Oh, Pannenbaum! Kapitel 3 – als Sonntagsgeschichte (6)

Der Job aller Jöbbe
Oh Pannenbaum! (3)

Kapitel1 und 2

-3-

Mit einer fahrigen Handbewegung brachte ich die Kaffeetasse zu Fall. Elke stöhnte auf.
„Hab dich doch nicht so, Kaffeeflecke gehen heutzutage schon bei 30 Grad raus.“, belehrte ich sie. Ihre schwerhörige Oma Herta fühlte sich angesprochen, weil ich sie dabei zufällig ansah und widersprach mir : „ Nein, nein, Jungchen – bei 30 Grad geh ich nicht mehr raus, das ist mir viel zu warm…“
„ Hertalein, du bist ja kein Kaffeefleck, da macht das nichts, wenn du drin bleibst“, entgegnete ich freundlich.

Wie Elke dazu kam, meine Eltern zu sich zu bestellen, war mir immer noch nicht klar. Und vor allem – woher nahm sie die Gewissheit, dass sie selbst noch zu meiner Familie gehörte? Sie hatte in der Tat Mutter angerufen und sie nebst Mann und Braten zu sich, ihrem Hansel und diesem lebenden Ärmelschoner aus dem Land des oval office eingeladen, nach dem Essen könne ich ja mit meinen Eltern los ziehen, außerdem sei ich der Baumbesorger – jaja: worum auch immer meine Ex mich bittet, ich besorg´s ihr.

Es klingelte an der Wohnungstür. Die Hausherrin sah mich an, als hätte ich einen fahren lassen. „Das sind die Männer.“, sagte sie und sah mich wieder an. Achso, die Männer. Dann bin ich der Weihnachtsbraten, oder was? Ihr Blick wurde nicht besser, eher fordernder: „Du siehst doch, dass ich hier zu tun habe, oder?“ Sie hatte das Tischtuch in der einen und eine weiße Masse in der anderen Hand und begann, den Kaffeefleck damit einzugatschen.
„Na was ist – machst du bitte auf?“ „Wohne ich hier oder du?“
Das konnte ich mir nicht verkneifen, ging aber doch zur Tür. Dann konnte ich gleich selbst auf das Klingelschild schauen, ob da nicht etwa doch mein Name stand.

Unten vor der Tür standen Hans und der Ami. Sie waren einkaufen gewesen und schleppten diverse Taschen und Tüten mit sich herum. Auf dem Flur in der Wohnung sahen sie die Unterkiefer und das Gezweig liegen. „Was bitte ist das?“, lachte Hans und zeigte auf das Grünzeug. Der Amerikaner grinste und sagte nichts.
Elke kam um die Ecke, lächelte kurz und kreischte plötzlich. Hat sie wieder heimlich Hohes C getrunken, dachte ich nur und sah vor meinem geistigen Auge die Weihnachtskugeln in ihren Kartons zersplittern.
„Hans!! Pass doch auf…“ Elke deutete auf seine Schuhe.
Ihr Mustergatte musste seine Füße mitsamt Schuhen in einem Haufen warmer Exkremente geparkt haben – auf der Straße wohlgemerkt, denn es roch plötzlich nicht mehr weihnachtlich.
„Von jetzt an nenne ich dich Hans Im Glück.“, beschloss ich laut.
„Haha, du Blödmann. Hilf mir lieber.“, meckerte Hans Dampf-in-allen-Schuhen.
Baumbesorger, Schuhputzer , Türöffner….Das ging entschieden zu weit und ich deswegen kurzerhand und ebenso entschieden ins Wohnzimmer zurück.

Als sich die Aufregung und der markante Duft mit Hans zusammen auf sein Sofa gelegt hatten, während Mister McOffice um Elke herumscharwenzelte, besah ich mir den Baum nochmal aus der Nähe.
So schlecht sah die Kiefer nicht aus, wenn man sie im richtigen Winkel betrachtete. Daher liess ich mich sogar hinreißen zu der Aussage, ich hätte sie selbst ausgesucht und abgesägt. Vom Friedhof sagte ich natürlich nichts. Ich wollte für meiner Hände Arbeit anerkannt, meinetwegen auch kritisiert werden, Hauptsache es nahm mal einer davon Notiz, dass ich verdammt nochmal meinen Beitrag zu diesem Fest bereits geleistet hatte!

“Da fehlt doch die ganze Spitze!”, mäkelte Hans an dem Baum herum.
“Ist eben eine Unterkiefer – für Elkes niedrige Wohnung reicht die doch.”, antwortete ich 
“Aber besser wär, da oben drauf gäbe es eine Spitze”, beharrte Hans.
Elke kam dazu und zog angewidert die Oberlippe hoch, als sie den Baum sah. Den Blick kannte ich noch aus der Hochzeitsnacht. Sie mochte einfach keine kleinen Bäume.  “Da hast du deine Spitze”, sagte ich zu Hans und deutete mit dem Kopf auf Elke. “Nicht, wahr – du bis doch immer spitz?”  Und damit liess ich die Beiden stehen und begab mich zu dem Ami, der inzwischen auf der Couch lümmelte. Ich war so geladen wie John Waynes Winchester.
Ob der Büromane mich etwas aufheitern konnte mit seinem drolligen Denglisch?

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