Helau-Gedöns und Spaß zweiter Wahl

Als weinerlicher Jammer-Ossi aus dem kühlen Norden, der zum Lachen in den Keller und zum Heulen auf das Dach geht, wenn Vollmond ist und sein Therapeut mal wieder Urlaub hat, interessiert mich dieses Helau-Gedöns namens Karneval Null. Wenn ich wollte, ich würde tagein tagaus von Lachkrämpfen geschüttelt werden und kaum meiner Arbeit nachgehen können. Mein Leben ist saulustig, aber ich hebe mir mein Gelächter noch auf, bis ich alt bin und ein paar Lachfalten mehr nicht auffallen. Da ist so ein bißchen staatlich geduldete Albernheit mit Narrenkappe als Erkennungszeichen ein Armutszeugnis für den deutschen Humor. Der war selten von so korrekter Dürftigkeit und geplanter politischer Unkorrekheit wie heutzutage. Seltener werdende Schenkelklopfer, kaum noch Lospruste-Schoten, dafür aber ständig auftretende Anstandsschmunzler sind die Regel, wenn Medien sich dem Lachen zuwenden wollen.

Anstandsschmunzler (oder auch: Anstaltsschmunzler) , das könnte übrigens ein Nebenjob für Publikumsmitglieder in solchen Sendungen sein. Dieser Zuschauerrandgruppe würde dann der verantwortliche Programmredakteur am Einlass die Gesichtshaut straff ziehen, am Hinterkopf zusammentackern und die Mundwinkel so bis an die Ohrläppchen ziehen. Dann hält auch dank der dicken Hautfalte am Hinterkopf die Narrenkappe besser auf dem strohgefüllten Hutständer.

Nein, liebe Lachsäcke und Streichspieler, echter Humor ist an keine 5. Jahreszeit oder an keinen Anlass, keine Verordnung gebunden. Alle diese Teilzeitjäcken, die sich einmal im Jahr alte Bonbons und zotige Komplimente an den Kopf werfen, nur weil es immer so war und im Kalender steht, haben daher aus meiner Sicht ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn sie, wie die meisten von ihnen, danach wieder brav zur Tagesordnung übergehen und so weitermachen, wie sie vor dem 11.11. aufgehört haben.  Das kommt dann nicht von Herzen, sondern aus der Gewohnheit heraus.

Ja, der deutsche Humor muss ausgewechselt werden, er wirkt arg angeschlagen. Eine Reha würde ihm gut bekommen. Hängt wohl damit zusammen, dass wir uns alles bei den Amis abgucken, einem Volk dessen Sitcoms bereits nach der Pilotfolge anfangen zu schwächeln und die dann nur noch so witzig sind wie ein Dreisprung im Minenfeld.

A propos Waffen – zurück zum Thema: Als Kind habe ich mich auch nicht nur zum Fasching als Cowboy oder Indianer verkleidet, sondern dann, wenn ich Zeit und Lust dazu hatte. Meistens hat man ja mit Freunden (also echten Menschen) so etwas draußen an der frischen Luft gespielt. Live und in 5D. Stereo. Ohne Maus. Das heißt, einmal hat der lange Lulatsch von gegenüber eine gefangen. Die war noch an keinen PC gebunden, rannte noch selbst herum, also schon damals wireless!

So und nun hole ich die Leiter vom Dachboden, denn irgendwie macht mich das alles traurig, und heute Abend ist wieder Vollmond.

„Oh Gott, ist das hoch … ja. Vollmond, kein Zweifel. Ich seh ihn.“

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