Ertse Leseprobe aus „Der verstorbene Verblichene 2“

Hier gibt es schon mal eine Vorableseprobe des 2.Teils. Sobald ich Zeit finde, wird er ebenfalls auf neobooks erscheinen, auch den ersten, den ich versehebntlich dport glöscht habe, der also nur bei amazon erhältlich ist, wird dort wieder eingestellt. Und dann geht es weiter auf bookrix mit neuen Sachen.

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Unterdessen setzte draußen ein Donnergrollen ein, dass sich in immer kürzeren Abständen wiederholte und immer stärker wurde.
„Hörst du das, mein Sohn?“
Den familiären Unterton, der in der Frage des Pfarrers mitschwang, überhörte der Totengräber Schaufelbert Urnentreter, dem die Frage galt. Auch war der mit hochprozentiger Sicherheit nicht religiös. Nur mit Hochprozentigem, da kannte er sich aus. Dennoch nickte er freundlich als Antwort.
„Petrus spielt wieder Bowling da oben.“
So umschrieb er den Donner über den tief hängenden dunklen Gewitterwolken, was dem Geistlichen ein verständnisloses Kopfschütteln abnötigte. Und schon tröpfelte es durch das noch immer offene Kirchendach. Jedoch so lange nicht der Blitz in den Altar einschlug und die Kerzen entzündete, beklagte sich niemand.

Der einarmige Organist orgelte sich die Seele frei und spielte „raindrops keep falling on my head“.

„Der Regen macht ihm zu schaffen, oder?“, erkundigte sich Urnentreter mitfühlend.
„Leider. Sonst spielt er immer „singin in the rain“. Aber im Moment geht es ihm nicht so gut…Phantomschmerz, vermutlich“, entgegnete der Pfarrer.

Blitzeinschläge in offene Klärgruben sind ein seltenes und aufsehenerregendes Ereignis und sorgen häufig dafür, dass die Kacke buchstäblich am Dampfen ist. Und wenn ein etwas toter Elektriker dann von dieser sich entladenden elektrischen Spannung getroffen wird, entbehrt es nicht einer gewissen Spannung, dem daraus resultierenden Schauspiel aufmerksam zu folgen.

Zwei Blitzeinschläge kurz nacheinander, die Fritz Plaschke natürlich mangels eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit nicht als solche erkennen konnte, denn er litt ja derzeit unter sporadischer Leblosigkeit, sorgten aber dafür, dass ihm scheinbar plötzlich etwas Feuchtes auf seinen Kopf zu tropfen schien. Die dickflüssige Brühe hatte in Wirklichkeit schon länger tropfenderweise seinen Schädel gebräunt, aber seit dem letzten Blitzeinschlag war er auch in der Lage, es zu spüren – und es nervte.

Unfähig, sich zu bewegen, lag Plaschke da und lauschte in die Stille hinein. Es schien ihm, als höre er von weit her ein Blubbern. Dann schnarrte und summte etwas. Das war doch…“highway to hell“ – sein Lieblingstitel! Wer spielte hier AC/DC? Dann fiel ihm sein Handy ein. Wie gern wäre er jetzt rangegangen: Dazu aber steckte er zu tief in der Scheiße.

Schlagartig hörte die Musik auf. Stattdessen hörte Plaschke nun Geräusche…was war denn nur mit ihm los? Etwas kratzte plötzlich an seinem Rücken, und bevor er sich´s versah, purzelte er einen halben Meter hinab – zusammen mit einigen Litern Kloake und fiel einem verdutzten Kanalarbeiter direkt vor die Füße.

Plaschke sah den Arbeiter fragend an: „Warten Sie auch auf die nächste U-Bahn?“ Statt einer Antwort kroch der Befragte schreiend in Windeseile durch den Kanal davon, die knietiefe Fäkalbrühe ignorierend.

Fluchend und sich immer wieder sein schönes Totenhemd glatt streichend, folgte Fritz Plaschke ihm in gößerem Abstand. Jetzt stand ihm der Sinn nach frischer Luft.
Schließlich führte eine Betonröhre mit darin zum Hinaufsteigen eingelassenen Metallbügeln an das Tageslicht. Der Kanalarbeiter war gerade im Begriff, einen großen runden Gullideckel zu öffnen und erfuhr durch das Auftauchen seines Verfolgers einen jähen Motivationsschub. Mit angstverzerrtem Gesicht und blankem Entsetzen kam er so zu Riesenkräften und hob den schweren Deckel mit den bloßen Händen an, bevor er ihn zur Seite schob und auf diese Weise dafür sorgte, dass grelles Tageslicht Plaschke blendete.
Im Handumdrehen war der Arbeiter verschwunden, und keuchend kletterte der so lange verbuddelte Fritz Plaschke aus dem Gulli.

Als er an sich heruntersah, war sein schönes Totenhemd über und über mit einem Gemisch aus Erde und einer übelriechenden ebenso feuchten wie dunkelbraunen Substanz verschmiert. Untenrum zog es ein wenig, fand Plaschke, dem das weit geschnittene Hemd wie ein Rock um die Knie geflattert wäre, wenn es nicht von Dreck und Nässe durchdrungen gewesen wäre.

So stieg er also neben dem parkenden Güllewagen aus der Straße, wie es ein entsetzter gerade vorbei spazierender Passant später aufgeregt im Gasthaus seinen ungläubig dreinschauenden Zuhörern am Stammtisch beschrieb.

„Der sah aus, als sei ihm was ins Klo gefallen und er ist im Nachthemd hinterhergetaucht“, erklärte der Augenzeuge. „Und ganz braun war er im Gesicht. Und dann dieser stechende Blick…gruselig, echt gruselig!“
„Braun im Gesicht? Also kein Europäer?“, wollte einer aus der Runde wissen.
„Also Sommerbräune sieht anders aus. Nee, aber Afrikaner oder so war er nicht… soweit ich das sehen konnte…“
„Hättst´n mal mit dem Handy – klickediklick!“
„War doch viel zu erschrocken – wer rechnet denn damit, dass er dem Güllegott aus der Unterwelt begegnet?“

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