Leseprobe aus Plaschke

Zum Glück sendete der liebe Gott die tröpfelnde Rettung in Form von Regentropfen durch das löchrige Dach der Kirche. Pastor Glaubegut war sich sofort sicher, dass der Herrgott eben immer ein Auge auf diese schöne Gemeinde habe und seine schützende Hand über sie halte. Messdiener Paul betete unterdessen bereits alle ihm zur Strafe auferlegten Vaterunser, eine Buße, die ihn von nun an noch für etliche Stunden seiner Freizeit berauben würde.

Das Klärgrubenbegräbnis

Während am Vormittag des Beerdigungstages als in der Kirche der Beichtstuhl brannte, weswegen der Beichtstuhlgang einer vom rechten Wege abgekommenen jungen Dame abrupt unterbrochen werden musste, weilte die Witwe Plaschkes im Bestattungshaus. Gleichzeitig litt Urnentreters Bruder, der Totengräber namens Schaufelbert, aufgrund seines erhöhten Blutalkoholspiegels mal wieder unter leichten Orientierungsproblemen. Der verdutzte Erdarbeiter staunte nicht schlecht, als er sich bei seinem Gang über den Friedhof plötzlich vor dem fertig ausgehobenen Grab für Plaschke wähnte. Was seinen getrübten Sinnen entging, war die Tatsache, dass er sich vor der Baugrube für die neu geplante Klärgrube befand. So stand er etwas windschief mit der Schaufel in der Hand vor dem Riesenloch und staunte. Vielleicht wird das ja ein Familiengrab, überlegte er. Meine Fresse, was war das groß … Auch gut … dann würde er die Sargträger nach der Feierlichkeit hierher zum neuen Familiengrab führen. Schon fanden sich wenige Meter entfernt vor der Kirche die ersten Trauergäste ein. Endlich tauchte auch Hauab Plaschke – mit Greta und Meta Stase im Schlepptau – an der Kirche auf. Ein Wunder, dass er nicht gleich mit einem leeren Geldkoffer erschien. „Wann geht denn der Zirkus los hier? Und wo steht das Büfett?“

„Schmuddelputzi, hab´ Geduld …“ Greta beruhigte ihren Helden. Neben ihm flüsterten zwei alte Schachteln miteinander. Hauab Plaschke und seine Freundin verstanden nur einige Wortfetzen: „… jaja, soll ja sehr krank gewesen sein …“ „Hab´ ich auch gehört … und hatte wohl `ne dicke Metastase …“ Gretas Mutter blickte auf, denn sie glaubte, ihren Namen gehört zu haben. „Was ist mit mir?“, mischte sie sich ein. „Mit Ihnen? Woher sollen wir das wissen?“ Die beiden alten Damen blickten sie verwirrt an. Bevor das Missverständnis ausufern konnte, öffnete sich endlich das Tor der Kirche. Leichter Brandgeruch drang nach außen. Hauab Plaschke roch es und war augenblicklich enttäuscht. „Hat sicher was mit dem Büfett – es riecht angebrannt … war ja klar!“ Nur Minuten vorher hatte Urnentreter unter Einsatz seiner letzten Kräfte die Sackkarre mit dem sperrigen Sarg aus Presspappe durch den Hintereingang in den noch immer leicht verqualmten Kirchensaal gezogen. Mehr als einmal verlor er dabei den Deckel und sorgte so dafür, dass ein frischer Wind Plaschkes dezent kariertes, avantgardistisches Totengewand umspielte und anzuheben drohte. Grabzuweit, schon immer nachtragend, trug schließlich den abgefallenen Deckel hinterher. Plaschke spürte in der Beingegend einen leichten Windhauch und begann angesichts der kalten Herbstluft zu frieren. Irgendwie vermochte er sich nicht zu rühren. Auch begriff er zunächst nicht, was hier vor sich ging: Da waren Geräusche, Stimmen und die derben Erschütterungen während man ihn offensichtlich transportierte. Erst allmählich sortierte sich sein Verstand … War das hier eine Trauerfeier? Seine etwa? Mit einem halboffenen Auge erblickte er seine bucklige Verwandtschaft … Moment mal: Ging es hier um ihn? Dann würde gleich „Highway to hell“ kommen. Nur so würde Plaschke Gewissheit erlangen: Spielten sie jetzt AC/DC, war er der Tote. Und plötzlich kreuzte Fritz Plaschke die Finger und kniff die Augen fest zu: Bitte nicht AC/DC ….

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