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Noch immer Winter trotz Sommerzeit

Halleluja: Irgend so ein in Bündnis gemeinsamer Wahlsieger hat sich endlich zusammengerafft und mitten im Winter beschlossen, sich ab sofort nur noch inoffiziell anzugiften. Offiziell wollen sich diese selbsternannten Koalitionäre ab sofort den Regierungsgeschäften widmen. Sehr zur Freude der restlichen Welt, deren Nabel Deutschland nun endlich wieder „back in town“ ist und ab sofort wieder vorgibt, was geht und was nicht. Nachdem nun also die neue Regierung vorgestellt wurde, kann man nun auch getrost die Uhren wieder vorstellen – eine neue Zeitrechnung bricht an – die Sommerzeit. Wohlan, mich deucht, das klingt fürwahr nach Aufbruch.

Es brach auch die Bundesmutti auf, und zwar nach Frankreich, wo sie schon seit fast einem halben Jahr erwartet wurde. Aber Hauptsache, da war wieder wer! Und aus lauter Ergriffenheit wurde sogar das Wetter vorübergehend besser und der Winter lächelte mild, nur um dann nochmal richtig auszuholen und ein Zeichen zu setzen: Wahrscheinlich hat er den Koalitionsvertrag gelesen mit all dem Schnee von Gestern, der da drinsteht.

Naja, immerhin haben wir die Uhren neu justiert, also es beginnt eine neue Zeitrechnung im nun wieder regierten Deutschland, das damit auch wieder in der Welt mitregiert. Auch, wenn der Winter das eiskalt ignioriert – es ist Sommerzeit. In der unsicheren, regierungslosen Zeit war er uns Wählern, die wir schuldhaft und mit politikzerstörender Absicht eine Regierung unter Stress gesetzt haben, ein willkommener Sündenbock. Immerhin hatten wir ein halbes Jahr lang keine Regierung, auf die wir so richtig schimpfen konnten.

Jetzt aber schlingert das Schiff Deutschland wieder auf sicherem Zickzackkurs durch Europa und die Welt und zeigt allen, wo es langgeht. Und wo nicht.
Jetzt können wieder Waffenexporte beschlossen und Flüchtlinge abgeschoben, Unternehmen und Konzerne steuerlich weiter entlastet, Ausfuhrzölle heruntergehandelt und Hartz4 -Empfänger sanktioniert werden. Beruhigend! Da wird selbst der olle Winter grün vor Neid. Und wir sind wohl nochmal mit einem Veilchen davongekommen, oder?

Mal wieder ein Wochenrückblick oder wie schwarzer Humor entsteht

Eben hatten wir noch Wochenende.  Und, was soll ich sagen, zahlreiche Überstunden und eine Autopanne später ist auch diese Woche schon wieder vorbei. Ja, das Los der Autopannen verfolgt mich von Arbeitgeber zu Arbeitgeber. Es hilft ungemein, wenn man schon über Erfahrung verfügt und dann weiß, auch wenn man bei -2 Grad im kalten Auto sitzt, am Ende wird alles gut, und bei einem Kantinenmuggefugg werden die blauen Glieder langsam wieder warm.  Schön, wenn man die angestaute  Wut und den Ärger dann nach Feierabend bei einem Vanille-Zwiebelpunsch oder heißer Radieschenmilch abbauen kann, indem man blutig-aggressive Stories schreibt und die Protagonisten gleich im Dutzend leiden lässt. Dann packt man noch seinen Frust darüber mit in die Worte, dass einem eigentlich nicht wirklich einfällt, wo die Handlung hinführen soll.  Und um jegliche Aufregung zu vermeiden, betrachtet man das ganze Dilemma mit einem wilden milden Lächeln und trägt es mit Humor. Das Resultat ist ein ironischer, manchmal sogar sarkastischer  Zungenschlag in den Geschichten – und schon hätten wir ein Beispiel für die Entstehung schwarzen Humors beleuchtet, der gewöhnungsbedürftig für Leser, aber therapeutisch – wohltuend für den Autor zu sein scheint.

Nein, schwarzer Humor blüht und gedeiht nicht am Wegesrand wie eine Pflanze. Psychologen bescheinigen schwarzhumorigen, zynischen Leuten, dass sie sich vom Leben zurückgesetzt und vernachlässigt fühlen und mit dieser Art von verniedlichender Vebalaggressivität auf ihre Umwelt reagieren – zum eigenen Schutz. Ich erinnere hier an die fiktive Serienfigur Gregory House M.D.  aus „Doctor House“.  Es gibt übrigens eine charmante, dunkelwitzige, um nicht zu sagen, schwarzhumorige inoffizielle Biografie, die ich gerade lese. By the way: ist „schwarzhumorig“ eigentlich ein rassistischer Ausdruck?  Ähm, aber zurück um Wochenrückblick.

Siebeneinhalb Flocken Schnee später haben wir endlich Winter. Es soll bitterkalt werden, bitter mit 5 Tee bitte! Richtig so. Die Glühweinumsätze stagnieren, das muss anders werden. Kaffee hingegen läuft immer. Das bisher war ja auch kein Winter, hallo? Mal kalt, dann mild, hin und her, Schnee ja, aber nicht mal bis Mittag, dann Sonne, plötzlich Wolken, aber welche die es gut meinen und nur Nieselregen absondern. Dann wieder  Sonne.  Und ein paar Flocken, ach nee, Petrus lässt sie dann in Regen übergehen. All das läuft genauso unentschlosssen ab wie die GroKo-Verhandlungen. Das aber ist ein anderes Thema, das aber auch langsam schon flockt. Denn das Haltbarkeitsdatum des letzten Wahlergebnisses droht abzulaufen – in gut drei Jahren ist wieder Wahl! Und Deutschland kommt, wie wir gerade merken, auch ohne Regierung klar.

 

Darüber sollten wir in der nächsten Woche mal nachdenken, wenn wir in 2 Meter hohem Schnee mit dem Auto festsitzen und die Kälte genießen, die eine Fahrzeugpanne mitunter mit sich bringt.

 

Winter in Deutschland

Deutschland schlittert regierungslos durch den Winter, der  darüber nur mild lächelt und locker-flockig die Eiseskälte statt zu uns in den Wilden Westen schickt. Wahrscheinlich geht es ihm in Deutschland ohnehin schon kalt genug zu. Die Deutschen führungslos? Niemand, der ihnen mit Herzenswärme die Richtung weist, sie freundlich lächelnd mit falschen Versprechungen überrascht und ihnen liebevoll-energisch den falschen Weg weist? Sie ohne dass sie es merken von ihrer sozialen Intelligenz befreit, zum Beispiel durch öffentlich-rechtliches Fernsehen, die kaum merkbare Erhöhung des ALG II -Satzes und die Duldung über Wucher hinausgehender Mieten in Großstädten? Naja, auch wenn das Wahlergebnis Schnee von gestern zu sein scheint, um mal bei dem Bild zu bleiben – das allerdings hat das von Festtagsidylle und Weihnachtswohlstand noch eingelullte träge deutsche Volk so nicht gewählt: Ein Land ohne Regierung. Aber selbst Schuld. Wieso müssen auch so viele Nichtwähler plötzlich aus ihren Nestern kriechen und mitmachen? Und dann die Arbeitsverweigerer der FDP, über die so manche Kabarettisten und Comedians schon abgelästert haben, dass sie aus Angst vor Verantwortung lieber Opposition sein und bleiben wollten, obwohl da ja neuerdings die SPD beheimatet ist. Und nein, SPD heißt nicht etwa Schulz Penetriert Deutschland.

Die Mitglieder der neuen Bundesregierung auf einen Blick.

So also sitzen nun die Vertreter aller beteiligten Parteien frühjahrsmüde und noch mit Lametta am Jackett zusammen, also zumindest hin und wieder mal, um zu beraten, wie man nun die verbleibende Zeit bis zur nächsten Wahl totschlägt.  Ja, wie wäre es denn mit Regieren? Wie glaubhaft ist denn Außenpolitik, wenn es keine Regierung gibt? Spricht der Außenminister dann nur für sich?  Und wer ist denn überhaupt Außenminister? Außen Minister, innen Geschmack. Aber Verreisen steht derzeit nicht so hoch im Kurs, denn in Deutschland herrscht ein milder Winter. Wenigstens einer, der herrscht. So also schlingert das Land nun so vor sich hin, kratzt an seinem Image, verspielt manchen Bonus seines Ansehens und betrachtet sich dennoch wohlwollend im Spiegel. Trotz 1 Mio versteckter Langzeitarbeitsloser, die in keiner Statistik erfasst werden, trotz knapp 3 Mio Kinder, die von Hartz4, also der Grundsicherung leben.  Auch wenn er manchmal und Manchem zu mild zu sein scheint: Es ist immer noch Winter in Deutschland.

Wahl – Nachlese auf persönliche Art

Für mich ist das Wahlergebnis ein vollkommen folgerichtiges Resultat der Politik der letzten Jahre. Die LINKE hat als Protestpartei keine oder kaum eine Chance bei ehemaligen DDR-Bürgern gehabt, die aber eine Protestpartei wählen wollten. Also kam für viele nur die AfD infrage. Bisherigen Nichtwählern hat vielleicht schon der Name gefallen: Alternative für Deutschland. Wo doch viele Politiker gern das Wort „ALTERNATRIVLOS“ benutzten in der Vergangenheit. Gut gemacht, Frau Merkel. Auch wenn AfD-Kandidat Gauland mit seinen niveaulosen Äußerungen eher als Trump für Arme durchgeht, hat doch, und da gebe ich Frauke Petry recht, die Medienlandschaft kläglich versagt bei der Aufklärung darüber, wie das Spektrum der AfD im Ganzen aussieht. Ich nehme Frau Petry ab, dass es nicht nur, aber eben auch rechte Stimmen in der Partei gibt, dass aber die Medien ein eindimensionales Bild der Partei schufen, indem sie nur extrem provozierende Äußerungen publizierte, nie aber über gemäßigte Stimmen und Meinungen berichtete. Dennoch bleibt abzuwarten ob der Neuling im Bundestag nun auch Inhalte liefert. Ich bezweifle das, lasse mich aber gern eines Besseren belehren. Weil mir Populismus zu wenig ist, habe ich nicht die AfD gewählt. Es gibt Alternativen für Protestwähler, ich weiß das, ich war auch einer.
Mich freut das Ergebnis der FDP und das der LINKEN. Und ich habe großen Respekt vor der Entscheidung der SPD, auf ein Mitregieren zu verzichten. Hoffentlich raufen sich die Sozialdemokraten mit den LINKEN zusammen. Eine starke Opposition tut diesem Land sicherlich gut.

Und last but not least hoffe ich, dass im Falle einer Jamaika-Koalition das Kiffen endlich legalisiert wird. So verkraftet man das Wahlergebnis auch besser … Ich zitiere der Vollständigkeit halber dazu einen GRÜNEN-Politiker: „Gebt das Hanf frei!“ ( Oder stammt das Zitat von Stefan Raab?)