten, aber das hat mit Stil und Kultur wenig zu tun.

Wo die Ideen herkommen

Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, sich inspirieren zu lassen und Ideen für (hoffentlich gute) Geschichten und/oder Gedichte zu sammeln.  Zu meinen Quellen gehören die folgenden aufgeführten Dinge:

BÜCHER. Lesen bildet, sagt man. Dabei muss man nicht andere Ideen 1:1 übernehmen, aber ein Buch zu lesen regt den Verstand an und, das ist meine Erfahrung, auch die Fantasie. Mitunter weckt es auch die Lust selbst etwas zu schreiben, weil einem die Art und Weise des Schreibstils nicht gefällt, man die Idee für nicht gut umgesetzt hält oder im Gegenteil, sich an dem messen will, was man gelesen hat.

FERNSEHEN. Langweilige Filme, vorhersehbare, familientaugliche seichte Geschichten a la „Traumschiff“ oder „Mama und der Millionär“ verleiten zwar eher zum Ab- oder Umschalten, aber auch aus anderen Sendeformaten kann man Infos und Ideen ziehen. Geschmäcker sind auch beim Fernsehprogramm verschieden.

ZEITUNGEN UND ZEITSCHRIFTEN. Nicht regelmäßig, aber häufig werfe ich auch einen Blick in die Presse. Dabei beschränke ich mich nicht auf regionale Erzeugnisse, weil es wichtig ist, auch über den Tellerrand hinaus zu schauen.  Mein Fokus richtet sich dabei vor allem auf die Kultur.

SOZIALE NETZE. Das Internet nenne ich hier nur im Zusammenhang mit Facebook,  Twitter, BookRix und Co.  Mit anderen Autoren vernetzt zu sein, möchte ich nicht mehr missen.   Im Mittelpunkt meines Interesses steht auch hier die Kultur im weitesten Sinne, von Veranstaltungen, Lesungen, Messen  bis hin zu anregenden Reisezielen und den Neuerscheinungen in der Buchwelt.

LAST BUT NOT LEAST: DER JOB. Und die Menschen, die man dort kennenlernt, so man einen Job hat,  deren Geschichten, das was man selbst erlebt und was einem verwehrt bleibt, (z.B. eine Karriere, oder im Umkehrschluss entspannte Arbeitszeiten ohne viel Verantwortung), die Suche nach einem neuen und das abrupte Ende vom alten Job, Stress auf Arbeit, zu wenig Stress, nette und weniger nette Kollegen und Vorgesetzte, etc, etc, pp.

Die eigene Beobachtungsgabe ist bei manchen Autoren sehr ausgeprägt, und auch bei mir bemerke ich, dass ich manche Dinge intensiver registriere, abspeichere und schon mal auf Charakterzüge wirklich existenter Menschen zurückgreife, wenn ich mir meine Protagonisten „backe“.

 

 

In Kürze gehen die Rezis los

Die Unterseite TEXTLOB hier wird demnächst endlich auch mit Leben gefüllt. Dort stelle ich in völlig subjektiver Auswahl Bücher vor, die meinem Lesegeschmack entsprechen, erstelle „Want-2-Read-Lists“ für mich und vergebe aber ganz bewusst keine Bewertung , wie z.B. 3 von 5 Sterne, 2von 8 Füllhalter, 4 von 10 Daumen usw. Ich bespreche einfach das, was ich gelesen habe und äußere mich, ohne vor Büchern zu warnen, von manchen Werken abzuraten und andere über den grünen Klee zu loben. Dabei kann es schon passieren, dass ich einer bestimmten Zielgruppe z.B. ein bestimmtes Buch empfehle. „Fackeln im Sturm “ dürften beispielsweise Pyromanen interessieren, während Restaurantbesitzer durchaus Anregungen bei „Tischlein, deck dich“ finden dürften, Schornsteinfeger lieben meines Wissens „Kamingeschichten“, naja und so weiter.

Von Orten des flüssigen Schreibens

Als Autor und Schreiberling hat man so seine Gewohnheiten, pflegt Rituale, nutzt Lieblingsplätze zum Schreiben und pflegt bestimmte Dinge zu tun, wenn man sich im Denkprozess, beim Plotten oder mitten in einer ersten interessanten Idee befindet.  Einerseits reizen mich zum Beispiel immer die berühmten einsamen und durchaus auch romantischen Plätze wie ein Haus im Wald, eine Hütte in den Bergen und manch anderes kleine Domizil fernab jeder modernen Zivilisation, andererseits komme ich zu hause genauso gut zum Schreiben.  Einmal an so einem inspirierenden Platz in der Fremde angekommen, bringe ich meine Utensilien und meine Gedanken in Ausgangsposition und – das war´s.  Was auch immer ich dann anfange, es hat erstmal etwas mit Erleben zu tun,  kann sein, ich streife durch den Wald, fahre Ski, brate mir mein Discounterschnitzel am Feuer –  Stadtmensch, der ich bin – aber Schreiben, das steht fest, werde ich keinen Buchstaben während der gesamten Zeit. Und ich hatte es mir wieder mal soo fest vorgenommen …

Tage oder Wochen später, wenn diese Eindrücke verarbeitet sind und zusammen mit sonstigem Gedankenkram verrührt wurden, ergibt sich das Resultat aus solchen Experimenten in Gestalt einer Geschichte, eines Gedichtes oder eines Buches wie von selbst. Man denkt immer, es gäbe doch so viele Orte, wo es nur so aus der Feder fließt … Aber für mich zumindest ist das oftmals ein Trugschluss, Inspiration holen? Ja. Fix und fertig aufgeschrieben? Später, viel später.

Warum ich zu solchen Ausflügen und ähnlichen Unternehmungen  immer wieder Schreibsachen mitnehme, wer weiß – ich könnte sie gleich zu Hause lassen.  Orte, an oder in denen ich noch nie ausprobiert habe, ob ich dort etwas Brauchbares zu Papier bringen könnte,  gibt es nur wenige. Aber dazu gehören:

  • Kornfelder im Sommer
  • Bibliotheken
  • Autos
  • Kettenkarussell
  • Kornfelder im Winter
  • U-Bahnstationen
  • Fernsehstudios
  • Unter Wasser
  • Auf einem Zahnarztstuhl