Vom Querdenken und Längsschreiben

Man nehme als Ausgangspunkt einen völlig normalen Gedanken und verforme ihn im Geiste. Dazu spiegelt man ihn, zerrt an ihm, dreht ihn und stellt ihn in Frage. Oder man treibe ihn auf die Spitze, so dass er absurd wird, umschreibe ihn umständlichst und lasse ihn zwischen den Zeilen wachsen. Ihn klar auszuformulieren, wird dem Leser wenig originell und viel zu banal erscheinen. Leser sind keine doofen Leute. Sie können ebenso kombinieren, Rätsel lösen und scheinbar verworrene Fäden entwirren wie wir Autoren.

Der erste Schritt, ist das gute Beobachten und Erkennen von Zusammenhängen, Gesetzmäßigkeiten und Regeln im täglichen Leben. Die Medien können dabei helfen, egal, wie umstritten sie sind. Der Alltag und das soziale Miteinander sind da ein guter Quell mancher Inspiration. Dann gibt es da noch andere Welten wie Märchen, die Zukunft, die Vergangenheit und das alles mal mehr, mal weniger utopisch angehaucht. Das Erschaffen imaginärer Orte und Ereignisse, einer anderen Zeit oder fiktiver Superhelden bringt im Verlaufe der sich entwickelnden Handlung die Fantasie bekanntlich besonders in Wallung. Dann muss nur noch jede Figur mehr oder weniger unverwechselbar in ihrem Charakter sein, oder es sind sogar alle oder mehrere Individuen gleichgeschaltet, wenn es für die Handlung nötig ist, und schon erhält die Geschichte auf diese Weise ihre besondere Handschrift. Zieht es den Verfasser beim Schreiben mitten hinein ins Geschehen, muss er vielleicht noch nicht mal einen Plot vorab erstellt haben: Was erzählt werden will, wird ihm auch einfallen. Dieses Abtauchen in eigene, andere Welten und die vermeintliche Macht über die Protagonisten, die in manchen Fällen auch ihren eigenen Kopf durchgesetzt haben sollen, wie Autoren immer wieder berichten, üben neben einer therapeutischen Wirkung beim Verarbeiten von Erlebtem auch eine bildungsfördernde Wirkung auf unser Gedächtnis aus.

Da sind Recherchen zu erledigen, Figuren zu entwickeln mit Schrullen, Macken und Stärken, mit Beziehungen zueinander und zu der jeweiligen Zeit der Handlung. Der Zeitstrahl muss sich allen Erzählperspektiven und -ebenen anpassen, und als Tüpfelchen auf dem i hat jede erzählende Figur auch ihren eigenen Stil.Aber zurück zum Querdenken, wie ich es nenne. Eine gute verrückte Ausgangsbasis entspringt manchmal der Affinität des Autoren zu gewissen Dingen, Menschen, Tätigkeiten, Neigungen. Wer zum Beispiel schräge Geschichten nach dem Vorbild Monty Pythons mag, also englischen Humor liebt, wird sich darin auch wiederfinden. Wer gern und viel reist, setzt am Besten hier an. Möchte jemand einen Krimi schreiben, tut er gut daran, von hinten anzufangen: Wer war der Täter, wer das Opfer, wo geschah es, wie lautete das Motiv usw. Die letzte, mit der eigentlichen Geschichte zu beantwortenden Frage lautet: Wie konnte es soweit kommen. So klein diese quer gedachte Idee auch sein mag, sie wird mindestens eine bis bestenfalls alle Protagonisten in dem Buch beeinflussen. Diese gestalterischen Details liegen in der Hand und dem Ermessen des Verfassers. Wortspiele und Witze darf man übrigens auch den Leuten im Alltag aus dem Munde nehmen. Sie sich selber auszudenken heißt nicht, dass es sie nicht doch schon irgendwo auf der Welt gibt. Vielleicht grassieren sie in einem anderen Land, stehen in einem anderen Buch oder es gibt sie in einem Comedyprogramm. Jeder des Lesens und Schreibens mächtiger Mensch ist ein potenzieller Leser und damit mehr oder weniger unsere Zielgruppe. Und, wie ich schon sagte: Leser sind keine doofen Leute.

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